Rathaus und Amtshaus im Sommer
© Stadtverwaltung Ilmenau / Andreas Hartmann

Ilmenau stellt sich nach Gebietsreform für die Zukunft auf

Nach der Vorstellung des überarbeiteten Stadtentwicklungskonzepts am Dienstag zur Einwohnerversammlung in Ilmenau soll das Zukunftspapier in den kommenden Jahren mit Leben erfüllt werden. „Es ist jetzt unsere Aufgabe, gemeinsam mit den Einwohnerinnen und Einwohnern, dem Stadtrat und der Verwaltung in die Tiefe zu gehen“, sagte Oberbürgermeister Daniel Schultheiß (parteilos).

Stadt wuchs auf 38.000 Einwohner und die dreifache Fläche

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) 2035 für Ilmenau wurde notwendig, nachdem die Stadt durch die Gebietsreform von knapp 26.000 Einwohnern auf 38.000 wuchs und sich die Fläche verdreifachte. Ilmenau ist inzwischen die achtgrößte Stadt Thüringens. Durch die neu hinzugekommen Kommunen musste das bislang vor allem auf die Kernstadt bezogene Entwicklungskonzept ausgeweitet werden. „Ilmenau hat sich komplett verändert. Das ISEK ist daher eine Art Masterplan - ein übergeordnetes Konzept, das auch Grundvoraussetzung für den Erhalt von Fördermitteln ist“, begründete Thomas Schäfer, der Leiter des Bauamts.
Das verantwortliche Stadtplanungsbüro „UmbauStadt“ unterteilte die neue Struktur der Stadt in drei Einheiten: das urbane Band mit Ilmenau, Langewiesen und Gehren, den landwirtschaftlich geprägten Nordosten und den waldreichen Süden mit seinem touristischen Potenzial. Jedes dieser Gebiete habe seine eigene Identität, die bei der Entwicklung beachtet werden müsse, sagte bei der Vorstellung des Konzepts Dr. Lars Bölling, Architekt und Stadtplaner.

Hoch automatisierte Busse zwischen Stadt und Land

Wie unter der Hülle der Zukunftsexpertise örtlich und thematisch angepasste Konzepte entstehen, zeigt das Beispiel aus Stützerbach, das im ISEK zur dritten Gruppe mit Anschluss an den Thüringer Wald gehört: Das hier entstandene Gemeindeentwicklungskonzept hat Vorbildcharakter und wird nun in seinen Grundzügen auch in Manebach und Frauenwald angewandt.
Im Gefüge zwischen Stadt und Land spielen in Ilmenau insbesondere neue Mobilitätsformen eine große Rolle. „Die Stadt mit ihrer Technischen Universität ist ja geradezu berufen, solche Konzepte zu entwickeln“, schätzte Bölling ein. Noch in diesem Jahr sollen zwei hoch automatisierte Busse den Campus mit dem Bahnhof verbinden. In der nächsten Stufe geht es darum, die Kernstadt mit einem oder mehreren Ortsteilen auf gleiche Weise zu verknüpfen. Weitere Themen im Zusammenhang mit dem Kompass zur Stadtentwicklung sind konkrete Konzepte zur Parkraumbewirtschaftung, zum Einzelhandel oder zur Digitalisierung.
Eine Herausforderung für die Stadt wird sein, junge Menschen nach dem Studium noch stärker an Ilmenau zu binden. Das Image, ein „nachhaltiger Innovationsstandort im Grünen mit globaler Perspektive“ zu sein, müsse stärker nach Außen getragen werden. „Die Frage lautet: Wie kann ich im ländlichen Raum attraktiv wohnen und trotzdem gut angeschlossen sein? Ilmenau hat alle Chancen, das zu entwickeln“, fand Lars Bölling.

Regionalhalt auf ICE-Trasse nach Süden sinnvoll

Dazu zählen neue Wohnformen, ein ausgeprägtes kulturelles Leben, die schnelle Erreichbarkeit von Zielen zu Fuß und mit dem Rad, Freizeitangebote und nicht zuletzt die Infrastruktur. Mit der Autobahn 71 und der Bahnlinie nach Erfurt sei die Stadt bereits gut angebunden. Doch aus Sicht des Stadtplaners ist es durchaus sinnvoll, am ursprünglich vorgesehen Halt für Regionalzüge auf der ICE-Strecke festzuhalten, um Ilmenau auf der Schiene auch in Richtung Bayern neue Wege zu eröffnen.

Bürgerbeteiligung als Bekenntnis zur Stadt

Das ISEK 2035 soll im November vom Stadtrat beschlossen werden. Vorher findet noch eine gemeinsame Sitzung von Wirtschafts-, Umwelt- und Verkehrsausschuss zusammen mit dem Bauausschuss, genau wie die Vorstellung der Abwägungen im Stadtrat statt. Alle Einwohnerinnen und Einwohner sind herzlich eingeladen, auch in den kommenden Tagen noch Hinweisen oder Anregungen zum Stadtentwicklungskonzept einzureichen. „Es ist ja auch ein Bekenntnis zu seiner Stadt, wenn man sich in ein solches umfangreiches Fachthema einarbeitet und seine Anregungen dann einbringt. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagte Oberbürgermeister Schultheiß.

In das Integrierte Stadtentwicklungskonzept kann hier ein Einblick gewonnen werden.

Vorschläge und Hinweise der Einwohnerinnen und Einwohner können geschickt werden an:
Stadtverwaltung Ilmenau
Stadtbauamt
Am Markt 7
98693 Ilmenau
stadtplanung@ilmenau.de