Bild: GoetheStadtMuseum im Amtshaus

SONDERAUSSTELLUNG

Made in Germany - Spielwaren aus Ilmenau

vom 9. November 2014 bis 15. März 2015



Papiermaché-Puppen
Foto: Thomas Wolf, Gotha

Das GoetheStadtMuseum widmet diese Sonderausstellung der Ilmenauer Spielwarenherstellung. Dieser Industriezweig war im 19. und 20. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil der städtischen Arbeits- und Lebenswelt. Zeitweise gab es in Ilmenau 13 größere und kleinere Unternehmen mit hervorragendem Umsatz. Herzstück der Ausstellung ist die bewegte Geschichte der Spielwarenfabrik Fischer, Naumann & Co und der Puppenfabrik Wagner & Zetzsche. Dabei werden zum Teil einmalige Erzeugnisse wie exklusiv gestaltete Puppen, aber auch ganz alltägliche Produkte, Puppenbälge, Puppenschuhe, einzelne Körperglieder von Puppen oder Puppenbekleidung präsentiert.

Friedrich Gottfried Volkmar legte den Grundstein für die Entwicklung der Spielzeugindustrie in Ilmenau. Der gelernte Porzellanmaler begann in seiner Freizeit, Puppenköpfe aus Papiermaché herzustellen. Im Jahr 1810 gründete er dann die erste Ilmenauer Papiermaché- und Puppenfabrik. Zu den dort hergestellten Produkten gehörten Tierfiguren, Attrappen, Puppenköpfe und Puppen in hochwertiger Ausführung. Als der Firmeninhaber Carl Volkmar 1852 starb, verkauften seine Erben das Geschäft an Fischer, Naumann & Co.




Porzellankopfpuppe von
Foto: Thomas Wolf, Gotha

Gottlieb Friedrich Fischer und Leberecht Naumann betrieben seit 1836 eine Buch- und Steindruckfarbenfabrik, deren Produkte weltweiten Absatz fanden. Auf ihren Reisen entwickelten die Geschäftsführer neue Ideen, wie sie ihr Geschäft gewinnbringend erweitern konnten. Der Erwerb der Volkmarschen Papiermaché- und Puppenfabrik fügte sich daher nahtlos in ihre Firmenpolitik ein. Unter der neuen Geschäftsleitung blühte dieser Produktionszweig wieder auf. Im Jahr 1891 standen 326 Arbeiter in Lohn und Brot.

Die Herstellung von Puppenschuhen und Puppenkörpern aus Leder und Stoff entwickelte sich zu einer Spezialität der Firma. Aus 610 verschiedenen Puppenschuhmodellen konnte der Kunde auswählen. Die Qualität war exklusiv. Sie überzeugte sogar Käthe Kruse, die ihre Charakterpuppen mit Schnallenschühchen aus Ilmenau bestückte. Große Handelsketten, Kaufhäuser, Einzelhändler und Puppenkliniken bestellten aus dem reichhaltigen Warenangebot. Fischer, Naumann & Co. verkaufte seine Produkte nicht nur in Deutschland, sondern exportierte auch nach Großbritannien, Frankreich, Österreich, Russland, Skandinavien und Nordamerika.

1943 erfolgte die kriegsbedingte Stilllegung des gesamten Geschäftes, 1952 die Löschung im Handelsregister.




Puppenschuhe von
Foto: Thomas Wolf, Gotha

Die Puppenfabrik Wagner & Zetzsche war die zweite große Spielwarenfirma in Ilmenau. Die Kaufleuten Richard Wagner und Richard Zetzsche gründeten diese im Jahr 1875.

Gekleidete Puppen, aufwendig gearbeitete Puppenkörper aus Leder und Puppenschuhe exzellenter Ausführung, genossen weltweites Ansehen. Die Puppen mit den Namen Harald, Inge und Hansi verkauften sich sehr gut. Das „Baerbele“, die Vierte im Bunde, ist weniger bekannt. Die Puppenköpfe und Arme wurden aus einer neuen kunststoffartigen Masse namens „Haralit“ gegossen. Diese war weder brennbar noch zerbrechlich. Ihr Erfinder, Richard Zierow aus Berlin, verkaufte das Patent 1914 an die Puppenfabrik. Als Modelle für die Puppenköpfe dienten die Enkel von Richard Zetzsche: Harald, Inge und Hansi.

Ingeborg Knefeli, geborene Zetzsche, war bis 1960 Geschäftsinhaberin der Firma. Ihr Mann, Heinrich Knefeli übernahm ab 1960 die Geschäftsführung. 1972 zwang die DDR-Regierung die Familie, das Unternehmen an den Staat zu verkaufen. Der Betrieb wurde dem Kombinat Puppen- und Plüschspielwaren Sonni, Betriebsteil Gehren, VEB Plüsch und Stoffspielwaren, angegliedert. Ingrid Knefeli, die Tochter, studierte in Sonneberg Spielzeugformgestaltung. Sie leitete unter verstaatlichten Bedingungen den Betrieb bis 1982. Kurz Zeit später verließ sie die DDR.