Kickelhahnturm im Winter
© Wolfgang Kobe

Figuren von Naturwesen werden für "NaturKunstBlicke" in Frauenwald sorgen

„Naturwesen“ ist der Titel des künstlerischen Entwurfs, der sich einstimmig gegen weitere 29 Einreichungen durchgesetzt hat und nun zur Umsetzung kommen wird. So werden drei Figuren als „Naturwesen“ durch ihre Transparenz eine gewisse Leichtigkeit ausstrahlen und sich dadurch in ihrer Umgebung zurücknehmen. Ihr Netzwerk verbindet sich mit ihrer Umgebung und den pflanzlichen sowie tierischen Bestandteilen. Dabei, so der Künstler, fragen sie nach der Beziehung zwischen Mensch und Natur und befinden sich dabei in einem ständigen Widerspruch. Die Plastiken sollen die Schönheit und Faszination zur Natur und zum Menschen selbst wachrufen und die Dualität zwischen beiden infrage stellen.

Der Künstler findet entsprechend der Gegebenheiten der drei Standorte in Frauenwald jeweils eigene Interpretationen, die vom Besucher in der hier gezeigten Reihenfolge erlebt werden.

Bewegung - Artikel Naturwesen-Figuren werden für
© Hermann Beneke

Bewegung – Auf der Promende

Hier wird eine schreitende Figur zu sehen sein, die sich im lockeren Schritt über die gepflasterte Fläche zu bewegen scheint. An ihrer hinteren Ferse wächst eine Rankpflanze empor, mit der sie verschmolzen ist und sie in ihrer Bewegung hindert. Die Plastik ist mit etwa 2 Metern Größe etwas überlebensgroß.

Erdung - Artikel Naturwesen-Figuren werden für
© Hermann Beneke

Erdung – Kleines Riesenhaupt

Lange wird der Spaziergänger oder Wanderer auf diese Figur zulaufen, die mit einer Größe von rund 3,5 Metern deutlich sichtbar am Horizont zu sehen sein wird. Sie steht im Vierfüßler-Stand, scheint sich vom Boden abzustoßen und ist doch gleichzeitig mit ihm verwachsen. Strauchwerk wird sich ihr annehmen und sie begrünen. Ihr Rücken nimmt die Form der Berglandschaft auf.

Ruhe - Artikel Naturwesen-Figuren werden für
© Hermann Beneke

Ruhe – Großes Riesenhaupt

Die Figur steht im leichten Kontrapost und nimmt eine in sich ruhende Pose ein. Selbst das emsige Treiben der Wildbienen, die ihren Torso und ihre Gliedmaßen bewohnen, stört sie nicht. Das Stahlnetz ähnelt der Struktur von Bienenwaben oder Zellen. Im Inneren befinden sich durchlöcherte Eichenholz-Elemente, welche die Besiedlung durch Wildbienen möglich machen. Mit ihrer Größe von etwa 3 Metern wird sie weithin sichtbar sein.

Mitglieder der zweiten Jurysitung
Mitglieder der zweiten Jurysitung "Naturkunstblicke" (vorn recht Dr. Luise Nerlich, Leiterin des Wettbewerbsverfahrens für den Verband Bildender Künstler Thüringen e.V. (VBKTh). Links dahinter Dagmar Schmidt, Jury-Vorsitzende.)

Nach mehreren intensiven Besprechungen zum Wettbewerbsverfahren, dessen Ausgestaltung und Standortsuche in der Lenkungsgruppe des Projektes wurde am 3. März 2022 die Auslobung zu einem zweistufigen bundesweit offenen Künstlerwettbewerb veröffentlicht und gezielt innerhalb der Kunstschaffenden verbreitet.

Am 6. April 2022 wurde den Teilnehmenden ermöglicht, die drei angedachten Standorte – An der Promenade, auf dem Kleinen und dem Großen Riesenhaupt – zu besichtigen und Fragen zu stellen. Etwa ein Dutzend Künstlerinnen und Künstler folgten der Einladung, so dass sich erfreulicherweise eine merkliche Resonanz auf den Wettbewerb abzeichnete.

Im Rahmen der 1. Jurysitzung am 8. Juni 2022 traf das Gremium eine Auswahl aus insgesamt 30 eingereichten Ideenskizzen und nominierte sechs Arbeiten für die nächste Phase, für die die Ideenskizzen zu umsetzungsreifen Arbeiten weiterzuentwickeln waren. Fünf Arbeiten nahmen an der Auswahl für die 2. Jurysitzung am 13. Juli 2022 im Parkcafé der Festhalle Ilmenau teil. Nach intensivem Austausch und mehreren Wertungsrunden entschied sich die Jury einstimmig für die Arbeiten von Hermann Beneke mit dem Titel „Naturwesen“.

