Goethes Ilmenau
„Ich war immer gerne hier und bin es noch …“, schrieb Johann Wolfgang Goethe an Friedrich Schiller über Ilmenau: „Ich glaube, es kommt von der Harmonie, in der hier alles steht: Gegend, Menschen, Klima, Thun und Lassen.“
Ilmenau und Weimar sind durch Johann Wolfgang von Goethe eng miteinander verbunden. Bereits sechs Monate nach seiner Ankunft am Weimarer Hof entsandte ihn Herzog Carl August in die Stadt am Fuße des Kickelhahns. Am 3. Mai 1776 traf Goethe erstmals in Ilmenau ein und verweilte hier sieben Tage. In den folgenden Jahrzehnten kehrte er insgesamt 26-mal in die Stadt zurück und blieb dabei nur selten für eine Nacht.
Ein bedeutendes Ereignis fand im Jahr 1784 statt. Als Leiter der Bergwerkskommission setzte Goethe selbst symbolisch den ersten Spatenstich für den Schacht „Neuer Johannes“. Dieses Vorhaben sollte den Bergbau in der Region wiederbeleben und der wirtschaftlich geschwächten Gegend neue Impulse geben.
Doch Ilmenau war für Goethe weit mehr als ein Ort administrativer Aufgaben. In den Wäldern und Bergen des Thüringer Waldes fand er Inspiration, Ruhe und innere Einkehr. Hoch über der Stadt schrieb er am 6. September 1780 sein berühmtes Gedicht „Wandrers Nachtlied“ mit Bleistift an die Bretterwand der kleinen Schutzhütte – des heutigen Goethehäuschens.
Besonders in Erinnerung geblieben ist Goethes letzter Aufenthalt im Jahr 1831. Anlässlich seines 82. Geburtstags besuchte er gemeinsam mit seinen Enkeln Walther und Wolfgang noch einmal die Orte, die ihn über Jahrzehnte begleitet und geprägt hatten. Es sollte sein letzter Geburtstag sein, bevor er nur wenige Monate später in Weimar sein Lebenskreis schließt.
Ilmenau ist deshalb kein nostalgisches Denkmal, sondern ein Ort lebendiger kultureller Identität. Hier verbinden sich Naturraum, historische Verantwortung und geistige Tiefe zu einem besonderen kulturellen Landschaftsraum. Für uns steht Ilmenau für Authentizität, kulturelles Erbe und nachhaltige Identität.
| Goethes Aufenthalte in Ilmenau | |
| 03. bis 10. Mai 1776 | Erster Aufenthalt in Ilmenau. Wohnung im Amtshaus, Besichtigung des alten Bergwerks und des Eisenhammers. |
| 18. April bis14. Mai 1776 | Befahrung der Ilmenauer Schächte und des Kammerberger Kohlebergwerks, Jagden, Vogel- und Scheibenschießen, Besuch Charlotte von Steins, Zeichnen. |
| 19. September 1776 | Goethe übernachtet auf der Rückreise von Ernstthal in Ilmenau und reist am 5. September weiter nach Berka und Weimar. |
| 28. August bis 04. September 1777 | Geburtstage Goethes und Herzog Carl Augusts, in Stützerbach »mit den Bauernmädels getanzt«, Zeichnen. |
| 13. bis 15. April 1778 | Absprache über die Unterbringung von Peter im Baumgarten beim Wildmeister Oettelt. |
| 16. bis 20. März 1779 | Aushebung von Rekruten, Besuch der Porzellanfabrik, Niederschrift des 4. Aktes der »Iphigenie auf dem Schwanenstein«. Unterkunft für Johann Friedrich Krafft besorgt. |
| 05. bis 11. September 1780 | »Über allen Gipfeln ist Ruh« – Entstehung des Gedichtes am 6. September auf dem Kickelhahn, mineralogische Studien. |
| 02. bis 04. Oktober 1780 | Goethe trifft sich mit Knebel in Stützerbach, reitet am 3. Oktober abends nach Ilmenau und reist am 4. Oktober weiter nach Großkochberg. |
| 25. Juni bis 11. Juli 1781 |
Teilnahme an Bergwerkskonferenzen, Befahrung des Schachtes »Steuerer Friedrichs« und des Martinrodaer Stollens. |
