Luftbild der Stadt Ilmenau (2001)
© Wolfgang Kliebisch, Schüler Video Club (2001)

Amtliche Bekanntmachung

über die öffentliche Auslegung des Entwurfs des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nr. 27 der Stadt Ilmenau "Naturcamp Lenkgrund Frauenwald" gemäß § 3 Abs. 2 Baugesetzbuch (BauGB)

Der Stadtrat der Stadt Ilmenau hat in seiner Sitzung am 14.10.2021 den Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nr. 27 der Stadt Ilmenau „Naturcamp Lenkgrund Frauenwald“ in der Fassung vom 01.09.2021, bestehend aus der Planzeichnung (Teil A), den textlichen Festsetzungen (Teil B) und dem Vorhaben- und Erschließungsplan (Teil C) sowie die Begründung einschließlich Umweltbericht gebilligt und gemäß § 3 Abs. 2 BauGB zur öffentlichen Auslegung bestimmt.

Der Vorhabenträger plant ein Naturcamp für die Vermietung von Unterkünften und Camping mit ganzjähriger Nutzung für touristische Zwecke auf dem Areal des derzeitigen Schwimmbades Frauenwald. Das bedeutet die geplante Errichtung von mobilen Campingeinheiten, einem erweiterten Hauptgebäude mit sanitären Anlagen, Gemeinschafts- und Aufenthaltsraum sowie Küche, einer Outdoorküche mit Überdachung, Campingmöglichkeiten für Wohnmobile und Zelte sowie Stell- und Parkflächen. Mit dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan nach § 12 BauGB soll die Fläche städtebaulich geordnet und das konkrete Bauvorhaben vorbereitet bzw. ermöglicht werden.

Der Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nr. 27 der Stadt Ilmenau „Naturcamp Lenkgrund Frauenwald“ (Planzeichnung, textliche Festsetzungen, Vorhaben- und Erschließungsplan) mit Begründung und Umweltbericht einschließlich der dazugehörigen Anlagen sowie die wesentlichen, bereits vorliegenden umweltbezogenen Stellungnahmen und Fachgutachten liegen im Zeitraum

vom 08.11.2021 bis 10.12.2021

im Auslegungsraum der Stadtverwaltung Ilmenau, Bauamt, Weimarer Straße 1d (Goethe-Passage), Raum 2.00, öffentlich aus und können zu folgenden Zeiten eingesehen werden:

Montag, Mittwoch, Freitag                  08:30 – 12:30 Uhr

Dienstag und Donnerstag                   13:00 – 18:00 Uhr

Während der Zeit der öffentlichen Auslegung können durch jedermann Stellungnahmen zum Entwurf sowie Hinweise schriftlich oder mündlich zur Niederschrift vorgebracht werden.

Außerhalb dieser Zeiten besteht nach telefonischer Vereinbarung unter der Nummer 03677/600232 die Möglichkeit, Einsicht in die Unterlagen zu nehmen.

Die o.g. Planungsunterlagen können gem. § 4a Abs. 4 Satz 1 BauGB auch online unter www.ilmenau.de/bekanntmachungen_stadtplanung eingesehen werden.

Folgende Arten umweltbezogener Informationen sind verfügbar:

  • umweltbezogene Stellungnahmen von Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange
  • Umweltbericht mit integriertem Grünordnungsplan
  • Artenschutzrechtliche Beurteilung
  • SPA-Verträglichkeitsstudie

1. Zu den wesentlichen bereits vorliegenden umweltbezogenen Informationen, die im Rahmen der Offenlage eingesehen werden können, gehören:

  1. Stellungnahme Landratsamt Ilm-Kreis vom 24.02.2021
  2. Stellungnahme Thüringer Landesverwaltungsamt vom 17.02.2021
  3. Stellungnahme Regionale Planungsgemeinschaft Mittelthüringen vom 24.02.2021
  4. Stellungnahme Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz vom 17.02.2021
  5. Stellungnahme Zweckverband Wasser- und Abwasser-Verband (WAVI) Ilmenau vom 05.02.2021 
  6. Stellungnahme Thüringen Forst vom 09.02.2021
  7. Bürgerschreiben vom 18.02.2021
  8. Umweltbericht mit integriertem Grünordnungsplan vom 01.09.2021
  9. Artenschutzrechtliche Beurteilung vom 05.07.2021
  10. SPA-Verträglichkeitsstudie vom 30.08.2021

