Bild: Bildrolle, Ausschnitt

SONDERAUSSTELLUNG

Wilfri(e)d Spinner - Schweizer Theologe

in Japan und Thüringen

Seine Sammlung japanischer Kult- und Pilgerbilder

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich

vom 29. Oktober 2017 bis zum 25. Februar 2018



Wilfri(e)d Spinner
Wilfri(e)d Spinner, Fotoaufnahme: Photo Ganz, Zürich, 1883, (c) VMZ Bildarchiv

Im Jubiläumsjahr der Reformation zeigt das GoetheStadtMuseum Ilmenau eine Sonderausstellung über die spannende Lebensgeschichte des Schweizer Theologen Wilfri(e)d Spinner.

1854 wird Spinner in Bonstetten bei Zürich geboren und auf die Namen Heinrich Wilfrid getauft. Spinner selbst schreibt seinen Rufnamen Wilfrid mit kurzem "i", aber schon die Zeitgenossen fügen häufig ein "e" hinzu. Er studiert in Zürich Philosphie und Theologie und setzt seine Studien an verschiedenen Universitäten - unter anderem Jena - fort. 1883 begibt er sich auf eine Reise nach Italien und Nordafrika zum Studium antiker und christlicher Kunst. Schon hier wird deutlich, dass Spinners Bildungsinteresse über das unmittelbare Feld der Theologie hinausreicht. Im gleichen Jahr wendet er sich eine neuen Aufgabe zu. Er wird zum Mitbegründer des Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsvereins, dessen Ziel es ist "christliche Religion und Kultur unter den nichtchristlichen Völkern auszubreiten in Anknüpfung an die bei diesen schon vorhandenen Wahrheitselemente". Viele deutsche Pfarrer und Laien schließen sich  dem in seinen  religösen Auffassungen liberalen Verein an. Die Gründung wird folgerichtig in einem Kernland der Reformation 1884 in Weimar vollzogen.




Missionare und Christen in Tokio
Foto um 1890, Zentralarchiv der evangelischen Kirche der Pfalz, Speyer, Signatur: ZASP Abt. 180.06 Nr. 8/100. (c) Evangelische Kirche der Pfalz, Speyer

Zu Weihnachten 1884 entscheidet sich Spinner als Missionar tätig zu sein. Sicher ist er sich bewusst, damit einen völlig neueun Lebensweg zu beschreiten, in all seinen Folgen hat er ihn wohl nicht erwartet. Von nun an ändern sich alle Lebensumstände. Spinner nimmt die Sachsen-Weimarische Staatsbürgerschaft an und wird als Pfarrer ordiniert. 1885 reist er über London, New York, Buffalo, Chicago, Omaha und San Francisco  nach Japan. Dort arbeitet er als erster deutschsprachiger evangelischer Missionar. Er gründet Gemeinden in Tokio und Yokohama. Er hält Vorträge an der Universität und gründet die Zeitschrift "Shinti", zu Deutsch "Wahrheit". Auch sein soziales Engagement wird schon deutlich. 1891 endet die Mission, erstes Ziel der Rückreise ist Indien.




Eine mit solchen Aufgaben und Erlebnissen erfüllte Weltreise ist selbst nach heutigen Maßstäben etwas ganz Besonderes. Davon zeugen Spinners Tagebücher und Briefe, vor allem aber seine Sammlung von japanischen Kult- und Pilgerbildern. Diese Sammlung bewahrt das Völkerkundemuseum der Universität Zürich (VMZ). Es zeigte die Sammlung 2014/15 im Rahmen der Sonderausstellung "WegZeichen". Für die Ilmenauer Ausstellung stellte das VMZ freundlicherweise nicht nur die kunstvollen Bildrollen, sondern auch die Erläuterungen zum Verständnis der religiösen Inhalte zur Verfügung.




Postkarte, Marktstraße mit Kirche St. Jakobus
Postkarte, um 1900: Marktstraße mit der Kirche St. Jakobus; Stadtarchiv Ilmenau, Sign. E3-28

Nach seiner Rückkehr wird Spinner ab Oktober 1891 Pfarrer in Ilmenau. Für knapp fünf Jahre führt er die Kirchgemeinde mit großem Erfolg und allseitiger Anerkennung. So errichtet er erstmalig in Ilmenau mit der "Gemeindepflege" eine Pflegestation für sozial Schwache und Kranke. Damit wird die besondere seelsorgerische Kompetenz Spinners über die unmittelbar kirchliche Tätigkeit hinaus wieder erkennbar. Seine Berufung zum Oberhofprediger an den Weimarer Hof und als Weimarer Kirchenrat ist zweifelsfrei auch das Ergebnis seines erfolgreichen Wirkens als Superintendent in Ilmenau. In Weimar erwarten Spinner umfangreiche Arbeitsaufgaben. Er hat die seelsorgerische Betreuung der großherzoglichen Familie, der Hofkirchengemeinde und des Kirchenbezirks der Stadtkirche zu leisten. Ab 1900 wird Spinner auch Generalsuperintendent des Landeskirchenrates und ist somit für das gesamte Kirchenleben in Sachsen-Weimar verantwortlich. Mit großer Intensität setzt er sich für die Innere Mission ein, wichtige soziale Einrichtungen werden durch ihn für Waisen, Arme und Kranke gegründet. Nach 1915 verschlechtert sich Spinners Gesundheitszustand. Am 31. August 1918 vollendet sich der faszinierende Lebensweg dieses bemerkenswerten Theologen. Die Ausstellung präsentiert dazu das Ergebnis umfangreicher Recherchen zum Wirken Wilfri(e)d Spinners in Ilmenau und Weimar, die überwiegend bisher nicht öffentlich bekannt sind.