Bild: GoetheStadtMuseum im Amtshaus

SONDERAUSSTELLUNG

Der vergessene Bauhausschüler und Rügenkeramiker

Wilhelm Löber

vom 7. April bis zum 18. August 2019



Porzellangruppe, Wilhelm Löber
Historisches Foto der Fotografin W. v. Debschitz-Kunowski, Porzellangruppe von Wilhelm Löber, 1927. Quelle: ehemaliges Archiv Margarethe und Wilhelm Löber

Im Jahr des einhundertjährigen Bauhausjubiläums 2019 wird im GoetheStadtMuseum Ilmenau an den hier in der Region wenig bekannten Bauhausschüler Wilhelm Löber erinnert. Eine Sammlung historischer Fotos seiner zum Großteil verschollenen Keramiken der 1920er Jahre wurde erst kürzlich entdeckt. Sie ist ebenso Bestandteil der Exposition wie frühe Grafiken, zahlreiche bildhauerische Werke und keramische Arbeiten der 1960er und 70er Jahre. Anhand dieser wertvollen Zeitzeugnisse ist es möglich, ein umfangreiches Bild des Grafikers, Bildhauers und Kunsthandwerkers Wilhelm Löber zu entwerfen.




Kanne, Entwurf Wilhelm Löber
Kanne, Entwurf Wilhelm Löber, Ausführung Kerstin Barthel, Foto: Lutz Grünke

Dem Bauhausgedanken, Handwerk und Kunst miteinander zu verbinden, fühlt er sich zeit seines Lebens verpflichtet. Den größten Einfluss übt dabei sein Lehrer Gerhard Marcks, sowohl bei der Gestaltung von Keramik, als auch in der Bildhauerei, auf ihn aus. Die Vielfalt der Ausbildung am Staatlichen Bauhaus Weimar ist ihm bei seiner künstlerischen Tätigkeit stets nützlich. Neben der ausgeprägten keramischen Ausbildung fertigt er expressive Holzschnitte, beschäftigt sich mit der Emaille-Technik, führt Werke in Metall aus und arbeitet intensiv mit dem Werkstoff Holz. Das Experiment mit Material und Form ist der Motor seiner Arbeit. In den 1920er Jahren entstehen auf diese Weise in der Dornburger Töpferwerkstatt des Bauhaues verschiedene Kannen, von denen sich nur wenige im Original erhalten haben. Bis 1934 fertigt Löber zahlreiche Entwürfe für die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin.




Relief des Goethebrunnens
Relief des Goethebrunnens auf dem Ilmenauer Friedhof von Wilhelm Löber, Foto: Stadtverwltung Ilmenau

Mit Ilmenau verbinden den 1903 in Neidthartshausen in der Rhön geborenen Künstler seine Ausbildung am Realgymnasium, Freundschaften, die er ein Leben lang pflegt, und die Gestaltung eines Goethebrunnens im expressiv-realistischen Stil. Der Brunnen auf dem Ilmenauer Friedhof trägt die Inschrift „Stirb und Werde!“, entnommen dem „Lied des Sängers“ aus Goethes bedeutender Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“. Die Inschrift und das dazugehörige Relief mit der figürlichen Darstellung des verzweifelten Menschen, der entschlafenen Mutter mit Kind und des durch den Tod geläuterten Menschen entstehen im Welt-Goethejahr 1932. Das Kunstwerk ist von Anbeginn umstritten, da es nicht den konservativen Vorstellungen der Allgemeinheit entspricht. Umso erstaunlicher ist es, dass der vom Reichsverband Bildender Künstler, Gau Thüringen, als „eines Goethe nicht würdig“ eingeschätzte Brunnen die Zeit des Nationalsozialismus übersteht. Seine spannende und wechselvolle Geschichte wird in einer Begleitbroschüre zur Exposition verdeutlicht. Ein anderes Werk Wilhelm Löbers, das Denkmal für Walther von der Vogelweide in Halle/Saale fällt hingegen den Nationalsozialisten zum Opfer. Das noch erhaltene Wachsmodell wird vom Staatlichen Museum Schloss Moritzburg Halle als Leihgabe zur Verfügung gestellt.




