Bild: Manebacher Grund

SONDERAUSSTELLUNG

Mein nordisches Arkadien

Zeichnung und Grafik von und zu Goethe

25. März bis 4. November 2012


Aus Anlass des 180. Todestages Johann Wolfgang von Goethes wirft die Ausstellung ein Licht auf die Naturlyrik und Zeichenkunst des Dichters. Als Ausgleich zu seiner vorrangigen Amtstätigkeit im Auftrag des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach durchstreifte er die Wälder rund um den Kickelhahn und schrieb am Abend des 6. September 1780 eines seiner schönsten Gedichte - „Wandrers Nachtlied" - an die Bretterwand der Jagdaufseherhütte des Ilmenauer Hausbergs. Er verfasste nicht nur faszinierende Gedichte unter dem Eindruck der thüringischen Bergwelt, sondern zeichnete unter anderem die Höhle am Hermannstein und die „Dampfenden Täler", die er in Briefen an Charlotte von Stein erwähnte.

 

Johann Wolfgang von Goethe „Dampfende Täler bei Ilmenau“, 22. / 23. Juli 1776 Bleistift, Pinsel, 17,0 x 32,0 cm, Klassik Stiftung Weimar, Graphische Sammlungen



Roger Bonnard „Erlkönig“, 1998 Aquatinta, 20,0 x 29,5 cm

Die Exposition im GoetheStadtMuseum Ilmenau zeigt neben Faksimiles von Zeichnungen, die Goethe in der Ilmenauer Gegend anfertigte, Grafiken zeitgenössischer Thüringer Künstler. Sie beschäftigten sich im Goethejahr 1999 mit dem Thema „Goethe - Ilmenau - die Natur" und interpretierten auf ihre Weise den magischen Ort „Über allen Gipfeln...".
Unter der Regie des Vorbereitungskomitees „Goethestadt Ilmenau 99" entstand eine Grafikmappe mit Werken von Petra Albrecht, Roger Bonnard, Lüder Lehnort, Gerd Mackensen, Horst Peter Meyer, Alfred Traugott Mörstedt, Alexandra Müller-Jontschewa, Ullrich Panndorf, Gisela Richter und Walter Sachs. Die Grafikmappe „ist nicht nur eine ästhetische Kostbarkeit, die sinnliches Vergnügen bereitet, sondern vielmehr Einladung zum aufgeschlossenen und unverklärten Umgang mit kulturellem Erbe".
(Cornelia Nowak, Angermuseum Erfurt)

 



Eine dritte Sichtweise auf das Thema widerspiegeln künstlerische Arbeiten von Ilmenauer Schülern. In Vorbereitung des 250. Geburtstages von Goethe erkundeten zehnjährige Mädchen und Jungen des Schuljahres 1996/97 mit ihrer Lehrerin Ruth Brokmann und dem Grafiker Walter Lipfert die Stationen des Goethewanderweges. Das Experiment, druckgrafische Techniken zu erlernen, spielte dabei ebenso eine Rolle wie die Wahrnehmung der Natur und das Kennenlernen der Wirkungsstätten des Dichters. Ihre Gedanken und Eindrücke setzten die Kinder meist direkt in der Natur um, indem sie an den jeweiligen Orten die Kupferplatten bearbeiteten. Die Verdichtung der Ideen und die Arbeiten an der Druckerpresse erfolgten in der Alten Försterei Ilmenau.

 

Michael Gehlhaar „Kickelhahn I“, 1997 Ätzradierung, 14,8 x 19,7 cm


Einen interessanten Aspekt der Ausstellung bilden jene Werke, die in den Vitrinen gezeigt werden. Horst Peter Meyers eindrucksvolle Briefe, sein Ringen um Authentizität der Grafikblätter und um Quellensicherheit der Goethetexte nehmen direkten Bezug auf die Herausgabe des Mappenwerkes „Goethe - Ilmenau - die Natur". Petra Albrecht, Roger Bonnard und Ullrich Panndorf widmen sich der Thematik der Edition erneut und stellen aktuelle Arbeiten vor. Aus dem Fundus der bereits verstorbenen Künstler Alfred Traugott Mörstedt und Gisela Richter sind heiter-ironische Collagen bzw. liebevolle Landschaftsstudien zu sehen. Walter Sachs‘ Zeichnungen und die kleinformatige Skulpturengruppe „Grazien" bereichern das Ausstellungsthema „Mein nordisches Arkadien" auf ganz eigene, unverwechselbare Weise.

 

Walter Sachs „Grazie“, 2003 Diabas (Grünstein), Höhe 5,6 cm