| 16. bis 18. April 1782 | Aufenthalt in Ilmenau |
| 14. bis 18. April 1783 | Besuch Goethes in Ilmenau in Gesellschaft des Herzogs, Wedels, Einsiedels, des Oberforstmeisters von Staff und Fritz von Steins. |
| 30. August bis 03. September 1783 | Entstehung des Gedichtes »Ilmenau«. |
| 21. bis 28. Februar 1784 |
Eröffnung des Bergwerks, Anweisung für die Anlage des Schachtes und die Errichtung der Bergbauanlagen. |
| 04. bis 15. Oktober 1784 | Bergwerksangelegenheiten, Besichtigung des Schachtes »Neuer Johannes« und der Teiche und Gräben im Ilmtal, Arbeit an »Wilhelm Meister«, Besichtigung von Gewerbebetrieben. |
| 02. bis 16. Juni 1785 | Arbeit an »Wilhelm Meister«, Beschäftigung mit dem Bergwerk, Besichtigungen, Sitzungen, Anweisungen. |
| 07. bis 12. November 1785 | Arbeiten an »Wilhelm Meister«, Verhandlungen in Steuerangelegenheiten, Inspektion des fertiggestellten Berggrabens am 8. November. |
| 01. bis 07. Mai 1786 |
Arbeiten zur Neuordnung des Ilmenauer Steuerwesens. |
| 12. bis 17. Juni 1786 |
Besprechung mit Voigt und Schreiber in Bergwerksangelegenheiten, Bearbeitung »Triumph der Empfindsamkeit«. |
| 24. bis 26. September 1788 |
Besichtigung des eingebauten Kunstrades, Befahrung des Schachtes bis aufs Wasser. |
| 18. bis 26. Februar 1790 |
Besprechung über den Bau einer neuen Wassermaschine. |
| 04. bis 16. Juni 1791 |
Leitung des ersten Gewerktentages, Verhandlungen wegen der stockenden Finanzierung des Bergbaus. |
| 07. bis 14. Dezember 1793 |
Zweiter Gewerktag, Goethe und Voigt ordnen die vorübergehende Stilllegung des Bergwerks an. |
| 25. August bis 05. September |
Beschäftigung mit dem unbefriedigenden Zustand des Poch- und Schmelzwesens, mit dem fünfjährigen Sohn August Besuch der Porzellanfabrik und der Glashütte. |
| 30. Oktober bis 09. November 1796 |
Maßnahmen zur Behebung der Schäden, die durch den Bruch des Martinrodaer Stollens entstanden sind. |
| 26. August bis 02. September 1813 |
Feier des 64. Geburtstages, Ritt nach dem Kickelhahn, Besuch des Eisenhammers, der Porzellanfabrik und der Massenmühle, Studium von Spinozas »Ethik«. |
| 26. bis 31. August 1831 |
Letzter Aufenthalt Goethes in Ilmenau, Feier des 82. Geburtstages, Ausfahrt zum Kickelhahn, an der Schutzhütte der alte Inschrift »Über allen Gipfeln ist Ruh« erinnert. |
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Quelle: Katalog GoetheStadtMuseum Ilmenau |
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Wir feiern Goethe!
Während der jährlichen Goethe-Festwoche vom 28.08. bis 06.09. verwandelt sich Ilmenau in ein lebendiges kulturelles Zentrum. Ein vielfältiges Programm mit abwechslungsreichen Abendveranstaltungen, Literaturangeboten, Stadtführungen und zahlreichen Aktionen begleitet diese Woche und macht Goethes Leben und Wirken auf besondere Weise erlebbar.
In den Jubiläumsjahren bietet das Goethe-Jahr vom Frühjahr bis in den Herbst hinein auch außerhalb der Goethe-Festwoche zahlreiche Gelegenheiten, Veranstaltungen zu besuchen. Anlass sind bedeutende Jahrestage: So jährt sich Goethes Ankunft in Ilmenau im Jahr 2025 zum 250. Mal, 2030 wird sein Gedicht „Wandrers Nachtlied“ 250 Jahre und 2033 das Gedicht „Ilmenau“.
Seien Sie unser Gast und lassen Sie sich von der Goethestadt Ilmenau verzaubern. Hier geht es zum vollständigen Programm der Goethe-Festwoche.
Goethes Kultur und Natur
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