GoetheStadtMuseum - Pressespiegel 2010
Porzellanjahr 2010: 250 Jahre Porzellan
Im Porzellanjahr schaute Ilmenau auf seine Historie
Für den Freistaat neigt sich ein ganz besonderes Jahr dem Ende zu - das Jubiläumsjahr "250 Jahre Thüringer Porzellan", auch für Ilmenau von Bedeutung.

Von Thomas Klämt
Ilmenau/Rudolstadt - Im April wurde das Jubiläumsjahr "250 Jahre Thüringer Porzellan" ausgerufen. Zur Auftaktveranstaltung in der Aeltesten Volkstedter Porzellanmanufaktur in Rudolstadt trafen sich beteiligte Ausrichter von 25 Sonderausstellungen im Lande mit Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). Aus Ilmenau waren Kulturamtsleiter Ingolf Krause und Museumsleiterin Kathrin Kunze dabei. Wenige Tage vor Jahresende ist Gelegenheit, auf das besondere Porzellanjahr, vom Thüringer Museumsverband initiiert, zurückzuschauen.
Für Ilmenau bleibt ohnehin nur Rückschau in Sachen Porzellan, denn die letzte Produktion ist nach Triptis ausgelagert worden. Um so interessanter ist, was das Goethe-Stadt-Museum mit seiner Sonderausstellung 2010 bot. Lieberknecht hatte zum Auftakt gesagt, das Jubiläum sei "hervorragende Gelegenheit, für die kulturellen Reichtümer unseres Landes zu werben" und sprach von einem "Jubiläum von Rang".
Die Verteilung der Angebote des Jubiläumsjahres auf verschiedene Stätten hält Ilmenaus Museumsleiterin Kathrin Kunze für gelungen. "Das ginge ja auch gar nicht in einem Ort. Es gab zeitweise 300 Manufakturen in Thüringen. Das mit speziellen Themen jeweils vor Ort aufzuarbeiten, war ideal", sagt Kunze. Für Ilmenaus Museum habe sich die Beteiligung gelohnt. Es gab zwar keine separate Gästezählung der Sonderausstellung, aber "von Mai bis Oktober hatte sich die Besucherzahl im Museum fast verdoppelt", sagt Kunze. Dass dies auch wegen der hier integrierten Sonderausstellung so war, "liegt nahe", schätzt sie ein. Mitunter seien ganze Gruppen angereist, so auch die Gesellschaft der Freunde für Keramik, erinnert sie sich.
Ilmenaus Ausstellung sei von vielen gelobt worden, selbst auf einem Symposium in Dornburg, wo sie zu Gast war. Das Jubiläumsjahr habe in seiner Gesamtheit mit allen Begleitveranstaltungen sehr viel gebracht. Durch Fördergelder und zur Verfügung gestellte Eigenmittel der Stadt habe die Forschung weiter vorangetrieben werden können. Das wäre sonst nicht möglich geworden. So gab es einen Werkvertrag für einen Mitarbeiter, wurden ein eigener Katalog geschrieben und Firmenakten ausgewertet, Kirchenbücher durchgesehen, um mehr über Ilmenaus Porzellangeschichte zu recherchieren. "Dabei haben wir auch viel Neues erfahren", sagt Kunze und verweist auf Nachlass und Bearbeitung historischer Dokumente und wertvoller Porzellane der Familie Nonne. "Solche Art Forschungsarbeit ist sonst gar nicht möglich, das geht nur über Projektarbeit", erklärt sie.
Zudem habe es über zwei Jahre in einer Arbeitsgruppe, in der sie mitgewirkt habe, eine starke Zusammenarbeit gegeben. Das habe dazu beigetragen, eine thüringenweite Bewerbung des Themas zu ermöglichen. Dass dazu Gelder aus einem Topf flossen, habe zusätzlich unterstützt. Leihgaben seien unter den Beteiligten moderat ausgetauscht worden. Ansonsten, so erklärte Kunze, sei das eine teuere Angelegenheit. "Das ist alles sehr gut gelaufen. Auch der fachliche Austausch hat uns allen sehr viel gebracht", zieht sie ein positives Resümee zum Porzellanjahr.
Neue Reihe 2011 geplant
Schwieriger liefen einzelne Aktionen für die Öffentlichkeit an. Die einmal monatlich abgehaltene "Porzellanpause" kam gut an. Hier wurde sogar angefragt, ob sie 2011 weitergeführt werden könne. Daraus soll 2011 die neue Veranstaltungsreihe "Mittagsintermezzo" entstehen. Ziel dieser werde sein, einzelne Museumsbereiche besser vorzustellen, kündigt die Museumsleiterin an. Ab Januar soll das Projekt starten, Auftakt wird gleich am 3. Januar sein. Die Malkurse 2010 gestalteten sich zunächst als weniger frequentiert, fielen teils sogar aus, erinnert sich Kunze. "Am Ende wollten alle", bedauert sie die etwas späte Resonanz auf das zweite Kreativangebot.
Begleitet wurde das Porzellanjahr auch von einer Publikation, die fast 400 Seiten stark ist. Beinahe kann das eigentlich als Katalog zu den einzelnen Ausstellungen im Lande erschienene Buch auch als Lexikon zum Thüringer Porzellan herhalten, so detailliert und tiefgründig sind die Beiträge aus den Regionen. Der Museumsverband selbst spricht daher von einem "einzigartigen historischen Überblick". Profunde Wissenschaftler und Porzellanexperten aus Thüringer Museen haben in fast 40 Fachbeiträgen gemeinsam mit privaten Forschern, so heißt es, die Thüringer Porzellangeschichte greifbar gemacht. In diesem Werk nachzulesen ist auch die Geschichte rund um Georg Heinrich Macheleid, Thüringens Porzellannacherfinder, der zwischen Sitzendorf und Volkstedt aktiv war. Diesem Kapitel widmete sich mit Horst Fleischer der frühere Direktor des Landesmuseums Heidecksburg. Auf breitere Füße stellt Desiree Baur ihre Betrachtungen zwischen Okzident und Orient und der "Erfindung des Weißen Goldes in Thüringen in der Epoche des Rokoko", kommt aber freilich auch hier auf Macheleid zurück. Wie breit die Thüringer Manufakturen schließlich ihre Produktpalette zogen und welche Besonderheiten sich dabei entwickelten, wird in vielen weiteren Kapiteln beleuchtet.
