Goethesalon im GoetheStadtMuseum
© Thomas Wolf, Gotha

Ruth Peter - Textilkunst & Peter Smalun - Industrieformgestaltung

24. September 2022 bis 26. Februar 2023

Die aktuelle Sonderausstellung des GoetheStadtMuseums Ilmenau ist zwei ortsansässi­gen Kunstschaffenden gewidmet: zum einen der Textilgestalterin Ruth Peter aus Ilmenau und zum anderen dem Form- und Dekorgestalter Peter Smalun aus Gehren.

Ruth Peter, Lichtblick, 2020
Ruth Peter, Gobelin "Lichtblick" aus der Serie "Corona", 2020; Foto: A. Geyer

Ruth Peter wurde 1934 in Geraberg geboren und lernte schon im Kindesalter den Umgang mit Nadel und Faden. Ihre Mutter, eine Schneiderin, brachte ihr nicht nur das Nähen, sondern auch Stricken und Häkeln bei. In ihrer beruflichen Laufbahn schlug sie aber zunächst andere Wege ein. Sie schloss 1952 eine Lehre als Frisörin ab und stieg nach ihrer Heirat 1958 in das Schreib- und Spielwarenwarengeschäft ihrer Schwiegereltern ein.

Zur Weberei kam Ruth Peter 1965 durch einen Freizeitkurs in der Ilmenauer Festhalle. Angespornt von der Idee, selbst einen Zirkel zu leiten, absolvierte sie von 1965 bis 1970 ein Fernstudium an der Spezialschule für künstlerisches Gestalten des Bezirkskabinetts für Kulturarbeit Suhl. Nach dem Abschluss leitete sie dann einen Webzirkel für Kinder sowie mehrere Kurse für künstlerisches Gestalten in Ilmenau und Umgebung. Anfang der 1980er Jahre gründete sie mit acht weiteren Textilgestalterinnen einen privaten Textilzirkel »aus Lust an der Sache«, aber auch um Auftragsarbeiten anzufertigen.

Seit 2000 widmet sich Ruth Peter verstärkt ihrem eigenen Schaffen. Ein Großteil ihrer Arbeiten entstand daher in den vergangenen 20 Jahren. Mit Erfahrung, Fleiß und Können verwebt sie Eindrücke und eigenes Erleben in ihren textilkünstlerischen Arbeiten. Die Vielfältigkeit ihrer Werke spiegelt sich zudem in den verschiedenartigen Motiven – von fantasievollen Tiermotiven über Gebäude bis hin zu Abstraktem – wider. Diese setzt sie in unterschiedlichsten Techniken – von Gobelins und Leinenbindungen bis hin zu Stickereien oder auch Klöppelarbeiten und Nadelspitze – um. Mitunter fertigt sie auch Mischgewebe aus mehreren, verschiedenen Techniken, die sie selbst als „Experimente“ bezeichnet.


Peter Smalun, Tini, 2019
Peter Smalun, Vase "Tini", Neuauflage Projekt "UNVERLOREN" mit Susanne Katzenberg; Foto: R.-M. Kunze

Peter Smalun wurde 1939 in Marienburg in Westpreußen geboren und wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg in Blankenhain auf. Von 1953 bis 1956 erlernte er im VEB Weimar-Porzellan in Blankenhain den Beruf des Modelleurs. Nach einem Studium an der Fachschule für angewandte Kunst in Sonneberg und an der Ingenieurschule für Keramik Hermsdorf erwarb er 1962 den Abschluss als Form- und Dekorgestalter. Danach wirkte er mit seinen Ideen und Innovationen erfolgreich in verschiedenen Betrieben der DDR.

Von 1964 bis 1971 war er wieder für den VEB Weimar-Porzellan Blankenhain tätig und entwarf eine Reihe preisgekrönter Service. Zwei seiner Entwürfe – „Romania“ und „Exquisit“ – wurden 1965 und 1966 international ausgezeichnet und erhielten auf dem Concorso Internazionale della Ceramica d’Arte in Faenza (Italien) ein Diplom. In den Jahren 1969 und 1970 half Peter Smalun als Delegierter der DDR beim Aufbau einer Porzellanfabrik in Damaskus. Von den dortigen arabischen Einflüssen inspiriert, entwarf er 1969 das von Erfolg gekrönte Service „Harmonie“. Während seiner Zeit als Abteilungsleiter für Formgestaltung im Porzellanwerk VEB »Graf von Henneberg« Ilmenau von 1971 bis 1977 führte Peter Smalun zahlreiche beliebte Geschirr­formen, unter anderem »Atlas« von Ilse Decho, »Ratio« für den Palast der Republik und eigene Entwürfe wie »Hera« und »Diana« zur Produktionsreife. Für sein Service „Diana“ von 1976 erhielt er auf der Leipziger Messe die Goldmedaille. Ab 1974 bildete er sich über ein Fernstudium an der Hochschule für Gestaltung Burg Giebichenstein in Halle/Saale fort, das er 1979 als Diplom-Formgestalter abschloss. Im Jahr 1977 wechselte Peter Smalun in den VEB Eisenhüttenwerk Thale und arbeitete dort als Forschungsingenieur. Er entwarf Töpfe und Bräter aus Stahl und entwickelte außerdem in Kooperation mit dem Glaswerk Ilmenau und der Technischen Hochschule Ilmenau temperaturwechselbeständige Griffelemente aus dem neuen Werksstoff »Ilmavit«.

Seit 1986 arbeitet Peter Smalun als freischaffender Künstler in Gehren und widmet sich in seinem Keramikatelier der Herstellung von Fayencen. Zuletzt entwarf er für die Porzellanfabrik Zarin Iran Porcelain Isfahan im Iran zwei beliebte Tafelservice mit den Namen »Shahrzad« und »Lotus«.


Begleitveranstaltungen


Handwebstuhl
Handwebstuhl

Begleitend zur Sonderausstellung sind im Oktober und November drei zusätzliche Veranstaltungen geplant:

Blick in die Sonderausstellung
Blick in die Sonderausstellung