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Fragen und Antworten zum Aufnahmestopp an zwei Ilmenauer Kindertagesstätten

Fragen und Antworten zur Strukturanpassung der Kindertagesstätten in Ilmenau

Die Stadt Ilmenau reagiert im Bereich der Kindertagesstätten auf den deutlichen Rückgang der Geburtenzahlen und die sinkende Auslastung. Vorgesehen ist kein abrupter Einschnitt, sondern ein sozialverträglicher Aufnahmestopp für zwei städtische Einrichtungen bei Fortführung der bestehenden Betreuung. Ziel ist es, das Kindeswohl zu schützen, Familien vor unnötigen Gebührensteigerungen zu bewahren und das gesamte Kita-System in Ilmenau langfristig tragfähig zu halten.

 

1. Worum geht es bei der Strukturanpassung überhaupt?

Die Stadt Ilmenau steht im Bereich der Kindertagesbetreuung vor einer strukturellen Veränderung. Hintergrund ist vor allem der seit Jahren deutliche Rückgang der Geburtenzahlen, der sich auf die Auslastung der Kindertagesstätten auswirkt. Gleichzeitig müssen die vorhandenen Einrichtungen dauerhaft finanziert, personell abgesichert und baulich unterhalten werden.

Die Stadt reagiert deshalb nicht mit einer kurzfristigen Schließung von Einrichtungen, sondern mit einem behutsamen, planbaren und sozialverträglichen Vorgehen. Vorgesehen ist ein Aufnahmestopp für zwei städtische Kindertagesstätten. Bestehende Betreuungsverhältnisse sollen dabei weiterlaufen.

 

2. Was ist konkret vorgeschlagen?

Der Ilmenauer Stadtrat hat für die städtischen Kindertagesstätten „Hüttengrund“ und „Zwergenland“ einen Aufnahmestopp ab April 2026 beschlossen. Das bedeutet:

  • Es werden dort keine neuen Betreuungsverhältnisse mehr begonnen.
  • Bereits betreute Kinder sollen weiterhin regulär betreut werden.
  • Ziel ist ein schrittweises, planbares Auslaufen statt eines abrupten Einschnitts.
  • Bis zum 31. August 2026 soll dem Stadtrat zusätzlich eine Bewertungsmatrix mit Handlungsempfehlungen für die weiteren Entscheidungen zu den Kitas in städtischer Trägerschaft vorgelegt werden.

 

3. Bedeutet das eine sofortige Schließung?

Nein. Genau das ist nicht vorgesehen.

Die Stadt Ilmenau befindet sich im Vergleich zu vielen anderen Kommunen in der Lage, auf drastische und kurzfristige Schließungen verzichten zu können. Stattdessen soll der Betrieb in den betroffenen Einrichtungen geordnet und mit Rücksicht auf Kinder, Eltern und Beschäftigte schrittweise zurückgeführt werden.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Ein Aufnahmestopp bedeutet nicht, dass Kinder von heute auf morgen ihre Einrichtung verlieren. Vielmehr soll gerade vermieden werden, dass Familien abrupt vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

 

4. Warum wird dieser Schritt überhaupt notwendig?

Der Hauptgrund ist die demografische Entwicklung. Die Zahl der Neugeborenen in Ilmenau und den Ortsteilen ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Damit sinkt mittelfristig auch der Bedarf an Kita-Plätzen.

Wenn bei deutlich geringerer Auslastung dauerhaft alle Einrichtungen unverändert weiterbetrieben werden, führt das zu steigenden Kosten pro Platz, erhöhtem Investitionsdruck und letztlich zu zusätzlicher Belastung für das gesamte System der Kindertagesbetreuung.

Die Stadt muss deshalb verantwortungsvoll darauf reagieren, um das Betreuungsangebot langfristig tragfähig zu halten.

 

5. Warum wurden gerade diese beiden Einrichtungen ausgewählt?

Die Auswahl erfolgte nach einem Abwägungsverfahren. Nach den vorliegenden Unterlagen spielten dabei insbesondere folgende Kriterien eine Rolle:

  • Auslastung,
  • Investitionsbedarf,
  • Kosten pro Platz,
  • Sanierungsstand der Gebäude,
  • Erhalt von Träger- und Konzeptvielfalt,
  • gesetzliche und förderrechtliche Rahmenbedingungen,
  • räumliche Erreichbarkeit,
  • besondere Bedeutung von Einrichtungen in Ortsteilen.