Ilmenau im Porzellanbuch
Die Ilmenauer Museumsleiterin Kathrin Kunze widmete sich in dem dicken und reich bebilderten Werk dem "Ilmenauer Porzellan und Thüringer Unternehmergeist in den Jahren 1786 bis 1838". Auf zwölf Seiten mit elf Abbildungen geht sie der Geschichte des Ilmenauer Porzellans nach. Ihre Ausführungen beginnen bei Johann Christian Zacharias Gräbner aus Großbreitenbach, der am 18. Juli 1777 die Konzession für eine Porzellanmanufaktur in Ilmenau erhielt, 17 Jahre nach der ersten Thüringer Manufaktur in Volkstedt, aber Zeit seines Lebens keine Erfolgsgeschichte damit schrieb. Auf dem Gelände der Ratsziegelhütte entstanden, waren fünf Jahre später allein für Brennholz fast 10 000 Reichstaler Schulden angehäuft, recherchiert Kunze. Erst Nachfolger Johann Gotthelf Greiner habe die Manufaktur zum rentablen Betrieb geführt. Doch die Qualität Ilmenauer Porzellans war damals keine gute. Um Zölle im zersplitterten Lande zu umgehen, wurden heimische Rohstoffe verwendet, aber Kaolin aus dem Eichicht, Feldspat von Unterpörlitz und Kapselerde aus Martinroda waren wohl nicht die besten Grundlagen. Erst Christian Nonne, der 33 Jahre lang die Volkstedter Manufaktur leitete und dann die Ilmenauer übernahm, führte ab 1792 in die Blütezeit des hiesigen Porzellans.
Die heutige Ilmenauer Museumsleiterin widmet auch ihrer Vorgängerin einen Abschnitt in dem Beitrag. Sie kommt am Ende auf Silke Leisner zu sprechen, deren Initiative es zu verdanken sei, dass Teile des Erbes aus dem Besitz der Familie Grimm 2007 für das Museum erworben werden konnten, darunter über 100 Porzellane. Pauline Grimm war die Freundin der 1915 verstorbenen Helma Dilling, Urenkelin Nonnes. Dilling hatte das Erbe ihrer Vorfahren bewahrt und verstarb kinderlos. Ein kleiner Erbteil ging an die Freundin.
Das Buch schließt mit einer interessanten Studie zur Präsenz des Porzellans in privaten Haushalten: "Wie gegenwärtig ist Porzellan?" Beleuchtet werden hier Bekanntheitsgrade Thüringer Marken, Wissen um Porzellan und auch Vorlieben und Abneigungen. 18 Prozent der befragten Frauen fanden demnach die Eleganz des Porzellans als schön, nur zwei Prozent der Männer. Dramatisch auch der Unterschied zwischen Frauen und Männern bei der Frage, wie wichtig es ihnen sei, von schönem Porzellan zu speisen. 41 Prozent der Frauen zwischen 20 und 39 Jahren legten demnach großen Wert darauf, bei den Männern waren das nur 16 Prozent. Je älter, desto näher rückt das Empfinden beider Geschlechter zusammen: Bei den über 40-Jährigen zeigten sich 70 Prozent der Frauen von gutem Porzellangeschirr auf dem Esstisch angetan und immerhin 60 Prozent der Männer. Das Buch enthält auch eine Betrachtung zum Porzellan in der Wirtschafts- und Technikgeschichte, Porzellangestaltung heute und künstlerische Betrachtungen.
Weihnachten ist zwar vorüber, doch wer mit diesem dicken Band einen Gutschein einlösen oder anderweitig Freude bereiten möchte: "Porzellanland Thüringen", erschien unter ISBN 978-3-942176-10-1, war zu Weihnachten noch beim Museumsverband Thüringen zu ordern oder im Stadtmuseum Jena. Im Ilmenauer Museum ist es bereits vergriffen.
Quelle: InSüdthüringen.de, 29.12.2010
SONDERAUSSTELLUNG
Malwettbewerb "Mein Ilmenau" für Vor- und Grundschulkinder zur aktuellen Sonderausstellung „SCHAU MAL – DENKMAL Denkmale in unserem Alltag“

Kinderzeichnungen in Ilmenau prämiert
Als Vertretung der 18 Kinder die teilnahmen, freuten sich Diane, Loreen und Julien (von links) über den ersten Platz.
Ihre Klasse hatte beim Malwettbewerb zur Sonderausstellung "SCHAU MAL - DENKMAL" den ersten Preis zuerkannt bekommen. Die Kinder hatten einen Kickelhahnturm als Litfasssäule gestaltet und ihre Bilder daran geheftet. Fünf Klassen und Kindergruppen hatten sich mit 90 Zeichnungen am Wettbewerb unter dem Motto "Mein Ilmenau" beteiligt. Weitere Preise gingen an die Stollen-Grundschule und den Kindergarten "Käthe Kollwitz".
Quelle: Online-Ausgabe der Thüringer Allgemeinen
Malwettbewerb "Mein Ilmenau"
90 Kinderbilder: Preise gehen bis in die Schweiz

Gutscheine gab es gestern als Preise zum Malwettbewerb "Mein Ilmenau", der begleitend zur
Sonderausstellung "Denkmale in unserem Alltag" ausgelobt worden war.
Ilmenau - Wie Denkmale im Alltag aufgehen, auf Verpackungen, Produkten oder Medaillen publiziert
werden, zeigt die aktuelle Sonderausstellung im Goethe-Stadt-Museum. Das hatte die Kinder dazu
aufgerufen, ihren Blick auf Denkmale in Bildern festzuhalten. Die besten wurden gestern prämiert, doch
leer ging keiner aus, wie Museumsleiterin Kathrin Kunze versicherte. Bei den Einzelpreisen holte die
fünfjährige Schweizerin Helene Wulf den 1. Platz, gefolgt von Greta Vogler aus Langewiesen und
Valentin Kunze aus Ilmenau, die sich den 2. Platz teilten, und Joschua Mund. Bei den Klassen befand die
Jury die Idee der Zink-Schule, den Kickelhahnturm als Miniatur-Litfasssäule zu gestalten, für
erstpreiswürdig. "Das war schon unübertroffen", würdigte Kunze. Hier kamen die Grundschule Am
Stollen mit ihren Orgeldarstellungen aus der Stadtkirche auf Platz 2 und die AWO Kita Käthe Kollwitz
auf Platz 3, nachdem hier Thüringer Porzellan allein nach grafischen Vorlagen verbildlicht wurde.
Insgesamt waren 90 Malarbeiten eingegangen, nicht nur von fünf Klassen, sondern auch von Kindern, die
mit ihren Familien die Ausstellung besuchten, sagte die Museumsleiterin. Die Entscheidungen seien der
Jury daher nicht leicht gefallen.
Architekt Matthias Krauß, der die Ausstellung mit aufbaute, dankte den Kindern für ihre Bilder, denn "es
ist äußert interessant, wie Ihr Denkmale seht. Erwachsene sehen ganz anders". Er rief die Kinder auf, ihre
Eltern in die Ausstellung zu bitten, denn sie hätten einen großen Anteil daran.
Die Ausstellung selbst zeigt auch die Bronzemedaille im Rennrodeln von Sarajevo, die Ute Oberhoffner
als Leihgabe stellte. Auf dieser Medaille ist die Ansicht der Arkaden des Kolloseums zu Rom zu sehen.
Oberhoffner zeigte sich gestern als Sportlerin und Stadträtin beeindruckt von den Bildern der Kinder.