2. Folgende Arten umweltbezogener Informationen sind verfügbar:

          Zu a)    Landratsamt Ilm-Kreis

  • Forderung einer Umweltprüfung mit Umweltbericht zur Ermittlung und Bewertung der voraussichtlichen erheblichen Umwelteinwirkungen, Bilanzierung des zu erwartenden Eingriffs in Natur und Landschaft und konkrete Festlegung und Darstellung der Kompensationsmaßnahmen
  • das Vorhaben befindet sich in der Entwicklungszone des Biosphärenreservates Thüringer Wald, die Vereinbarkeit des B-Plans mit dem Schutzzweck des Biosphärenreservates Thüringer Wald ist zu prüfen
  • das Vorhaben liegt im Natura 2000-Gebiet EG-Vogelschutzgebiet „Mittlerer Thüringer Wald“, eine Erheblichkeitsabschätzung ist vorzulegen
  • durch die Planung könnten gesetzlich geschützten Biotopen betroffen sein, dies ist zu prüfen
  • eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP) ist durch ein Fachplanungsbüro zu erarbeiten
  • das Vorhaben befindet sich nicht im Landschaftsschutzgebiet „Thüringer Wald“ und nicht im Naturpark „Thüringer Wald“
  • Einleitung von Schmutz-, Grau- und Regenwasser bedarf der wasserrechtlichen Erlaubnis, es darf nicht in die Trinkwasserschutzzone I des Wasserschutzgebietes „Gersgrund Schmiedefeld“ eingeleitet werden
  • eine Trinkwasserbohrung ist durch die Untere Wasserbehörde zu genehmigen
  • Niederschlagswasser sollte in den „Breiten Bach“ abgeleitet werden
  • Prüfung erforderlich, ob Outdoorküche einen Fettabscheider benötigt
  • Hinweise zur Ausführung der Regenwasserzisterne

         Zu b)    Thüringer Landesverwaltungsamt

  • das Plangebiet liegt gemäß Raumnutzungskarte des Regionalplans Mittelthüringen i.V. m. Ziel Z 4-1 innerhalb des Vorranggebietes Freiraumsicherung FS-54 - Biosphärenreservat „Vessertal - Thüringer Wald“, außerdem im unzerschnittenen, störungsarmen Raum mit mehr als 50 qkm „Östlicher Thüringer Wald zwischen Schmiedefeld a. R., Neustadt a. R. und Waldau“ und im Vorbehaltsgebiet Tourismus und Erholung „Thüringer Wald“

           Zu c)    Regional Planungsgemeinschaft Mittelthüringen

  • 1. Entwurf zur Überarbeitung des Regionalplans beinhaltet im Vorhabenbereich Änderung des Vorrang- in ein Vorbehaltsgebiet Freiraumsicherung

           Zu d)    Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz

  • Hinweise auf Lage des B-Plans in Entwicklungszone (Zone III) des Biosphärenreservates Thüringer Wald und im EG- Vogelschutzgebiet TH-Nr. 26 „Mittlerer Thüringer Wald“
  • Beachtung der Verbote des § 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und Prüfung der Betroffenheit von besonders geschützten Biotopen

          Zu e)    Zweckverband Wasser- und Abwasser-Verband (WAVI) Ilmenau

  • keine Anschlussmöglichkeit an öffentliche Entwässerungseinrichtung, anfallendes Abwasser ist am Ort des Entstehens schadlos zu beseitigen, eine wasserrechtliche Erlaubnis ist bei der zuständigen Wasserbehörde einzuholen

Zu f)     ThüringenForst

  • Hinweis auf Waldabstand von 30 m bei der Errichtung von Gebäuden gemäß § 26 (5) Thüringer Waldgesetz (ThürWaldG)

Zu g)    Bürger

  • Lage des Vorhabens im Quellgebiet
  • Berücksichtigung Bachlauf „Breiter Bach“

Zu h)    Umweltbericht mit integriertem Grünordnungsplan

  • gemäß § 2a BauGB mit Bestandsaufnahme und Bewertung des Umweltzustandes, mit Angaben zu den Schutzgütern Flora / Fauna / biologische Vielfalt, Boden, Wasser, Klima / Luft, Landschaft, Mensch, Kultur- und sonstigen Schutzgütern inkl. Auswertung der Wechselwirkungen zwischen den Schutzgütern
  • Prognose der Umweltauswirkungen bei Durchführung und bei Nichtdurchführung des Plans mit Angaben zu Auswirkungen auf die vor genannten Schutzgüter
  • Darstellung von Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung der nachteiligen Auswirkungen bzw. Beeinträchtigungen sowie Benennung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen
  • Eingriffs-/ Ausgleichsbilanzierung nach Biotoptypen und für das Schutzgut Boden
  • Prüfung alternativer Planungsmöglichkeiten