Nach dieser Prüfung kristallisierten sich die Kitas „Hüttengrund“ und „Zwergenland“ als diejenigen Standorte heraus, bei denen ein Aufnahmestopp aus Sicht der Verwaltung am ehesten in Betracht kommt.

Wichtig ist dabei auch: Einrichtungen in den Ortsteilen wurden zunächst anders bewertet, weil sie für die örtliche Versorgung, die Wohnortattraktivität und teilweise als letzte Bildungs- und Betreuungseinrichtungen eine besondere Rolle spielen.

 

6. Warum werden die Kitas nicht einfach weitergeführt, obwohl es weniger Kinder gibt?

Weil ein dauerhaftes Festhalten an allen bisherigen Strukturen die Probleme nicht löst, sondern verlagert.

Weniger Kinder bedeuten nicht automatisch weniger Aufwand. Gebäude müssen trotzdem unterhalten und saniert, Personal vorgehalten und Standards eingehalten werden. Wenn gleichzeitig weniger Plätze nachgefragt werden, steigen die Kosten je betreutem Kind. Diese Entwicklung würde auf Dauer entweder:

  • höhere Elternbeiträge,
  • geringere Investitionsmöglichkeiten,
  • oder Einsparungen an anderer Stelle

nach sich ziehen.

Die Strukturanpassung soll gerade verhindern, dass das System insgesamt in eine finanzielle Schieflage gerät.

 

7. Welche Rolle spielen die Elternbeiträge?

Eine zentrale Rolle. Nach der vorliegenden Modellrechnung würde der Weiterbetrieb aller Einrichtungen trotz sinkender Auslastung die Gebühren zusätzlich belasten. Für einen Ganztagsplatz des ersten Kindes wurde als Orientierung berechnet, dass die Kosten ohne das Auslaufen von zwei Einrichtungen um rund 280 Euro pro Jahr höher liegen könnten.

Wichtig ist: Diese Zahl ist eine Modellrechnung auf Basis aktueller Annahmen. Sie ist kein pauschaler Beitragsbescheid und keine fixe Erhöhung für jeden Einzelfall. Sie zeigt aber deutlich die Richtung: Ohne strukturelle Anpassung steigt das Risiko zusätzlicher Belastungen für Eltern.

 

8. Warum profitieren Eltern von dieser Entscheidung?

Die Entscheidung ist nicht leicht, soll aber gerade auch im Interesse der Eltern getroffen werden.

Eltern profitieren insbesondere in drei Punkten:

Erstens: Bestehende Betreuungsverhältnisse werden nicht abrupt beendet. Familien erhalten Zeit, Verlässlichkeit und Planungssicherheit.

Zweitens: Die Stadt versucht, zusätzliche Gebührensteigerungen zu vermeiden oder zumindest zu begrenzen. Damit wird das gesamte System für Familien bezahlbarer gehalten.

Drittens: Übergänge können geordnet und ohne Zeitdruck vorbereitet werden. Das ist für Familien deutlich besser, als kurzfristig und ungeplant auf sinkende Kinderzahlen reagieren zu müssen.

 

9. Warum profitieren die Kinder von einem Aufnahmestopp mehr als von einer sofortigen Schließung?

Weil das Kindeswohl im Mittelpunkt stehen soll.

Der vorgeschlagene Weg ermöglicht es, dass die meisten bereits betreuten Kinder bis zur Einschulung in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. Freundschaften, Gruppenstrukturen und Bezugspersonen bleiben so weit wie möglich erhalten. Gerade im frühen Kindesalter sind Verlässlichkeit, Beziehungen und ein stabiles Umfeld von großer Bedeutung.

Deshalb setzt die Stadt bewusst auf ein Auslaufmodell statt auf eine abrupte Beendigung des Betriebs.

 

10. Sind aktuell betreute Kinder betroffen?

Nach der vorliegenden Beschlusslogik gilt: Bestehende Betreuungsverhältnisse laufen weiter.

Der Aufnahmestopp richtet sich gegen neue Aufnahmen, nicht gegen Kinder, die bereits in Betreuung sind. Auch deshalb ist es wichtig, zwischen einem Aufnahmestopp und einer sofortigen Schließung klar zu unterscheiden.

 

11. Gibt es Ausnahmen vom Aufnahmestopp?

Ja. Nach der Beschlussvorlage sind Geschwisterkinder sowie bereits bestehende Vertragslagen ausgenommen, soweit die Eltern dies wünschen.

Diese Ausnahmen sollen helfen, unnötige Härten zu vermeiden und Übergänge im Familienalltag besser organisierbar zu machen.