Die 90 Malarbeiten aus Kinderhand sind nur zum Teil in der Museums-Ausstellung zu sehen. Die
Stadtverwaltung hat im Foyer des Rathauses weitere Bilder ausgehängt. Dort, im Rathaus auch, wurden
die Kinder gestern zu einer kleinen Weihnachtsfeier im Ratssaal empfangen. Bürgermeister Volker Acker
(SPD) sprach zur Auszeichnung der Preisträger von einem "besonders schönen Wettbewerb". Dank und
Anerkennung gelte allen, die hieran mitgewirkt haben, auch wenn nicht jeder auf den ersten drei Plätzen
unterkam. Die Ausstellung im Museum ist bis 23. Januar zu sehen. tom
Erschienen im Ressort Ilmenau am 17.12.2010 00:00
Quelle: Online-Ausgabe der Tageszeitung Freies Wort
Adventskonzert
"Adventsmusiken aus dem barocken Europa" mit dem "Duo vimaris"
am 16. Dezember 2010, 19:00 Uhr, im GoetheStadtMuseum Ilmenau

Letztes Museumskonzert des Jahres 2010
im Goethe-Stadt-Museum Ilmenau
Den Abschluss einer musikalischen Adventsmammuttour mit Auftritten unterschiedlicher Chöre in drei Ilmenauer Kirchen bildete am Abend das Konzert des Weimarer "Duo Vimaris".
Ilmenau. Der Universitätsorganist Dr. Wieland Meinhold ist von seinen Auftritten bei Orgelkonzerten in Ilmenau, aber auch in Gräfinau-Angstedt kein Unbekannter. Seine am Deutschen Nationaltheater Weimar engagierte Gattin, Mirjam Meinhold, kommt als Gast eher selten in hiesige Gefilde. Es sei denn, sie ist mit "Stimme und Flöte" mit ihrem Duo-Partner und Ehemann am Tasteninstrument unterwegs.
Das Überangebot an Adventsmusik, die schneereiche Witterung und der späte Abendtermin des Museumskonzertes gelten als Gründe für den sehr mäßigen Konzertbesuch. Ein gutes Dutzend treue Seelen waren gekommen, um der "Adventsmusik aus dem barocken Europa" zu lauschen und bei notwendigen Museumstemperaturen von exakt 18 Grad Celsius nach einer Stunde Musik & Gesang auch zu frösteln.
Ums Herze herum bei räumlicher Kühle machten es die beiden sympathischen Musiker den Zuhörern schön warm und heimelig mit einem Programm, das weder von seiner Mischung, noch seiner Darbietung höchstens einen Wunsch offen ließ. Den, dass Wieland Meinhold statt seines elektronischen Tasteninstrumentes besser sein Cembalo mitgebracht hätte. Vor allem des feuchten Wetters wegen ließ er das wertvolle Stück zu Hause und musste sich dann alle Mühe geben, aus dem "Ersatzteil" das Maximale herauszuholen. Seine Gattin hatte mit Stimme und Holzblasinstrumenten die kleineren Sorgen, wenn sie flugs ihre Blockflöte warm blies oder sich vor dem ersten Gesangston unauffällig frei räusperte.
Mirjam Meinhold sang mit wunderbar klarer Sopranstimme völlig ungekünstelt schöne und bekannte Weihnachtslieder. "Ich steh an deiner Krippen hier", "O Jesulein süß, o Jesulein mild", aber auch "Kommet ihr Hirten" und "Maria durch ein Dornwald ging" gehörten zum Repertoire.
Hirtenlieder und -tänze zeigten im musikalischen Teil die Kunstfertigkeit beider Musiker. Als Stimmungsaufheller hätte sich eine Besucherin wie früher zu solchem Konzertanlass Kerzenschein und Tannengrün gewünscht. Aus Brandschutzsicherheit war im Museumsfestsaal beides nicht erlaubt.
it / 16.12.10 / TA
Quelle: Online-Ausgabe der Thüringer Allgemeinen
VORTRAG
"Sie haben schlecht gespielt, und hundert Schweinereien gemacht" - Goethe und das Weimarer Liebhabertheater
Dr. Thomas Frantzke, Leipzig (Vortrag vom 2. Dezember 2010 im GoetheStadtMuseum Ilmenau)

Goethe hatte seine Freude am Weimarer Liebhabertheater
"Sie haben schlecht gespielt und hundert Schweinereien gemacht" - so der Titel eines Vortrags über das Weimarer Liebhabertheater unter Goethes Leitung. Ilmenau. Museumsliebhaber, Goethefreunde und Theaterfans - die meisten der etwa 30 Zuhörer vereinten ihre Zuneigung zu Museum, Goethe und Theater in ihrer Person - waren gespannt auf den Vortrag von Dr. Thomas Frantzke. Um es gleich vorweg zu sagen, der Leipziger Germanist, der über die Singspiele am Weimarer Liebhabertheater promovierte, erfüllte alle Zuhörererwartungen und deren Ansprüche an den Vortragsinhalt und die Art der Darbietung. Bestätigt wurde dies nicht allein durch Beifall, sondern auch durch die angeregte Diskussion im Forum und den individuellen Gesprächen am Ende der Veranstaltung.
Warum sagte Goethe diesen Satz vom schlechten Spiel und den hundert Schweinereien in Bezug auf die Darstellung seines Singspiels "Die Fischerin" und wohin sollte diese Aussage zielen, die übrigens in keinem Verhältnis zu den positiven Kritiken jener Zeit stand, die der Referent recherchierte. Thomas Frantzke sieht Goethes Äußerung im Zusammenhang mit Ereignissen, bei denen zwei Frauen - Charlotte von Stein und Corona Schröter, die eine Laiendarstellerin im Liebhabertheater und die andere die einzige professionelle Schauspielerin und Sängerin - mit im Spiel sind. Aus Briefen, bevor das Stück auf die Bühne kam, sei zu schließen, dass Goethe in der Beziehung mit Frau von Stein Probleme hatte. Auf Kosten von Corona Schröter, die er samt der Truppe kritisierte, meinte er bei Charlotte von Stein zu punkten. Außerdem galt es für Goethe, Steins Bedenken zu zerstreuen, die Schröter stehe bei ihm höher in der Gunst. Frantzke vermutet schlicht: "Goethe sprach so abfällig über die Schröter, um Charlotte von Stein zu imponieren."
