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Spatenstich auf dem ehemaligen Gelände des Glaswerks Fischerhütte in Ilmenau markiert Beginn eines neuen Zeitalters für ehemalige Industriebrache

Spatenstich Moteon

Auf dem Gelände der ehemaligen Fischerhütte in Ilmenau wurde am Montag der Spatenstich für eines von zwei neuen Unternehmensgebäuden vorgenommen. Seinen Hauptsitz nimmt auf dem geschichtsträchtigen Areal die Moteon GmbH, eine Tochterfirma der Infineon AG, die bislang noch im Ilmenauer Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) ansässig ist. Neben dem neuen Moteon-Sitz baut die focus real estate GmbH aus München noch ein weiteres Gebäude im Quartier Fischerhütte, das künftig von der Hotelkette B&B Hotels genutzt wird, sagte Geschäftsführer Ferdinand Sperber.

Das Gelände rund um das historische und unter Denkmalschutz stehende Hauptgebäude der Fischerhütte wurde bislang in Abschnitten von der Technischen Universität genutzt, lag aber inweiten Teilen brach. Von den vielen Ideen für die Fläche, die als letzte Industriebrache zwischen Kernstadt und Campus galt, ließ sich bislang keine verwirklichen. Gemeinsam mit Investoren wurde nun eine Variante der Entwicklung des Areals gefunden. „Ich bin stolz und dankbar, dass es hier weitergeht“, sagte Ilmenaus Oberbürgermeister Daniel Schultheiß beim Spatenstich. Nach 30 Jahren sei die Fläche nun aus dem Dornröschenschlaf geholt worden. Der Ilmenauer Industriestandort, von dem aus bereits im vergangenen Jahrhundert Glasinnovationen hinaus in die Welt gingen, werde auch in Zukunft Maßstäbe setzen – nun auf dem Gebiet der Entwicklung und Herstellung komplexer Systemlösungen für die Automotivebranche, neue Mobilität, Industrieanwendungen und den smart-home-Bereich.

Für die Moteon GmbH bedeutet der Spatenstich für ein neues Firmengebäude auch der Beginn einer neuen Ära, denn er bedeutet perspektivisch den Auszug aus dem Technologie- und Gründerzentrum. „Es ist ein sichtbares Zeichen sowohl für Wachstum als auch für dieVerbundenheit mit der Stadt und der Region“, sagte Moteon-Geschäftsführer Christian Daniel. Mit immer mehr Projekten sei auch das Unternehmen zunehmend gewachsen. Der Standort inIlmenau mit der Technischen Universität half dabei, „die Mitarbeiter zu finden, die wir gesucht haben“, sagte er. Die gegebene Verbindung aus Forschung, Lehre und Nachwuchskräften sei einst der Grundstein für das Unternehmen gewesen. Mit dem Neubau verbunden ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Derzeit zählt die Moteon GmbH über 30 Beschäftigte.

Voraussetzung für die Ansiedlung neuer Unternehmen war die Neuerschließung des Standorts.Rund 6,3 Millionen Euro flossen in das Areal am Ufer der Ilm, für dessen Bebauung zunächst eine sogenannte Hochwasserfreistellung Bedingung war. Dazu gehörte der Neubau von Brücken in entsprechender Dimensionierung. Die geringen Höhen der Konstruktionsunterkanten der bisherigen Bauwerke schränkten den Abflussquerschnitt der Ilm maßgeblich ein. Außerdem erlaubten die alten Brücken keine Aufweitung des Gewässers. Dies führte - neben dem unzureichenden Abflussquerschnitt - zu einem Rückstau im Fall von Hochwasser.

Einen maßgeblichen Beitrag zu Hochwasserfreistellung leistet deswegen die nun folgende terrassenähnliche Gestaltung des Ufers, die über ihre Attraktivität für Besucherinnen und Besucher hinaus eine wichtige technische Funktion hat: Im Fall von anfallenden Wassermengen über den Durchschnitt kann dieser Abschnitt der Ilm ein wesentlich höheres Volumen aufnehmen, als es bei der jetzigen unnatürlichen Ufergestaltung der Fall ist. Durch die geplante Aufweitung des Gewässers wird der Wasserspiegel deutlich abgesenkt.

Für die Entwicklung der ehemaligen Industriebrache Fischerhütte erhielt die Stadt Ilmenau vom Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur Fördermittel in Höhe von 4,5 Millionen Euro. Das Geld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) fließt in die Neugestaltung des Quartiers in der Langewiesener Straße mit dem historischen Industriegebäude als Herzstück. Außerdem sollen neue Wohnungen und Möglichkeiten entstehen, die eine universitätsnahe Nutzung zulassen.

In den vergangenen drei Jahren wurden im Bereich Fischerhütte zwei Brücken über die Ilm neugebaut und das Areal bis auf die beiden historischen Gebäude beräumt, zu denen neben dem ehemaligen Glaswerk auch das Kontorhaus gehört. 2022 ging bereits der ebenfalls zum Quartier gehörende und neu errichtete Kindergarten „Fischerboot“ der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde „St. Jakobus“ Ilmenau in Betrieb. Parallel zum Neubau der beiden Unternehmensgebäude wird die Neugestaltung des Ilm-Ufers vorangetrieben.