 

12. Welche Einrichtung würde langfristig bestehen bleiben?

Das ist nach den vorliegenden Unterlagen noch nicht abschließend festgelegt.

Sollte es später zu einer Zusammenführung kommen, soll die Entscheidung nach objektiven Kriterien erfolgen. Genannt wurden insbesondere:

  • kurzfristiger Investitionsbedarf,
  • Möglichkeiten der Nachnutzung,
  • weitere sachliche Rahmenbedingungen.

 

13. Warum spricht die Stadt von Strukturanpassung und nicht einfach von Sparen?

Weil es um mehr geht als um eine reine Kürzungsentscheidung.

Es geht darum, das gesamte System der Kindertagesbetreuung an eine veränderte Realität anzupassen: weniger Kinder, geringere Auslastung, zugleich aber hohe Anforderungen an Qualität, Personal, Gebäude und Finanzierung.

Die Stadt verfolgt nach den vorliegenden Unterlagen das Ziel,

  • das Kindeswohl zu sichern,
  • Familien vor unnötigen Kostensteigerungen zu schützen,
  • Beschäftigte sozialverträglich einzubeziehen,
  • und das gesamte Betreuungssystem langfristig stabil zu halten.

Das ist eine strukturelle und nicht nur eine kurzfristig haushalterische Aufgabe.

 

14. Warum profitiert das gesamte Kita-System in Ilmenau davon?

Weil es nicht nur um zwei Einrichtungen geht, sondern um die Tragfähigkeit des Gesamtsystems.

Wenn Plätze dauerhaft in größerem Umfang vorgehalten werden, obwohl sie nicht mehr benötigt werden, bindet das Mittel, Personal und Investitionsspielräume. Diese Mittel fehlen dann an anderer Stelle – etwa für die Qualität bestehender Betreuung, notwendige Sanierungen, Spiel- und Bewegungsräume oder andere Aufgaben im Bereich der städtischen Infrastruktur.

Die Strukturanpassung soll helfen,

  • Überkapazitäten verantwortungsvoll abzubauen,
  • Ressourcen zielgerichteter einzusetzen,
  • Gebührenentwicklung zu dämpfen,
  • und die Handlungsfähigkeit des gesamten Systems zu erhalten.

Davon profitieren am Ende nicht nur einzelne Einrichtungen, sondern alle Familien, die auf ein verlässliches, finanzierbares und qualitativ tragfähiges Betreuungsangebot angewiesen sind.

 

15. Was ist mit den freien Trägern?

Die Stadt betrachtet das System der Kindertagesbetreuung nicht isoliert nur in Bezug auf eigene Einrichtungen. Nach der vorliegenden Argumentation wurde ausdrücklich auf den Erhalt von Träger- und Konzeptvielfalt geachtet.

Das bedeutet: Die Planung muss das gesamte Gefüge aus städtischen und freien Trägern im Blick behalten. Ziel ist kein Verdrängungswettbewerb, sondern ein ausgewogenes, bedarfsgerechtes Gesamtsystem.

 

16. Was bedeutet das für die Beschäftigten?

Auch die Beschäftigten werden ausdrücklich mitgedacht. Nach den vorliegenden Unterlagen soll die Entwicklung so gestaltet werden, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. Freiwerdende Stellen etwa durch Ruhestand sollen vorerst nicht neu besetzt werden. Außerdem wird mit einem flexibleren Einsatz von Personal innerhalb der städtischen Einrichtungen gerechnet.

Die Stadt verbindet die Strukturanpassung damit ausdrücklich auch mit ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitenden.

 

17. An wen können sich Eltern mit Fragen wenden?

Eltern sollen mit ihren Fragen, Sorgen und Hinweisen nicht allein gelassen werden.

Auskunft erhalten Sie unter der Telefonnummer 03677 / 600 345 oder per Mail an: zentrale.steuerung@ilmenau.de

Die Diskussion um Kindertagesstätten ist immer mehr als eine Organisationsfrage. Es geht um Kinder, Familien, Vertrauen und um Orte, die vielen Menschen emotional viel bedeuten. Gerade deshalb ist es wichtig, Entscheidungen offen, ehrlich und nachvollziehbar zu erklären.

Die Stadt Ilmenau verfolgt mit der Strukturanpassung das Ziel, das Betreuungsangebot langfristig stabil, sozialverträglich und finanzierbar zu halten – mit möglichst viel Rücksicht auf Kinder, Eltern und Beschäftigte.