Nach diesem Vortragseinstieg hatte der Referent alle Publikumssympathien gewonnen und skizzierte nun ein plastisches Bild vom Weimarer Liebhabertheater und dessen Funktionen als Ort der Laienschauspielbeschäftigung von Adeligen wie auch betuchten Bürgerlichen und Intellektuellen gegen Langeweile, als Stätte der Unterhaltung für einen erlauchten Zuhörerkreis und als Möglichkeit, erzieherische Wirkungen zu erzielen. Dass Goethe diese Bühne für sich selbst als Möglichkeit des Sammelns von Erfahrungen betrachtete, in seiner Zeit am Theater von 1776 bis 1782 eigens für die "Liebhaber" 18 Werke schrieb, die 42 Aufführungen erlebten, und in 13 Hauptrollen agierte, zeigt wie wichtig ihm in einer hauptberuflich anstrengenden Lebensphase diese Nebenbeschäftigung war. Sein aufklärend- erzieherisches Credo des Theaterspiels formulierte Goethe mit den Worten: "Das Gute zu tun, indem man zu scherzen scheint."
Quelle: Online-Ausgabe der Thüringer Allgemeinen
Schenkung
Urgroßnichte des achten Ilmenauer Kurgastes
Ehepaar Walter übergab dem Goethe-Stadt-Museum weitere Schenkungen aus Familienbesitz, die bald ausgestellt werden sollen.
Großer Freude herrschte dieser Tage im Goethe-Stadt-Museum bei Museumsleiterin Kathrin Kunze und dem Ehepaar Dr. Marie-Luise Walter und ihrem Ehegatten Hans-Hermann aus Herne. Der Grund dafür war der Gleiche, wie bereits dieses Frühjahr, denn die gern gesehenen Gäste brachten auch diesmal wieder wertvolle Geschenke mit. So einen fast 100 Jahre alten, mit Pelz gefütterten Jagdmantel, einen Sitzstock, eine Altardecke mit Motiven aus der biblischen Genesis und anderes. Vor Monaten hatten sie dem Museum bereits ein Poesiealbum, ein persönliches Tagebuch aus der Zeit von 1800- 1829, Porzellane, Silberzeug und ein herrschaftliches Tafelbesteck als Schenkung übereignet. „Wir sind kinderlos und wollen zu Lebzeiten dafür sorgen, dass die geschichtlich interessanten Dinge in Museumshände kommen und so für die Öffentlichkeit erhalten bleiben und zugänglich sind“, sagt Marie-Luise Walter und trennt sich mit Freude von ihren Besitztümern.
In der kleinen Runde im Museum, wo die Übergabe erfolgt, sitzt neben Museumsleiterin Kunze und Mitarbeiterin Sybille Viol auch der Heimatgeschichtler und geschätzte Ilmenauer Buchautor Reinhard Döring. Seine Anwesenheit hat besondere Bewandtnis, denn er brachte durch Nachforschungen beim Schreiben seines Promenadenbuches Marie-Luise Walter und Ilmenau zusammen. "Ich bin die Urgroßnichte von Bernhard von Arnswald, der einst als 8. Kurgast in Ilmenau weilte und auch hier Landschafts- und Stadtansichten zeichnete", erzählt sie nicht ohne Stolz. Reinhard Döring ergänzt: "Die Zeichnung vom ehemaligen Stadtschloss, eine Zeichnung vom Wellenbad, dem Felsenkeller, der Tannenbrücke und dem Sturzbad, aber auch das Titelbild des Heimatgeschichtsbuches stammen von Arnswald, dem einst die Stadt einen Promenadengedenkstein widmete. Dieser wurde von der Steinmetz GmbH schön restauriert und steht jetzt im Amtsgarten."
Bernhard von Arnswald war von 1837 bis 1888 Burgkommandant auf der Wartburg. Dort wirkte auch ein anderer Vorfahre von Marie-Luise Walter, geb. Welter, Michael Welter, der als Kunstmaler neben Moritz von Schwindt die Burgräume künstlerisch ausgestaltete. Er lebte und arbeitete in Köln und verewigte sein Können in den Domfenstern.
"Das für uns kostbarste und für die Stadt wertvollste Geschenk ist ein Poesiealbum von 1792, welches dem Vater von Bernhard v. Arnswald, Carl August, gehörte. In diesem restaurierungsbedürftigen Büchlein haben sich bedeutende Thüringer Persönlichkeiten, darunter auch Ilmenauer, verewigt. Die bekannteste davon ist Luise von Knebel mit ihrem Eintrag aus dem Jahr 1798, als sie mit ihrem Mann, dem Urfreund Goethes, noch hier wohnte. Auch das Tagebuch (1800 1829) des einstigen Burschen von Carl August von Arnswald, der diesen im napoleonischen Krieg begleitete, ist ein Zeitdokument." Museumsleiterin Kathrin Kunze versichert, dass die Gegenstände gut aufgehoben sind und, wie der Jagdmantel, schon bald im Jagdschloss in einer Sonderausstellung zu sehen sind.
Quelle: "Thüringer Allgemein", Ressort Ilmenau, Karl-Heinz Veit, 30. Oktober 2012
SONDERAUSSTELLUNG 2011
Erfolge im Schnee von gestern ab 2011 im Museum
Noch ein Jahr Warten auf die Wintersportausstellung: Im Advent 2011 soll sie zu sehen sein.
Ilmenau - Wintersportfreunde haben letzte Jahre immer wieder auf eine notwendige Wintersportausstellung in Ilmenau gedrängt, nachdem die Stadt vor allem in DDR-Zeiten Schrittmacher verschiedener Disziplinen und Kaderschmiede für Olympioniken und WM-Sieger war - und das nicht zu knapp, allerdings bisher nur Oberhof mit entsprechenden Ausstellungen aufwartete. Ilmenauer sahen sich untergebuttert und kritisierten wiederholt, dass die Stadt ihr Licht in Sachen Wintersporterfolge unter den Scheffel stelle, nicht für Werbung und Tourismus nutze. Nun soll die Ausstellung der Ilmenauer tatsächlich kommen, allerdings erst im Advent nächsten Jahres.
Kulturausschussvorsitzender (KUS) Klaus Leuner (Linke) hatte die Problematik Wintersportausstellung überraschend im jüngsten Hauptausschuss thematisiert. Beide Vereine, der Wintersportverein und der Rodelclub, seien zu diesen Fragen im Kultur- und Sozialausschuss gewesen. Allerdings habe es einer "hohen Koordinationsarbeit" bedurft, beide an einen Tisch zu bekommen, beschreibt Leuner die Situation. Inzwischen habe sich eine der beiden Organisationen mehr oder weniger wieder zurückgezogen.
Dennoch, so Leuner, sei nun eine Ausstellung fürs Amtshaus geplant und "das ist jetzt in dem Topf, wo es kocht", kündigte er an. Bei dem Konzept für die Wintersportausstellung sei eine Wanderausstellung denkbar, "weil es dafür EU-Fördermittel gibt", sagte Leuner. Als das bekannt wurde, seien zunächst alle "Feuer und Flamme" gewesen, berichtete der KUS-Vorsitzende, "aber als es um die Arbeit ging, verflüchtigten sich viele", kritisierte er. Aus seiner Sicht kann die Arbeit nun nur über einen Förderverein laufen, der zu gründen sei und den die Stadt dann unterstützen könne. Aber so, dass die Interessenten sagen "stellt uns mal eine Ausstellung hin", werde es wohl nichts, sagte Leuner, der nun appellierte: "Wir brauchen Leute, die im Förderverein mitmachen!"
Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber (CDU) hatte darauf erwidert, in der Museumslandschaft Ilmenaus gelte es, sich um sehr vieles Gedanken zu machen. Das neue Konzept für das Jagdhaus Gabelbach werde im KUS vorgestellt und sei jetzt vorrangig. Es lasse sich nicht alles parallel bewältigen, dabei habe die Stadt ja bereits "externe Kräfte gebunden", um die Arbeit an den Museen zu unterstützen.
Sport- und Betriebsamtsleiter Gerhard Juchheim erklärte im Hauptausschuss, sein Amt sei mit der Entscheidung froh, die Wintersportausstellung nicht wie ursprünglich einmal vorgesehen, als Dauerausstellung in der Eishalle einzurichten. "Dort war die Betreuung nicht gesichert", sagte Juchheim.
Bisher nur Sonderschau
Leuner sprach daraufhin von einer "Wanderausstellung mit Perspektive", also einer, die vielleicht als Wanderausstellung aufgebaut werde und dann an geeigneter Stelle fest etabliert werden könnte. Die kustodische Betreuung würde von der Stadt übernommen, verwies er auf Ilmenaus Museumsleiterin Kathrin Kunze.
Diese staunte gestern, von Freies Wort befragt, nicht schlecht über die diskutierten Entwicklungen im Hauptausschuss. Von einer Wanderausstellung, die sie kustodisch betreue, wisse sie nichts. "Es wird eine Sonderausstellung stattfinden, die betreue ich", sagte sie und kündigte diese für den 1. Advent kommenden Jahres an. Dafür jedoch seien auch Gelder im Haushalt fest eingeplant, kenne sie keine Verweise auf EU-Förderung oder Wanderausstellung. "Ja, ich habe empfohlen, diese Ausstellung dann auf Reise zu schicken. Das kann ich dann aber nicht mehr betreuen", sagte die Museumsleiterin gestern, da sie bereits ihre weiteren Aufgabenstellungen 2011 kennt. Das Jagdhaus Gabelbach werde umgestaltet und auch die Bergmannskapelle erfordere 2011 ihr Engagement, erklärt sie.
In Sachen Förderverein kennt sie lediglich die angestrebte Umwandlung des bisherigen Beirats in einen solchen. "Wir wollen einen Förderverein für das Goethe-Stadt-Museum", anstelle eines Museumsbeirats, sagt sie. Doch dazu soll erst diesen Monat noch in einer Sitzung diskutiert werden, sei noch nichts beschlossen.
Was am Ende in der Wintersportausstellung zu sehen sein wird, steht derzeit noch nicht fest. Material gebe es in Ilmenau genug, gab sich der KUS-Vorsitzende im Hautpausschuss überzeugt. Und Heimatforscher und FWG-Fraktionschef Bernd Frankenberger stimmte bei, er wisse von drei großen Sammlungen dazu.
Quelle: InSüdthüringen.de, 09.10.2010
Heyge-Sekretär
Weitgereister Zeitzeuge aus Nussbaum
Ilmenauer und Arnstädter Einrichtungen verknüpften gestern Geschichte mit Geschichten

Von Evelyn Franke undKerstin Weber
Ilmenau/Arnstadt/Großbreitenbach - "Ein Stück Kultur kehrt nach Ilmenau zurück" kommentierte gestern Ilmenaus OB Gerd-Michael Seeber das neue, feierlich übergebene Ausstellungsstück, das er am Internationalen Museumstag für die Stadt als Geschenk entgegen nehmen durfte. Den Schreibsekretär aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts bekam Ilmenau von Lorna und Hermann Heyge aus den USA geschenkt.
Das mit Intarsien aus Pflaumenbaum- und Kirschbaumholz verzierte Möbelstück ergänzt nach den Worten von Kathrin Kunze, Leiterin des Gothe-Stadt-Museum, ganz wunderbar den Salon im Stile der Zeit Johann Wolfgang, wo der Dichterfürst einst während seiner Dienstzeit auch zu Hause war.
Familie Heyge hatte sich vor ihrer Entscheidung in Stützerbach und Weimar umgesehen, auf der Suche nach einem passenden Platz und kam mit der Stippvisite im umgestalteten Ilmenauer Museum und dem liebenswürdigen Empfang durch Museumsleiterin Kathrin Kunze zur Auffassung: Ilmenau steht nicht im Schatten von Weimar.
Damit hatten Heyges nicht nur einen würdigen Platz für ihr Erbstück gefunden, sie verbanden auch noch einen ganz persönlichen Gedanken. Was das Möbelstück und Familie Heyges miteinander verbindet, erläuterte gestern Gönner Hermann Heyge. Der mit Nussbaumfurnier veredelte Sekretär stammt aus dem Nachlass von Friedrich Röhr (1777 bis 1848). Er war seit 1820 Oberhofprediger und Generalsuperintendent in Weimar und hielt die Grabrede von Goethe. Über seine Enkelin Bertha Thieme, die den Großvater Hermann Heyges heiratete, gelangte das Möbelstück in den Besitz der Familie Heyge.
Der Ilmenauer Studienrat Dr. Ernst Heyge, der viele Jahrzehnte Lehrer an der Ilmenauer Goetheschule war, von seinem Unterrichtsort geradezu schwärmte und durch seine vielfältigen sportlichen Aktivitäten eng mit der Stadt verbunden war, siedelte 1972 nach Wertheim um. Nach dem Ableben von Ernst Heyge 1978 erbte den Schrank dessen Sohn Hermann, der damals in Toronto (Kanada) lebte. Hermann Heyge zog mit seiner Frau Lorna, die in Deutschland studiert hat, 1990 nach Greensboro in North Carolina (USA)...
Mit dem Schrank möchte Hermann Heyge ein Zeichen in der Stadt hinterlassen, die sein Vater Ernst so geschätzt hat. Und so gelangte der Schrank vor einigen Wochen per Luftfracht nach Ilmenau. Im Museum nahm ihn Restaurator Thomas Böhme in seine erfahrenen Hände, gab gestern direkt einen kleinen Überblick über Restaurierungsmaßnahmen und versuchte auch die Herkunft des handwerklich gelungenen Stücks zu deuten.
Ob das barocke Schreibmöbel wirklich im Braunschweiger Raum entstand und mit Herzogin Anna Amalia nach Thüringen kam, sollen weitere Nachforschungen an den Tag bringen, so Museumsleiterin Kathrin Kunze, die sich sehr über den musealen Zuwachs freute. Ob Friedrich Röhr möglicherweise die Grabrede für Goethe an diesem Sekretär verfasste, wird man wohl aber auch in Zukunft nur mutmaßen können.