Ehemaliges Eingangsschild für die Rügenkeramik
Ehemaliges Eingangsschild für die Rügenkeramik. Privatbesitz, Foto: Lutz Grünke

Von 1946 bis 1952 ist Wilhelm Löber als Dozent an der Schnitzschule Empfertshausen in Thüringen tätig. In den 1960er und 1970er Jahren fertigt er die beliebte Fischland- und Rügenkeramik, die sehr hohen Absatz findet. Hier werden recht verspielte Formen und Motive aufgegriffen, die sich vom ursprünglichen Bauhausgedanken entfernen. Nicht zuletzt gilt es, eine zehnköpfige Familie zu ernähren. Löber ist aber auch weiterhin als Bildhauer tätig und drückt in seinen Werken vor allem die Liebe zur Natur aus. So leistet er Hervorragendes bei der Gestaltung einer Moschusochsengruppe für den Rostocker Zoo und eines Seeadlers, der in Schloss Granitz auf der Insel Rügen sein bleibendes Domizil gefunden hat. Der beliebte Keramiker, aber fast vergessene Bauhausschüler und Bildhauer Wilhelm Löber, stirbt 1981 in Juliusruh auf Rügen.




Ausstellungskataloge Wilhelm Löber mit Banderole

Hartmut Gill aus Rostock ist es zu verdanken, dass das umfangreiche Werk Wilhelm Löbers in Ilmenau gezeigt werden kann. Er lernt den Künstler als Kind kennen, ist fasziniert von seiner Persönlichkeit und dem künstlerischen Werk. Daraus resultierend recherchiert er in den Archiven, sammelt Löbers Werke, konzipiert Ausstellungen in Putbus und Berlin und legt seine Erkenntnisse in zwei Veröffentlichungen dar.
Auch die Nachfahren Wilhelm Löbers, insbesondere Friedemann Löber und dessen Frau Renate, haben das reichhaltige Erbe des Bauhausschülers Wilhelm Löber in zwei weiteren Ausstellungen in Bürgel und Dornburg wieder sichtbar gemacht, ihr Privatarchiv für Forschungszwecke geöffnet und die Erkenntnisse in einer Begleitbroschüre des Keramik-Museums Bürgel dargelegt
Begleitend zur Ilmenauer Ausstellung ist ebenfalls ein kleiner Katalog erschienen, der den Werdegang Wilhelm Löbers vorstellt, vor allem aber die Geschichte des Ilmenauer Goethebrunnnes näher beleuchtet. Als Doppelbroschüre sind die beiden kleinen Kataloge aus Ilmenau und Bürgel gemeinsam für 8,95 € in der Ilmenau-Information erhältlich.

 




SONDERFÜHRUNG

6. Mai bis 12. August 2019
jeden Montag, 10:00 Uhr
GoetheStadtMuseum Ilmenau



Goethebrunnen

Dauer: 1 Stunde
Preis: 5,00 Euro / Person, zzgl. Eintritt
Treff: Amtshaus, Am Markt 1

Bis zum 12. August bietet das GoetheStadtMuseum jeden Montag eine Sonderführung an. Im Mittelpunkt stehen Leben und Werk des beinah vergessenen Künstlers Wilhelm Löber. Dem einstigen Bauhausschüler ist die aktuelle Sonderausstellung gewidmet, die neben frühen Grafiken, bildhauerischen Werken und keramischen Arbeiten auch Auszüge aus einer erst kürzlich wiederentdeckten Fotosammlung zeigt.
Mit Ilmenau verbanden den 1903 in der Rhön geborenen Künstler seine Ausbildung am Realgymnasium und die Gestaltung eines Goethebrunnens im expressiven Stil. Er entstand im Goethejahr 1932 und ist bis heute erhalten geblieben.

Nutzen Sie die Gelegenheit, mehr über den vielseitigen Künstler Wilhelm Löber zu erfahren.