Zu i)     Artenschutzrechtliche Beurteilung

  • im Vorhabengebiet sind folgende 11 Fledermausarten wegen bekannter Nachweise in der Umgebung potenziell als gelegentlich jagende oder durchziehende Arten zu erwarten: Mopsfledermaus, Nordfledermaus, Breitflügelfledermaus, Wasserfledermaus, Großes Mausohr, Kleine Bartfledermaus, Fransenfledermaus, Kleiner Abendsegler, Abendsegler, Zwergfledermaus, Braunes Langohr
  • Fledermausquartiere wurden weder im vorhandenen Gebäude noch im vorhandenen Gehölzbestand nachgewiesen
  • die Kartierung erbrachte Nachweise von folgenden 25 Vogelarten im Vorhabengebiet und unmittelbar benachbart, darunter 10 Brutvogelarten innerhalb des Planungsraumes: Amsel, Blaumeise, Buchfink, Buntspecht, Eichelhäher, Goldammer, Graureiher, Grünfink, Kleiber, Kohlmeise, Kolkrabe, Mäusebussard, Misteldrossel, Mönchsgrasmücke, Rabenkrähe, Rauchschwalbe, Ringeltaube, Rotkehlchen, Singdrossel, Star, Stockente, Tannenmeise, Wintergoldhähnchen, Zaunkönig, Zilpzalp
  • die Potenzialabschätzung vor dem Hintergrund der Habitatausstattung des Planungsraumes erbrachte ein Gesamt-Artenpotenzial von folgenden 64 Vogelarten, darunter 9 regelmäßige und 6 unregelmäßige Brutvogelarten, 3 Brutvogelarten der unmittelbaren Umgebung sowie 37 Nahrungsgäste und wenigstens 9 Durchzügler/ Rastgäste: Amsel, Bachstelze, Bergfink, Blaumeise, Bluthänfling, Buchfink, Buntspecht, Eichelhäher, Elster, Erlenzeisig, Feldschwirl, Feldsperling, Fichtenkreuzschnabel, Gartenbaumläufer, Gartengrasmücke, Gartenrotschwanz, Gimpel, Goldammer, Graureiher, Grünfink, Grünspecht, Habicht, Haubenmeise, Hausrotschwanz, Haussperling, Heckenbraunelle, Kernbeißer, Klappergrasmücke, Kleiber, Kohlmeise, Kolkrabe, Mauersegler, Mäusebussard, Mehlschwalbe, Misteldrossel, Mönchsgrasmücke, Rabenkrähe, Rauchschwalbe, Rauhfußkauz, Ringeltaube, Rotdrossel, Rotkehlchen, Rotmilan, Saatkrähe, Schwanzmeise, Schwarzspecht, Singdrossel, Sommergoldhähnchen, Sperber, Star, Stieglitz, Stockente, Straßentaube, Sumpfmeise, Tannenhäher, Tannenmeise, Turmfalke, Wacholderdrossel, Waldbaumläufer, Waldkauz, Waldohreule, Wintergoldhähnchen, Zaunkönig, Zilpzalp
  • bei den Brutvogelarten handelt es sich ausschließlich um Arten, welche im Thüringer Wald weit verbreitete und derzeit nicht bestandsbedroht sind
  • Vorkommen sonstiger streng geschützter Tier- und Pflanzenarten können sicher ausgeschlossen werden
  • durch geeignete Vermeidungsmaßnahmen wird sichergestellt, dass Verbotstatbestände nach § 44 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 BNatSchG nicht eintreten

Zu j)   SPA-Verträglichkeitsstudie (SPA = Special Protection Area / EG-Vogelschutzgebiet)

  • das Vorhaben mit einer Fläche von ca. 0,5 ha liegt innerhalb des 183 km² großen SPA-Gebietes „Mittlerer Thüringer Wald“ (DE 5430-401) und beansprucht damit dauerhaft weniger als 0,0027% der SPA-Gebietsfläche
  • die Auswirkungen des Vorhabens auf die Erhaltungsziele, d.h. die Vogelarten nach Anhang I der Vogelschutzrichtlinie (VogelSchRL), wurden geprüft, mit dem Ergebnis, dass keine Vogelarten erheblich beeinträchtigt werden und das Vorhaben somit hinsichtlich des v. g. SPA-Gebietes zulässig ist
  • eine Ausnahmeprüfung nach § 34 Abs. 3 bis 5 BNatSchG ist nicht erforderlich

Hinweise:

Bei der Abgabe von Stellungnahmen ist die Angabe der Anschrift des Verfassers zweckmäßig. Eine Mitteilung des Abwägungsergebnisses ist anderenfalls nicht möglich. Ohne Zuordnung der Stellungnahme kann die Einschätzung der Betroffenheit privater Belange erschwert sein. Mit der Abgabe der Stellungnahme wird in die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten zum Zwecke der Durchführung des Bebauungsplanverfahrens eingewilligt. Über die eingegangenen Stellungnahmen wird in öffentlicher Sitzung des Stadtrates beraten und entschieden. Nicht fristgerecht vorgebrachte Stellungnahmen können bei der Beschlussfassung über den Bebauungsplan unberücksichtigt bleiben.

Lage des Plangebietes (unmaßstäbliche Verkleinerung)

Hinweis zum Geltungsbereich :

Abweichend zum Aufstellungsbeschluss wurden die ursprünglich einbezogenen Flurstücke 58/29 und 384/58, welche zur Verkehrsfläche der angrenzenden Kreisstraße K 58 gehören, aus dem Geltungsbereich genommen.

Dr. Daniel Schultheiß
Oberbürgermeister