Bild: GoetheStadtMuseum im Amtshaus

SONDERAUSSTELLUNG

Menschenbilder - Impressionen des Ilmenauer Malers

und Grafikers Paul Walter Heider

vom 21. Mai bis zum 3. Oktober 2017



Paul Walter Heider: Die Stadt, 1969
Paul Walter Heider: Die Stadt, 1969

Vielen älteren Menschen im Ilm-Kreis ist Paul Walter Heider noch als streitbarer Kulturschaffender, engagierter Künstler und Leiter der Malzirkel in Stützerbach und im ehemaligen Thermometerwerk Geraberg bekannt. Jüngeren Menschen hingegen sagt der Name Walter Heider nichts, denn Ausstellungen mit seinen Kunstwerken hat es nach seinem Tod 1986 nicht mehr gegeben. Dabei hat der talentierte Autodidakt Erstaunliches geschaffen. Vor allem seine Grafiken fanden in den 1940er bis 1960er Jahren auch überregionale Anerkennung in Berlin, Frankfurt, Köln, Schwerin. Der Tochter Walter Heiders, Dr. Ulrike Schalldach, ist es zu verdanken, dass ein umfangreicher Teil seines Oeuvres im Jahr 2017 im GoetheStadtMuseum Ilmenau gezeigt werden kann. Während die Sonderausstellung des Museums vor allem den "Menschenbildern" des Künstlers gewidmet ist, präsentiert die Ilmenauer Filiale der Sparkasse Arnstadt-Ilmenau vom 22. Juni bis zum 21. Juli 2017 eine Auswahl von "Landschaftsdarstellungen".




Paul Walter Heider: Sitzender Handwerker mit Hut, 1940
Paul Walter Heider: Sitzender Handwerker mit Hut, 1940

Paul Walter Heider kam am 6. April 1909 in Ilmenau, als Sohn des Malermeisters Otto Heider, zur Welt. Durch sein kommunistisch geprägtes Elternhaus kam er schon früh mit den Ideen des Marxismus in Berührung. Eine von ihm angestrebte künstlerische Ausbildung am Bauhaus in Weimar war aus finanzieller Not nicht möglich. Da aber die Leidenschaft Walter Heiders im Zeichnen und Malen lag, entschied er sich dennoch für eine rein künstlerische Laufbahn. Die entscheidende Inspiration dazu empfing er auf einer Studienreise zu seinem Bruder Kurt nach Schweden im Jahr 1932. Mit viel Fleiß, vertrauend auf sein künstlerisches Talent, gelang es Walter Heider, sich autodidaktisch zu bilden. Seine grafischen Fertigkeiten vervollkommnete er mit Hilfe des Ilmenauer Lithografen Ernst Wedekind. Von Anbeginn beschäftigte sich Walter Heider mit dem tätigen Menschen. Ihn rückte er in den Fokus seiner Werke.




Paul Walter Heider: Auf Kartaschi, 1944
Paul Walter Heider: Auf Kartaschi, 1944

Prägend waren seine Erlebnisse als Kriegsmaler an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg. Er zeichnete die Situation in den Schützengräben und das Elend von Kriegsopfern. Dabei bediente er sich meist eines speziellen expressiv-realistischen Stils, der seine Grafiken auch heute noch unverkennbar macht. Im Kriegsgefangenenlager Stargard lernte er den Kunstwissenschaftler und Leiter für Kulturarbeit, Gerhard Strauss, kennen. Mit ihm verband ihn eine lebenslange Freundschaft. Gerhard Strauss bescheinigte Walter Heider "eine auffallend manuelle Begabung, eine merkwürdige, suchende Vielfältigkeit der technischen wie der stilistischen Mittel und eine ungeschminkte Darstellung des Krieges". Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich Gerhard Strauss als Kultur funktionär in der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung der sowjetischen Besatzungszone. Die Botschaft an die Künstler war zu dieser Zeit von den Ideen des sozialistischen Realismus geprägt. Ein neues Menschenbild sollte geschaffen werden, Werktätige, die mit Freude in den nun volkseigenen Betrieben arbeiten. Walter Heider sah es als eigene Herzensangelegenheit, diesem Menschenbild zu folgen. Dabei wirken die Arbeiter der meisten seiner Werke nicht stereotyp, heroisch oder idealisiert, wie es von den staatlichen Organen der DDR verlangt wurde.




Paul Walter Heider: Arbeit in der Glashütte, 1981
Paul Walter Heider: Arbeit in der Glashütte, 1981

Den Bitterfelder Weg beschritt Walter Heider bereits, bevor dieser öffentlich propagiert wurde. Er ging in die volkseigenen Betriebe der Ilmenauer Region, um dort selbst zu zeichnen und mit den Arbeitern zu diskutieren. Bewusst setzte er sich der Kritik der Arbeiter aus, denn er glaubte an die Ideen des Sozialismus. In den 1960er Jahren nahm vor allem die Kritik einiger Mitglieder des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands im Bezirk Suhl an dem Autodidakten zu. Waren seine Werke von 1946 bis 1965 auf fast allen größeren und kleineren Kunstausstellungen in Thüringen und darüber hinaus vertreten, so änderte sich dies nun. Als Folge kündigte Walter Heider seine Mitgliedschaft im VBK und zog sich ins Private zurück. Seinen Arbeitern blieb er allerdings weiterhin treu. Auf der Ilmenauer Kunstausstellung 1963 präsentierte er v.a. Werke, die er für die regionalen volkseigenen Glasbetriebe geschaffen hatte.




Paul Walter Heider: Afrikanerin, 1978
Paul Walter Heider: Afrikanerin, 1978

Bald fand Walter Heider Zugang zu neuen Ausdrucksmöglichkeiten und entfernte sich ein wenig von der ihm vertrauten realistischen Darstellungsweise. Erstmals flossen kubistische und abstrakte Elemente in seine Arbeit ein, wie beispielsweise in seiner Federzeichung "Afrikanerin" von 1978.
Im Rentenalter besuchte er häufig seinen Bruder in Schweden. Dort entstanden Landschaftsaquarelle, die zum Besten des Künstlers gehören. Seinen Arbeitern blieb Walter Heider stets treu, ging weiter in die Betriebe und leitete seine Zeichenzirkel. Er verstarb am 3. Januar 1986.
Walter Heiders vielfältiges Oeuvre wird zum Großteil von seiner in Erfurt lebenden Tochter bewahrt. Weitere Werke befinden sich in Museen in Berlin, Eisenach, Erfurt, Mühlhausen und Ilmenau.