Rathaus und Amtshaus im Sommer
© Stadtverwaltung Ilmenau / Andreas Hartmann

Ilmenauer Bibliothek und Festhalle erhalten Siegel für Barrierefreiheit

Urkunde Zertifikat barrierfrei
© Stadtverwaltung Ilmenau

Das Kultur- und Kongresszentrum Festhalle Ilmenau und die Stadtbibliothek haben ihre Barrierefreiheit mit dem Gütesiegel „Reisen für Alle“ bescheinigt bekommen. Bis zum Jahr 2026 gilt das Zertifikat, das erst nach der Erfüllung von bundeseinheitlichen Kriterien vergeben wird.  Bereits im Mai des vergangenen Jahres haben sich die Ilmenau-Information und das GoetheStadtMuseum einer Datenerfassung unterzogen. Ein nächster Meilenstein wird die Zertifizierung der Freizeitbetriebe, die in den kommenden Monaten vorbereitet wird. Die geprüfte Barrierefreiheit wird nach Außen hin sichtbar an klar erkennbaren Piktogrammen.

Der Barrierefreiheit des Kultur- und Kongresszentrum Festhalle Ilmenau wurde bereits im Vorfeld der Sanierung ein hoher Stellenwert beigemessen. Das Haus ist komplett barrierefrei, wozu ein Außenlift für Rollstühle und Kinderwagen bereits ab Eingang zählt. In der Festhalle selbst gibt es weitere Aufzüge für Besucherinnen und Besucher, mit dem alle Ebenen erreicht werden können. Zudem gibt es eine ausreichende Anzahl an Toiletten für Menschen mit Handicap. Das Kultur- und Kongresszentrum verfügt zusätzlich über Induktionsschleifen für die Akustik: Hörgeräteträger können sich damit kabellos aufschalten. Besucher ohne Hörgerät können an der Kasse einen Kopfhörer ausleihen. Vom Team der Festhalle begleitetete das Projekt „Reisen für Alle“ die angehende Veranstaltungskauffrau Annik Strobach, die zum Thema Barrierefreiheit an einer Schulung teilgenommen hat.  Im Fall der Bibliothek qualifizierte sich die stellvertretende Leiterin Franziska Förster für den Prozess. Ilmenaus Stadtbibliothek verfügt über einen barrierefreien Zugang sowie verschiedene Möglichkeiten, um Menschen mit Handicap die Nutzung der Einrichtung erleichtern.

Vom barrierefreien Angebot zur barrierefreien Region: Das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Label „Reisen für Alle“ bewertet Angebote entlang der gesamten Reisekette. Die Bandbreite reicht von der örtlichen Touristinformation über Beförderungsmittel, Unterkünfte, gastronomische und kulturelle Einrichtungen sowie Sehenswürdigkeiten, bis hin zu Aktiv- und Naturerlebnisangeboten und Freizeiteinrichtungen. Langfristig soll es in vielen Orten und Regionen eine breite Palette an geprüften Angeboten geben.

In Deutschland leben rund 10 Millionen Menschen mit einer Behinderung. Sie reisen deutlich weniger als der Durchschnitt der Bevölkerung. Es fehlt an barrierefreien Angeboten sowie an detaillierten, verlässlichen Informationen über deren Nutz- und Erlebbarkeit. Denn die bislang existierenden Zertifizierungen zur Barrierefreiheit basieren auf verschiedenen Kriterien und Herangehensweisen, meist allein auf Selbstauskünften. Hier setzt das Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ an: Mit ihm können die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Freizeiteinrichtungen und touristischen Angeboten detailliert beschrieben und geprüft werden. Damit wird auch die Reiseplanung für Gäste deutlich erleichtert.

Nach Einschätzung von Peggy Fauß, zuständig bei der Thüringer Tourismus GmbH (TTG) für das Thema „Reisen für Alle“, ist das Anliegen auch mit Blick auf die demografische Entwicklung in der Gesellschaft immens wichtig. „Doch nicht nur ältere Menschen profitieren von solchen Angeboten. Hinzu kommen Familien mit kleinen Kindern, oder komfortorientierte Besucher der Region“, sagte sie bei der Vorbereitung der Zertifizierungsphase in Ilmenau.

Ihrer Prognose zufolge wird die die Nachfrage deutlich steigen. Die Generation 60 plus werde größer und ist dabei immer noch sehr aktiv. Dabei müssen es nicht immer gleich Umbauten im großen Stil sein. Neben baulichen Barrieren gibt es auch sensorische Barrieren, wie etwa Schriftgrößen oder Kontraste, aber auch eine leichte Verständlichkeit der Sprache in Broschüren oder auf Informationstafeln. Barrieren könnten aber auch im Bereich Service reduziert werden. Viele Verbesserungen seien zum Teil bereits ohne große Investitionen abbaubar, schilderte sie. „Man kann mit einer entsprechenden Sensibilität für das Thema auch im Kleinen schon viel bewirken“, weiß Peggy Fauß.

„Sehr dankbar bin ich dem Fachausschuss, unserem Inklusionsbeauftragten Philipp Schiele und vor allem den Kolleginnen und Kollegen in der Ilmenauer Stadtverwaltung, die dieses wichtige Thema so vorangetrieben haben. Mit der Festhalle und der Stadtbibliothek erhielten zwei Einrichtungen von enormer öffentlicher Bedeutung das Zertifikat. Vor allem unsere Einwohnerinnen und Einwohner profitieren von den Bestrebungen nach mehr Barrierefreiheit, die letztlich den Abbau von Alltagshürden bedeutet“, sagte Oberbürgermeister Daniel Schultheiß.

18.01.2024