Kickelhahnturm im Winter
© Wolfgang Kobe

Austausch von Argumenten zur Zukunft des Alten Sportplatzes in Langewiesen

Luftbildausschnitt Langewiesen
© Landesamt für Vermessung und Geoinformation, GeoPortal.Thüringen

Bei einem Bürgerdialog haben sich diese Woche in Langewiesen Einwohnerinnen und Einwohner über die Zukunft des alten Sportplatzes „Am Rittersbach“ ausgetauscht. An die Fläche gibt es verschiedene Ansprüche: Jene, die das Areal gern weitgehend naturbelassen als Freizeitgelände bewahren wollen, haben sich in einer Bürgerinitiative „Erhalt Alter Sportplatz“ zusammengeschlossen. Und es gibt Interessenten, die sich gerne in Langewiesen niederlassen möchten und mit ihrer Familie ein Haus bauen würden: Nach einem entsprechenden Antrag des Ortsteilrats fasste der Stadtrat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 60 „Am Rittersbach“. Der vorliegende Vorentwurf weist Wohnbauflächen und Erholungs- und Freizeitflächen aus. Bauwillige und Mitglieder der Bürgerinitiative tauschten bei dem vom Büro „DIALOG  BASIS“ organisierten „BürgerInnenRatschlag“ sowohl vor Ort als auch bei einer Videoübertragung ihre Argumente aus. Angestoßen wurde dieses Vorgehen von der Thüringer Staatskanzlei.

„Es gibt zwei sehr legitime Interessengruppen. Die einen favorisieren eine freizeitsportliche Nutzung und die anderen möchten gern in Langewiesen Wurzeln schlagen. Wir haben beim bisherigen Prozess immer versucht, alle Perspektiven einzubeziehen und standen im ständigen Austausch“, sagte Ilmenaus Oberbürgermeister Daniel Schultheiß. Er zeigte sich zuversichtlich, dass ein Kompromiss möglich ist.

Nach dem Auftrag an die Stadtverwaltung zur Durchführung eines Bauleitplanverfahren für die 3,38 Hektar große Fläche wurde das Gebiet auf dem Papier als Wohngebiet mit Erholungs- und Freizeitflächen beplant. Im oberen Bereich soll ein Spielplatz für Kleinkinder entstehen. Abgesehen von mehreren Interessensbekundungen durch Bauwillige stellt aus Sicht der Fachleute das neue Wohngebiet auch einen Lückenschluss zur vorhandenen Wohnbebauung in Langewiesen dar. Bei der Offenlage konnten sich im Sommer Bürgerinnen und Bürger fünf Wochen lang mit Hinweisen zum Entwurf an die Stadtverwaltung wenden. Parallel dazu fand die frühzeitige Behördenbeteiligung statt, schilderte Stadtplanerin Jarste Koch den Ablauf. Alle eingegangenen Anregungen werden geprüft und abgewogen. Der erarbeitete Entwurf wird dann wiederum dem Fachausschuss und dem Stadtrat vorgelegt. Im Fall einer Billigung erfolgt der Beschluss einer erneuten Offenlage. Das bedeutet: Der aktuelle Vorentwurf kann sich durchaus noch ändern. Selbst wenn dann am Ende des Verfahrens der Stadtrat den Plan zur Satzung erklärt, muss anschließend noch die Genehmigung des Thüringer Landesverwaltungsamts eingeholt werden, weil Langewiesen bislang nicht über einen genehmigten Flächennutzungsplan verfügte. „Was die Stadtverwaltung und das Bauamt machen, ist Planen mit Dialog und das ist vorbildlich, weil die Schritte transparent nachvollziehbar sind“, schätzte Dr. Antje Grobe vom Büro „DIALOG BASIS“ ein.

Robin Keller von der Bürgerinitiative verwies auf die aktuellen Möglichkeiten für alle Altersgruppen. Neben dem Freizeitwert für die Langewiesenerinnen und Langewiesener biete die Fläche auch Potenzial für Veranstaltungen. Keller schilderte mögliche Veranstaltungsoptionen. Er schilderte seinen Eindruck, dass der Platz zum Bolzen, für Veranstaltungen, für das Zirkusprojekt der Grundschule, als Sammelpunkt und Landepunkt für den Rettungshubschrauber, aber auch als Überflutungsfläche für den Rittersbach dient. Der Bürgerinitiative geht es um den Erhalt von Grünflächen und eines Belüftungskorridors für die Stadt. Alternativ können sich die Mitglieder vorstellen, dass auf dem Gelände noch ein weiterer Spielplatz entsteht. Dieser ist jedoch auch im Vorentwurf zu einem möglichen Baubauungsplan bereits enthalten.

Vor allem Jugendliche sind es, die den Platz in der Freizeit nutzen, erfuhr das Büro „DIALOG BASIS“ bei einer Befragung. Etwas anders ist die Situation bei den Grundschulkindern: Die meisten von ihnen kennen den alten Sportplatz zwar, doch nur einige nutzen ihn. Stattdessen spielen in dieser Altersgruppe die vorhandenen Spielplätze im Zentrum eine Rolle – wie das neue Piratenboot im Heinse-Park. Das Dialog-Büro ließ die Mädchen und Jungen die Fläche des alten Sportplatzes schließlich selbst gestalten, nachdem ihnen die verschiedenen Interessen erklärt wurden. Heraus kam in den meisten Fällen ein Kompromiss: Die Kinder ordneten die Häuser aus ihrer Sicht so an, dass noch Platz für eine Freifläche blieb.

Auf einen Kompromiss hoffte auch Ortsteilbürgermeisterin Ines Wagner. „Ich möchte, dass dieser Ort liebens- und lebenswert bleibt“ – und dass dabei alle Meinungen berücksichtigt werden, sagte sie in ihrem Schlusswort.

12.12.2022