Ilmenau beteiligt sich an der Kampagne gegen Gewalt „Handle jetzt!“

Gewalt hat viele Facetten. Manche davon sind digital. Sie reichen von bildbasierter sexualisierter Gewalt und Deepfakes über Cyberstalking und Hatespeech bis hin zu Doxing und offener oder heimlicher Kontrolle der Betroffenen. Die angezeigten Taten nehmen zu, obgleich weniger als fünf Prozent überhaupt zur Anzeige gebracht werden.
Um das zu ändern, starteten die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und die Landesgleichstellungsbeauftragte mit den regionalen Netzen gegen häusliche Gewalt am 2. November die Kampagne „Schau hin", an der sich auf Initiative der Gleichstellungsbeauftragten Katrin Reif auch die Stadt Ilmenau beteiligt. Anlässlich der Aktionstage zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25.11. spricht die neueste und inzwischen 5. Kampagne „handle-jetzt“ das Umfeld von Gewaltopfern an. Ob Bekannte, Freunde, Familie, Kolleginnen und Kollegen, Klassenkameraden oder Nachbarn: Thüringen soll hinsehen und sich nicht abwenden, wenn mit jemandem etwas nicht in Ordnung zu sein scheint. Die Gleichstellungsbeauftragten informieren dabei über wichtige Anlaufstellen in Thüringen und bundesweit und informieren, wie Menschen helfen können, ohne das Falsche zu tun bei digitaler Gewalt, zur vertraulichen Spurensicherung und bei sexualisierter Gewalt.
Landesgleichstellungsbeauftragte Nadja Sthamer betont: „‚Digitale Gewalt ist kein besonderes Phänomen des 21. Jahrhunderts. Sie ist die Fortsetzung patriarchaler Kontrolle und Einschüchterung, die es schon immer gegeben hat mit digitalen Mitteln. Digitale Gewalt und analoge Gewalt gehen Hand in Hand. Weder das eine noch das andere ist eine Privatangelegenheit. Straftaten müssen als solche benannt und bestraft werden. Ein Rückzug aus sozialen Medien ist keine Option, mit digitaler Gewalt umzugehen. Denn das wäre so als würde Frauen die Teilhabe am Arbeitsleben verwehrt sein, damit sie dort keiner sexuellen Belästigung ausgesetzt sind.“
Ilmenaus Oberbürgermeister Daniel Schultheiß erklärt: „Digitale Gewalt ist kein harmloses Phänomen und darf nicht als bloßes Problem der virtuellen Welt abgetan werden. Beleidigungen, Bedrohungen, Ausgrenzung und gezielte Demütigungen im Internet können für Betroffene schwerwiegende Folgen haben. Deshalb ist es wichtig, nicht wegzuschauen, sondern Verantwortung zu übernehmen und aktiv zu werden. Die Kampagne ‚Handle jetzt‘ wirbt dafür, Zivilcourage zu zeigen, Betroffene zu unterstützen und digitale Gewalt klar zu benennen. Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten: durch Hinschauen, Zuhören, Unterstützung und entschlossenes Handeln. Denn Respekt und ein verantwortungsvoller Umgang miteinander müssen online genauso selbstverständlich sein wie im persönlichen Miteinander.“
Ilmenaus Gleichstellungsbeauftragte Katrin Reif berichtet: „Gewalt gegen Frauen ist eine der verbreitetsten Menschenrechtsverletzungen. Sie ist ein globales Phänomen und kann überall auftreten: in jedem Land, Zuhause, im Arbeitsleben, in der Freizeit und eben auch digital. Wir in Thüringen kümmern uns umeinander, bieten alleine in Thüringen über 200 Hilfsangebote und Ansprechpersonen. Diese findet man alle auf der Website von „Handle Jetzt!“ – aufgeführt nach einzelnen Landkreisen und Kommunen.“
Für „Handle jetzt" wirkt fast ganz Thüringen zusammen gegen häusliche Gewalt. Die Partnerschaft der Landesgleichstellungsbeauftragen mit den Kommunen in Thüringen erreichte mit fünf jährlichen Kampagnen über 2 Mio. Kontakte zur Bevölkerung über die verschiedensten Medien, Veranstaltungen und persönlich. Die Botschaft war und bleibt: Keine Gewalt, es gibt Hilfe bei Gewalt, in Thüringen und überregional. Handle jetzt, lass Gewalt nicht weiter zu! Rund um den internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen finden in ganz Thüringen außerdem Aktionen und Veranstaltungen statt. Mehr Informationen unter www.handle-jetzt.de Dort sind auch ganzjährig Informationen und die Kontakte zu rund 200 lokalen und überregionalen Beratungs- und Hilfsangebote zu finden.
Hintergrund:
Handle jetzt ist die Kooperation von Freistaat Thüringen mit: Altenburger Land, Apolda, Arnstadt, Eisenach, Erfurt, Gera, Gotha, Jena, Ilmenau, Ilmkreis, Kyffhäuserkreis, Landkreis Eichsfeld, Landkreis Gotha, Landkreis Greiz, Landkreis Hildburghausen, Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Landkreis Sömmerda, Landkreis Sonneberg, Leinefelde-Worbis, Meiningen, Mühlhausen, Nordhausen, Rudolstadt, Saale-Holzland-Kreis, Saale-Orla-Kreis, Saalfeld, Sondershausen, Sonneberg, Suhl, Unstrut-Hainich-Kreis, Wartburgkreis, Weimar und Weimarer Land. Der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, wird jedes Jahr am 25. November als Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen abgehalten die mit einem Aktionszeitraum zur Sensibilisierung, den sogenannten Orange-Days im November verbunden sind.