Barocke Posaune
"Wisst Ihr denn, wer Johann Sebastian Bach war?" fragte Martina Guß, Mitarbeiterin des Schlossmuseums Arnstadt, die jungen Besucher, welche gestern mit ihren Eltern und Großeltern die Einladung zu einer Bach-Führung für Kinder angenommen hatten.
Kindgerecht hatte Martina Guß ihren Vortrag gestaltet, indem sie die Mädchen und Jungen einbezog und immer wieder Fragen stellte, wie: "Wisst Ihr, welches Bachs Lieblingsinstrument war?" oder "Die Kinder mussten früher ihren Eltern bei der Arbeit helfen. Wisst Ihr, was sie machen mussten?" Ein Mädchen meldete sich und antwortete "Noten abschreiben!" "Ja, genau, und Botengänge machen. Der kleine Johann Sebastian arbeitete auch bei seinem Onkel, der in Eisenach Stadtorganist war und so lernte er schon in frühen Jahren, wie Orgeln repariert wurden", erzählte Martina Guß.
Sie berichtete den aufmerksam Lauschenden in der oberen Etage des Museums von den tragischen Einschnitten im Leben des jungen Bach, als er mit neun Jahren seine Mutter und nur vier Monate später seinen Vater verlor. Gleichzeitig erfuhren die Besucher etwas über die Neugier und Wissbegier des strebsamen Kindes, das sogar einmal Klassenbester war, über dessen Zeit in der Schule in Lüneburg und wie er als Orgelprüfer nach Arnstadt kam.
Bei dieser einen von insgesamt sechs Führungen gestern im Schlossmuseum erlebten die Besucher etwas ganz Besonderes. Die Führung wurde musikalisch untermalt von Mitgliedern der "Classic Dixie Brothers", Rudolf Hield (Piano) und Andreas Umbreit, der auf der Posaune spielte. Nicht auf irgendeiner, sondern auf der Es-Alt-Barockposaune, ein Instrument, das sonst in der Vitrine steht. Den Nachbau des Originals aus dem 18. Jahrhundert erläuterte Rudolf Hield den Gästen, nachdem auch er in die Runde gefragt hatte, was denn der Unterschied sei zwischen dieser und der heutigen, die er daneben hielt. Ein Junge erkannte gleich wesentliche Unterschiede: "Der Trichter ist kleiner und die Rohre sind dünner". Richtig. Das barocke Instrument, welches Bach lediglich in fünfzehn seiner mehr als 1000 Werke verwendete, ist nicht so sehr für die kräftigen Töne geeignet, sondern "dieses kann eher nur mit Zimmerlautstärke gespielt werden".
Die beiden Musiker brachten ein "Concerto" von Georg Christoph Wagenseil sowie die Uraufführung einer Komposition von Rudolf Hield zu Gehör.
Eine Etage tiefer wurde indessen von den Landfrauen aus Dannheim zu Kaffee und Kuchen geladen, wo Gäste an der fürstlichen Tafel Platz nehmen konnten.
Ein Ehepaar aus Berlin, welches sich gerade auf einer Kulturreise durch Thüringen befindet, hatte sich der Familienführung mit Museumsmitarbeiterin Helga Scheidt angeschlossen. Sie begann ihren Vortrag im neuen Palais, das Fürst Günther I. von Schwarzburg-Sondershausen in den Jahren 1729-1734 erbauen ließ und führte die Besucher dann durch das Porzellan- und Bilderkabinett.
Am Nachmittag gab es dann eine Renaissanceführung durch die Stadt, seinen Abschluss fand der Tag mit einem Konzert vom "Duo La Vigna".
Quelle: InSüdthüringen.de, 17.05.2010
Ilmenauer Schloss
Das Ilmenauer Schloss stand nur sechs Jahre
Im Stadtmuseum wird seit Sonntag ein Modell vom Ilmenauer Schloss, so wie es vor großem Brand ausgesehen haben könnte, präsentiert. Auch ein Kurzfilm zeigt den Prunkbau.

von Kerstin Weber
Ilmenau - Der für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannte Ernst August, Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach (1688 bis 1748), hatte einst den Auftrag zum Original gegeben, Auftrag für den Bau des Ilmenauer Schlosses, welches er in seinem beliebten Jagdrevier als Sommerresidenz zu nutzen gedachte.
Gottfried Heinrich Krone, der auch später bis zu seinem Tod im Jahre 1756 vieles schaffte in der Stadt und thüringenweit als Baumeister tätig war, wurde schließlich mit dem Bau beauftragt. "Dieser begann 1730 und zog sich über sechzehn Jahre hin. Nur zwei Jahre nach der Fertigstellung der offenen Dreiflügelanlage starb Ernst August", erfuhren die gut 20 Gäste des Vortrages von Museumsleiterin Kathrin Kunze am Sonntag.
Lehrling verursacht das Feuer
Vier Jahre später brannte das Schloss beim großen Ilmenauer Stadtbrand nieder. Laut Heimatgeschichtsforscher Reinhard Döring, der in dieser Sache nach Hintergründen recherchierte, kam es zu diesem Brand auf Grund eines banalen Vorfalls: Ein Lehrling hatte in der Burggasse mit der Flinte auf Spatzen geschossen, das Feuer entzündete sich und züngelte unterstützt durch den Wind von Haus zu Haus. Stehen blieb damals lediglich der rechte Stirnpavillon, der später Fabriken beherbergte und im Jahre 1838 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste.
Wie das Schloss zu seinen nur kurz währenden Glanzzeiten ausgesehen hat, konnten sich Besucher am Internationalen Museumstag in einem kurzen Film, welcher 1999 im Rahmen einer studentischen Projektarbeit entstand, anschauen. Die 3-D-Animation zeigt das prunkvolle Hauptgebäude, in welchem sich die Gemächer, Fest- und Speisesäle, Galerie, Kanzlei und eine Konditorei befanden.
"Links und rechts des zentralen Bauwerkes schlossen sich die Nebengebäude mit Wohnräumen der Zofen sowie Pferdeställen an", berichtete Kathrin Kunze den Besuchern. Der Schlosspark hinter dem Palais war 170 mal 100 Meter groß und befand sich zwischen heutiger Bahnhofstraße und An der Schlossmauer.
Dauerleihgabe erhalten
"Streng symmetrisch war alles angeordnet, so wie man es am Hofe Ludwig XIV. gesehen hatte", so die Museumsleiterin weiter. Sie konnte am Museumstag den Gästen neben der filmischen Präsentation noch eine zweite Novität anbieten: Ein Modell des Schlosses, welches die Ilmenauerin Juliane Vielitz vor vier Jahren während ihres Studiums der Kunstgeschichte anfertigte und nun dem Goethe-Stadtmuseum als Dauerleihgabe überließ.
Mehr zum historischen Thema können Interessierte im Museum, in welchem jetzt auch Dokumente über das Schloss zu sehen sind, in Erfahrung bringen sowie im Buch "Ilmenau - Beiträge zur Geschichte einer Stadt".
