Goethesalon im GoetheStadtMuseum
© Thomas Wolf, Gotha

Sonderausstellungen im GoetheStadtMuseum

Das GoetheStadtMuseum Ilmenau bietet seinen Gästen regelmäßig Sonderausstellungen zu stadtgeschichtlichen und überregionalen Schwerpunkten an. Im Mittelpunkt stehen dabei zum einen verschiedene Aspekte der Geschichte Ilmenaus, von der Entwicklung bestimmter Industriezweige bis hin zu wichtigen Persönlichkeiten, die in Ilmenau wirkten. Aber auch der Bezug zu Themenjahren ist gegeben, wie in diesem Jahr zum "Musikland Thüringen". Im Mittelpunkt der am 29. Mai 2020 eröffneten Sonderausstellung "Poesie am Kickelhahn. Von Wandrers Nachtlied zum Gabelbachlied" steht das einfache, gesellige Liedgut, entstanden beim Entspannen und Wandern in der Natur.

Poesie am Kickelhahn
29. Mai 2020 bis 28. Februar 2021

Im Rahmen des Themenjahres "Musikland Thüringen" rückt die Ausstellung den Ilmenauer Hausberg als Inspirationsort für Verse und Lieder in den Fokus. Den Ausgangspunkt bilden Goethes Verse „Über allen Gipfeln ist Ruh …“, die er vor 240 Jahren am 6. September 1780 an die Bretterwand der Jagdaufseherhütte auf dem Kickelhahn schrieb und die seither mehrfach vertont wurden. Viele Jahrzehnte später inspirierte der Kickelhahn und seine idyllische Umgebung eine Gruppe Ilmenauer Honoratioren zu weiteren Gedichten und Liedern. Zu dieser sogenannte „Gabelbachgemeinde“ – einem 1859 gegründeten fiktiven Gemeindewesen mit Sitz im „Kleinen Gabelbach“ – gehörten neben dem Ortsvorsteher auch ein Gemeindepoet. Viele der poetischen Schöpfungen wurden auch als Lieder gesungen, häufig nach schon bekannten Melodien. Eine besondere Rolle spielten dabei die zahlreichen Ilmenauer Gesangsvereine und Fabrik-Chöre. Für die Jugend wiederum war hier die Wandervogelbewegung von großer Bedeutung. Im Vordergrund stand das gemeinsame Wandern in der Natur, verbunden mit einfachen Übernachtungen in Zelten oder Scheunen und meist begleitet von „einem Lied auf den Lippen und der Klampfe in der Hand“.

Eines der schönsten Gedichte Johann Wolfgang Goethes entstand am Abend des 6. September 1780 auf dem Gipfel des Kickelhahns bei Ilmenau. Der Dichter schrieb die wenigen Verszeilen, beginnend mit „Über allen Gipfeln ist Ruh …“ an die Bretterwand der damaligen schlichten Jagdhütte. Inzwischen wurde das Gedicht „Wandrers Nachtlied“ in mehr als 50 Sprachen übersetzt. Es gibt aber auch zahlreiche Vertonungen, denen sich bereits Zeitgenossen Goethes wie Carl Friedrich Zelter oder Franz Schubert widmeten. Das Wandergebiet rund um den Hausberg von Ilmenau regt durch seine verwunschenen Fichtenwälder und Aussichtspunkte auf den Thüringer Wald immer wieder zu künstlerischem Handeln an.

Fotografie des Gedichtes 'Wandrers Nachtlied', August Linde, 1869, Reproduktion: Marcus Pfau, Ilmenau

So bot dem Dichter Joseph Victor von Scheffel einhundert Jahre nach Goethes Erfahrung auf dem Kickelhahn jene Landschaft Inspiration für sein „Gabelbachlied“. Auch der Wandersmann August Trinius und der Dichter Rudolf Baumbach, Verfasser des Liedes „Hoch auf dem gelben Wagen“ schätzten die Gegend rund um den Kickelhahn. Beliebter Treffpunkt war das unweit des Gipfels gelegene Jagdhaus Gabelbach. Dort fand am 8. Juli 1901 der Thüringer Sängertag statt. Die Mitglieder der „Gemeinde Gabelbach“, eine gesellige Vereinigung von Ilmenauer Honoratioren, der auch die genannten Dichter angehörten, entsandten durch ihren Gemeindepoeten Heinrich Schaeffer herzliche Grüße und ein Gedicht, in dem es unter anderem heißt: „Schier unablässig rinnt des Bieres Quelle. Ihr Sänger kommet hier zur rechten Stelle“.

Historisches Foto: Thüringer Sängertag, Ilmenau 1901

Die Sonderausstellung des GoetheStadtMuseums Ilmenau wartet im Themenjahr "Musikland Thüringen" mit einem eher ungewöhnlichen Projekt auf. Im Fokus der Exposition steht das einfache, gesellige Liedgut, entstanden beim Entspannen in der Natur, beim Wandern und bei der Beschäftigung mit einfachen Versen, die sich gut vertonen lassen. Es wird aber auch auf die ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstehenden Männerchöre eingegangen, die sich zu deutsch-nationalen Gemeinschaften mit Hauptaugenmerk „Deutsches Liedgut“ entwickelten. Ebenso sind die Wandervogelbewegung in Ilmenau und die Bildung von Fabrik-Chören wie die „Thermometria“ Gegenstand der Exposition.

Gabelbachlied von Joseph Victor von Scheffel, Deckblatt

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