,,Städte sind keine Angriffsziele"

Bedenkend, dass zum ersten Mal in der Geschichte die Hälfte aller Menschen in Städten lebt und dort ihren Lebensunterhalt, ihre Gesundheit und ihre Sicherheit sucht;

besorgt, dass die massive Zerstörung von Städten, die ihren Anfang im vorigen Jahrhundert nahm, bis heute schändlich fortgesetzt wird und dass jeglicher Krieg, an dem ein Atomwaffenstaat beteiligt ist, die Gefahr einer Eskalation zum Atomkrieg in sich birgt;

Kenntnis nehmend, dass das Kriegsvölkerrecht und vor allem das humanitäre Völkerrecht all zu oft missachtet werden und Städten in Kriegszeiten selbst bei nomineller Einhaltung keinen ausreichenden Schutz bieten;

besorgt, dass die Nukleardoktrinen der Atomwaffenstaaten den Einsatz von Atomwaffen vorsehen, in manchen Fällen sogar den Ersteinsatz, und dass im Falle eines Atomkrieges die Gefahr dramatisch steigt, dass Städte in Mitleidenschaft gezogen werden;

Kenntnis nehmend, dass keiner der Atomwaffenstaaten ausdrücklich einen Verzicht erklärt hat, Atomwaffen gegen Städte einzusetzen oder Städte durch den radioaktiven Fallout zu bedrohen;

besorgt, dass Terroristen Zugang zu waffenfähigen spaltbaren Materialien oder einer Atomwaffe erlangen und eine Stadt damit bedrohen könnten;

in Erkenntnis, dass diese Bedrohungen weiter anhalten, weil sich die Bürgerlnnen nicht einmütig und nachdrücklich dagegen ausgesprochen haben, und dass soziale Ungerechtigkeit und Intoleranz ihre Fähigkeit dazu schwächen.

Wir, die Unterzeichnenden,

erklären, dass sich die Geschehnisse in Hiroshima und Nagasaki nie wiederholen dürfen und dass Massenvernichtungswaffen in einer zivilisierten Welt keinen Platz haben;

begrüßen das Projekt Cities Are Not Targets (Städte sind keine Angriffsziele) der Mayors for Peace (Bürgermeister für den Frieden) unter der Führung der Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki;

erklären unsere Solidarität mit den Städten, die von einem oder mehreren Atomwaffenstaaten eine ausdrückliche Sicherheitsgarantie einfordern, ihre Städte keinesfalls zum Ziel eines Atomangriffs zu machen;

fordern jeden Atomwaffenstaat auf, sofort öffentlich die Völkerrechtswidrigkeit einer Bedrohung von Städten durch einen Atomwaffenangriff oder radioaktiven Niederschlag anzuerkennen;

beschließen, uns bei den Vereinten Nationen für die Einberufung von zwei globalen Regierungskonferenzen einzusetzen, mit Verhandlungsmandaten für:

  1. eine Rahmenvereinbarung über die Beseitigung von Atomwaffen und waffenfähigen spaltbaren Materialien,
  2. eine Ergänzung des Kriegsvölkerrechts, um die Städte vor dem Unheil des Krieges zu schützen;

fordern Atomwaffenstaaten dazu auf, in redlicher Absicht dem Einsatz von Atomwaffen abzuschwören und dadurch das erste Ziel zu fördern, sowie alle Staaten, um auch das Erreichen des zweiten Zieles voranzubringen, dem Beschuss von Städten abzuschwören;

appellieren an nationale, regionale und internationale Verbände von Bürgermeistern und Kommunen, diese Zielsetzungen aktiv zu unterstützen;

appellieren an BürgermeisterInnen und Bürgerlnnen, in ihren Städten soziale Gerechtigkeit und Toleranz zu fördern und dadurch die Fähigkeit der Bevölkerung zu stärken, gemeinsam Widerstand gegen die Bedrohung ihrer Städte zu leisten.


Zur Unterzeichnung aufgelegt beim ersten Treffen des Vorbereitungskomitees für die Überprüfungskonferenz 2010 zum nuklearen Nichtverbreitungsvertrag am 2. Mai 2007 in Wien

In der Reihenfolge der Unterschriften:

Mitglieder der Mayors for Peace-Delegation:
Klaus-Peter Murawski, stellvertretender Bürgermeister, Stuttgart, Deutschland
Hillrud Gödelmann, Ratsfrau, Nürnberg, Deutschland

Sebastian Müller, Ratsherr, Freiburg, Deutschland

Saffet Pehlivan, stellvertretender Bürgermeister, Duzce, Türkei

Emine Yuksel, Ratsherr, Duzce, Türkei

Sumer Aygan, Bürgermeister, Girne, Nordzypern

Senator Patric Vankrunkelsven, Ratsherr, Laakdal, Belgien

Dr. Tadatoshi Akiba, Bürgermeister, Hiroshima, Japan


Andere Unterzeichnende:

Ime John, Co-President, IPPNW, Calabar, Nigeria

Onur Sahiner, Ankara, Türkei

Urs Cipolat, Oakland, CA, USA

John Loretz, Somerville, MA, USA

Wolfgang Schlupp-Hauck, MARTA ALMANS, Silvia M. Bopp, Mutlangen, Deutschland

Matthias Reichl, Bad Ischl, Österreich

Colin Archer, Secretary General, IPB, Geneva, Schweiz

Jacqueline Cabasso, Oakland, CA, USA

Alice Slater, New York, NY, USA

Alfred Marder, Präsident, IAPMC, New Haven, CT, USA

Ronald McCoy, IPPNW, Malaysia

Ray Acheson, Toronto, Kanada

Takao Takahara, Yokohama, Japan

Peter Kolbe, Heidelberg, Deutschland

Erdinc, Akün, Girne, Nordzypern

Regina Hagen, Darmstadt, Germany

Pol D'Huyvetter, Gent, Belgien

Nidai Günördü, Girne, Nordzypern

Aaron Tovish, Wien, Österreich

Yasuyuki Yakushiji, Hiroshima, Japan


Zugefügte Unterschriften, 2. Mai

Yannik Hake, Jacob Romer, Isabel Bohn, Irena Klink und Katharina Michaels, Heidelberg, Deutschland

Mia Gandenberger, Marburg, Deutschland