Quelle: InSüdthüringen.de, 18.05.2010
Internationaler Museumstag: Heyge-Sekretär
Ein weitgereister Schrank, Wilderer und altertümliche Klänge
Museale Einrichtungen des Ilm-Kreises locken Sonntag mit Vorträgen, Konzerten und Führungen.

Ilm-Kreis - Das Wetter mag derzeit vielen nicht so recht behagen, doch erleichtert es am Wochenende die Entscheidung, für eine der besonderen Veranstaltungen im Rahmen des Internationalen Tag des Museums. Verlockende Angebote im Landkreis gibt es reichlich.
Aus Übersee zurückgekehrt
"Ein Schreibschrank aus Übersee kehrt nach Ilmenau zurück" ist der Auftakt des Museumstages im Goethe-Stadt-Museum Ilmenau überschrieben. Der Sekretär wurde Mitte des 18. Jahrhunderts vermutlich in Thüringen hergestellt und stammt aus dem Nachlass von Friedrich Röhr. Was das Möbelstück mit Ilmenau und Goethe verbindet, kann man Sonntag, 10 Uhr, erfahren, wenn Familie Heyge den Sekretär an den Oberbürgermeister der Stadt, Gerd-Michael Seeber, übergibt und die Geschichte des Schrankes erzählt. Restaurator Thomas Böhme stellt das Möbel vor und spricht über Restaurierungsmaßnahmen.
Die anschließenden Vorträge "Die 14 Schlösser einer Truhe (11 Uhr), "Das ehemalige Ilmenauer Schloss, 1752 abgebrannt" (15 Uhr) machen nicht minder neugierig. Musikalisch beschließt den Tag um 19 Uhr "VielSaitige Barockmusik" mit Mitgliedern der Prattica di Musica aus Suhl.
Quelle: InSüdthüringen.de, 13.05.2010
Heyge-Sekretär
Ilmenau: Die lange Reise eines Unikats
Ein Schreibsekretär aus der Goethezeit ist wieder zurück nach Ilmenau gekehrt: Gestern wurde das Möbel von den Eheleuten Heyge im Goethe-Stadt-Museum enthüllt und dazu die turbulente Geschichte eines prächtigen Unikats erzählt.

von Arne Martius
Ilmenau. Dass Weimars Superintendent Johann Friedrich Röhr tatsächlich die Trauerrede für Goethe auf diesem Sekretär geschrieben hat, ist nicht bewiesen. Denkbar aber ist es, meint Hermann Heyge, der sich mit Frau Lorna dafür entschied, das prächtige Möbelstück der Stadt Ilmenau zu schenken.
Zur Übergabe gestern Vormittag im Goethe-Stadt-Museum erzählt der ehemalige Besitzer des Sekretärs eine Geschichte zu dem Stück, die nahezu unglaublich ist: Sie beginnt mit Johann Friedrich Röhr, der sich den Schreibtisch zulegt, als er zum Oberhofprediger in Weimar ernannt wird. In dieser Funktion hält er auch die Grabrede für Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1832. Der Zufall will es, dass Bertha Röhr, eine Enkelin des Oberhofpredigers, Bekanntschaft mit Carl Friedrich Heyge macht, der Pfarrer in Heyda ist. Die beiden heiraten; nun kommt das Möbelstück in den Besitz der Familie Heyge. Dort wird es gepflegt und gehütet, der Großvater reicht es an den Sohn weiter - und so nimmt die Geschichte ihren Lauf, bis mit Dr. Ernst Heyge 1936 der Sekretär nach Ilmenau kommt. Heyge ist hier als Lehrer an der Goetheschule tätig, in der Familienchronik schwärmt er von der Lage des Hauses: "Ich glaube, so eine herrliche Schule wird man im ganzen Lande nicht finden", zitiert ihn Sohn Hermann Heyge.
Doch 1972 zieht die Familie von der Ilmenauer Heinrich-Heine-Straße 15 nach Wertheim und sie darf - was Hermann Heyge immer noch ein Rätsel ist - sogar den wertvollen Schreibtisch mitnehmen. Der liegt dem Vater so am Herzen, dass er seinen Sohn bittet, das Stück mit nach Toronto zu nehmen, wohin Lorna und Hermann Heyge übersiedeln. Auch bei ihrem Umzug 1990 in den amerikanischen Bundesstaat North Carolina ist der Sekretär mit dabei. Dort entschieden sich die Eheleute für eine Schenkung an die Stadt Ilmenau - vor wenigen Wochen traf der Schreibtisch in einem Container ein.
Für Ilmenaus Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber (CDU) ein Glücksgriff. "Wir müssen verantwortungsvoll mit der historischen Substanz der Stadt umgehen", wirbt er. Das Amtshaus, in dem das Möbel ab sofort zu sehen ist, sei unter diesem Gesichtspunkt die erste, weil gleichzeitig älteste Adresse in Ilmenau.
Für die Eheleute aus den USA ist damit Vater Dr. Ernst Heyge ein "bleibendes Andenken" gesetzt. Lange mussten sie nicht überlegen, ob sie das gut gehütete Stück nach Ilmenau geben. Nach einem ersten Kontakt mit Museumsleiterin Katrin Kunze hatten die Beiden ein gutes Gefühl: "Wir sind mit offenen Armen empfangen worden", freut sich Lorna Heyge. Den Sekretär selbst hat bereits der Dresdner Restaurator Thomas W. Böhme unter die Lupe genommen. Für ihn ist klar: Der mit feinen Intarsien auf Nussbaumfurnier gefertigte Sekretär ist ein Unikat. Der Zustand von außen - perfekt, lediglich im Inneren der Schubladen wurde bei Reparaturarbeiten improvisiert. Das soll nun mit Spenden behoben werden.
Quelle: / 17.05.10 / TA
Thüringer Porzellanjahr
Ilmenaus Weißes Gold rückt im Museumsjahr 2010 ins Blickfeld
Jagdhaus Gabelbach soll im Erdgeschoss Jagdausstellung erhalten. Bestände im Haupthaus werden ab März in einer Datenbank erfasst.
Ilmenau - Mehrere neue Projekte werden für Ilmenaus Museumslandschaft in diesem Jahr vorbereitet. Ihre Umsetzungen aber werden noch dauern.
Museumsleiterin Kathrin Kunze stellte die Vorhaben jetzt im Stadtrat vor. Eines der wichtigsten soll die Umgestaltung des seit 2008 von der Klassikstiftung Weimar erbgepachteten Jagdhauses Gabelbach sein. Außerdem wird eine Datenbank für das Haupt-Museum angelegt. In Vorbereitung ist auch ein Projekt für die Bergmannskapelle über eine Erfurter Barockdichterin, kündigte Kunze an. Und es werde das Thema Porzellan dieses Jahr in den Vordergrund rücken.