Die Jury überzeugte neben den Beschreibungen des Künstlers zusätzlich die natürliche Wandelbarkeit der Installationen im gesamten Jahresverlauf. Die Figuren werden immer anders bewachsen sein, im Nebel anders wirken als an einem wolkenfreien Wintertag. Die Figuren können rundherum umlaufen werden und bieten stets eine andere Perspektive. Sie werden ein beliebtes Fotomotiv sein und so für Frauenwald, die Stadt Ilmenau und das UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald in den sozialen Medien werben. Eines der Hauptanliegen des Projektes, das sich aus der einstigen Idee eines „Wald-Wellness-Pfades“ zu den „NaturKunstBlicken“ weiterentwickelt hat.

Hermann Beneke ist 1984 in Jena geboren, war von 2003-2005 Holzbildhauergeselle an der Schnitzschule Empfertshausen und schloss 2016 sein Studium an der Kunsthochschule Halle/Burg Giebichenstein mit dem Diplom in der Bildhauerei ab. Seit dieser Zeit ist er freischaffend tätig. Hermann Beneke lebt in Halle/Saale. Er beteiligt sich seit seinem Studienabschluss mehrmals im Jahr an Ausstellungen, Workshops und Kunstprojekten. Weitere Informationen zum Künstler unter www.hermann-beneke.de.

Der gesamte Wettbewerb wurde für die Jury bis zuletzt anonym gehalten. Die Einreicher wurden erst nach Abschluss der 2. Jurysitzung bekannt gegeben. An der 2. Jurysitzung nahmen stimmberechtigt teil (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Prof. em. Liz Bachhuber (Freie Künstlerin)
  • Susanne Besser (Freie Künstlerin, Mitglied im VBKTh)
  • Nico Debertshäuser (Amtsleiter Stadtverwaltung Ilmenau)
  • Thomas Grökel (Ortsteilbürgermeister des Ortsteils Frauenwald)
  • André Hunstock (Mitarbeiter der Stadtverwaltung Ilmenau/Bauamt)
  • Thomas Kahl (Mitglied des Ortsteilrates des OT Frauenwald)
  • Erik Lauterbach (für den Dorfentwicklungsbeirat)
  • Beate Misch (Bürgermeisterin der Stadt Ilmenau)
  • Dunja Rose (Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Ilmenau/Sport- und Betriebsamt)
  • Dagmar Schmidt (Freie Künstlerin, Vorsitzende des Bundesverbandes Bildender Künstler, Jury-Vorsitzende)
  • Christina Sittig-Schubert (Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald)
  • Thomas Wittenberg (Freier Architekt, Vorstandsmitglied Architektenkammer Thüringen)
  • Tina Wittrich (Vorsitzende Kultur- und Sportausschuss des Stadtrates der Stadt Ilmenau)
  • Matthias Wetzel (Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr des Stadtrates der Stadt Ilmenau)

 

Annett Voßhage von der Unteren Naturschutzbehörde des Ilm-Kreises wirkte aktiv als nicht stimmberechtigte Sachverständige am Wettbewerbsverfahren mit.

Für die Umsetzung der Installationen stehen Fördermittel des Freistaates Thüringen (ausgereicht vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz), Eigenmittel der Stadt Ilmenau sowie Drittmittel aus einer Zuwendung durch das ortsansässige Gasthaus Waldfrieden 70.000 Euro zur Verfügung. In den nächsten Wochen wird die Errichtung der Installationen gemeinsam mit dem Künstler Hermann Beneke vorangetrieben.

Die meisten Einreichungen (sieben) kamen aus Thüringen, jeweils fünf Einreichungen aus Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen. Weitere Einreichungen kamen aus Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. Zwei Einreichungen kamen von einer jeweils zweiköpfigen Künstlergruppe, für alle anderen Einreichungen zeichnet jeweils ein Kunstschaffender verantwortlich.

Im Rahmen des Projektes „NaturKunstBlicke am Panoramaring Frauenwald“ stehen insgesamt 143.100 Euro durch das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz zur Verfügung. Teil des Projektes sind neben der Realisierung der künstlerischen Installationen Anschaffungen von passendem Freiraummobiliar, Beschilderungen und die Herstellung und Verbreitung von Werbematerialien vorgesehen. Auch das Graffitiprojekt an der Sportlerklause mit Schülerinnen des Gymnasiums am Lindenberg und Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar ist Teil des Fördervorhabens. Die Umsetzung des gesamten Projektes wird bis Jahresende angestrebt und vom Büro StadtStrategen aus Weimar begleitet.

Wie und in welchem Umfang die Wettbewerbseinreichungen öffentlich gezeigt werden, wird durch die Projektlenkungsgruppe in den nächsten Wochen besprochen.

Wettbewerbsauslobung und weitere Informationen:  https://www.ilmenau.de/naturkunstblicke

22.07.2022