Seit Jahren bereits strebt Ilmenau nach einer Veränderung der Ausstellung im Jagdhaus Gabelbach. Die einstige Museumsleiterin war bereits damit beauftragt, als sie erkrankte und den Ilmenauern vor ihrem Tod aber noch eine Ideensammlung hinterließ. Damit habe das Projekt aber einen "herben Rückschlag erlitten", wie Ilmenaus Kulturamtsleiter Ingolf Krause vor den Stadträten bedauerte. Die Ausstellung im Jagdhaus stammt noch aus dem Jahre 1966, wie die jetzige Museumsleiterin Kunze feststellte. Die erste Etage sei noch in ganz gutem Zustand, dort gebe es auch einige ungenutzte Räume. Verändert werden hin zu einer Ausstellung für Jagd und Natur speziell rund um den Kickelhahn soll vor allem das Erdgeschoss des Objekts. Als Projektleiter habe der Kunsthistoriker im Ruhestand Rainer Krauß gewonnen werden können, der einst die Kunstsammlung Weimar geleitet habe. Noch am gleichen Abend, vergangenen Donnerstag, machten die Stadträte eine überplanmäßige Ausgabe von 6 000 Euro aus der Allgemeinen Rücklage für die Museumskonzeption frei. Bereits 2009 waren 10 000 dafür vorgesehen gewesen, aus Zeitgründen aber nicht in Anspruch genommen worden, heißt es in der Begründung für diese Ausgabe. Vom 1. Februar bis 31. Juli sei nun ein Werkvertrag, ein Honorarvertrag, für die Erstellung eines Ausstellungskonzeptes im Erdgeschoss geplant, wofür die Mittel 14 000 Euro betragen. Die Umsetzung sei 2011 vorgesehen.
"Geschossen wird nicht!"
Das neue Konzept, so hatten es Stadträte bereits bei einem Besuch des Hauses vor Monaten gefordert, solle der Zeit angepasst sein und eine aktive Nutzung erlauben, um auch Jugendliche dafür zu interessieren. Einen Schießstand aber oder Möglichkeiten, die Jagd virtuell auszuleben, werde es im Museum nicht geben, stellten Kunze und Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber (CDU) gleich klar. Der OB warnte vor gewaltverherrlichenden Spielen. Interesse soll die neue Ausstellung durch andere Angebote wecken. So habe die einstige Museumsleiterin die Vorstellung gehabt, einen Ansitz nachzubauen. Der könnte bestiegen werden, um auf einer Leinwand gegenüber die Tiere des Waldes zu betrachten. "Aber geschossen wird darauf nicht", so Kunze entschieden.
Die geplante Datenbank für das Hauptmuseum soll ab März vorangebracht werden. Dann werden zwei Diplommuseologen die Altbestände in eine Datei eingeben, kündtige Kunze an. Die Depotsituation im Hause sei sehr beengt. "Durch viele Schenkungen herrscht akuter Platzmangel", sagte die Museumsleiterin, weshalb in einem Seitenflügel des Hauses nun neue Schränke eingerichtet werden sollen.
Beim Abstieg umgekommen
Die einzige Frau, die je ins Ilmenauer Bergwerk gestiegen sein soll - eine Erfurter Barockdichterin - ist für ein weiteres Projekt im kommenden Jahr vorgesehen. Die Frau sei sehr jung tödlich verunglückt bei einem Abstieg zwischen Angelroda und Ilmenau, sagte Kunze. Gemeinsam mit der Volkshochschule soll ihr Wirken zu ihrem 300. Geburtstag im Januar 2011 bekannter gemacht werden.
Für den ersten Porzellanmarkt am 31. Juli im Amtsgarten hinter dem Goethe-Stadt-Museum "gibt es bisher neun Zusagen", sagte die Museumsleiterin: "Wir sind um einen attraktiven Porzellanmarkt bemüht!"
Porzellan rückt ohnehin in diesem Jahr in Thüringen unter dem Titel "250 Jahre Porzellanland" ganz besonders ins Blickfeld. Auch Ilmenaus Museum stellt sich darauf ein. Dazu gibt es ab 18. April die Sonderausstellung "Ilmenauer Porzellan und Thüringer Unternehmergeist von 1786 bis 1838", über längere Zeit immer wieder umrahmt von Geschichten und Anekdoten zum Ilmenauer Prozellan, die an verschiedenen Tagen als "Porzellanmalpause" geboten werden. Außerdem besteht in diesem Jahr die Möglichkeit dazu, in Porzellanmalkursen für Erwachsene, die gleichfalls zu verschiedenen Tagen geboten werden, Porzellan selbst zu bemalen. Die Sonderausstellung soll, wie Kunze vorausschaute, den wertvollen Nachlass aufarbeiten, den die Stadt erworben habe.
Keine Möglichkeit, derzeit die Wasserburg im Finanzamt für Besucher zu erschließen, sieht die Museumsleiterin aus Finanzgründen. Hierfür seien bauliche Veränderungen nötig.
Glas soll Porzellanschau folgen
Seit knapp einem Jahr ist Kathrin Kunze nun neue Museumsleiterin in Ilmenau. Kulturamtsleiter Krause ist ihr bereits jetzt dankbar für ihren Einsatz, wie er sagte. Mit einem großen Pensum an Sonderausstellungen, von denen es in diesem Jahre drei geben wird, und Veranstaltungen habe sie gezeigt, "wie man aus einem Museum in einer kleinen Stadt viel machen kann", lobte Krause. Kunze selbst zog für 2009 die Bilanz eines "guten ersten Jahres" im neueröffneten Museum. Das Amtshaus habe da 5 430 Besucher zahlende Gäste gezählt und Viele wüssten ja noch gar nicht, dass es hier ein neues Museum gibt. Mit 4 423 Gästen im Jagdhaus Gabelbach und 2 393 in Sonderveranstaltungen lag die Nachfrage 2009 bei über 12 000 Besuchern. Betreut werde der Museumsbereich von 1,8 Festangestellten sowie Kräften auf Zeit, Honorarbasis oder Volontären.
Um Diskussionen angesichts des verstärkt in diesem Jahr aufgegriffenen Themas Porzellan vorzugreifen, gab der OB schon mal als grobe Richtung vor, dass sich die Verantwortlichen im Museum als eine der nächsten Sonderausstellungen wohl mit Glas befassen müssten. Dass sei die Stadt dann der zweiten großen Tradition in Ilmenau schuldig. tom
Quelle: InSüdthüringen.de, 23.02.2010
Thüringer Porzellanjahr
Thüringer Gold
Die Thüringer Museen gestalten ein Themenjahr über Thüringer Porzellan.
Von Peter Lauterbach
Gold wollte er machen, gelungen aber ist ihm "nur" das Porzellan. Wer kennt sie nicht, die legendäre Geschichte des Johann Friedrich Böttger, der vor nunmehr über 300 Jahren für den sächsischen Kurfürsten August II. - nicht ganz freiwillig übrigens - das weiße Gold erfand. Dieser Tage feiert die 1710 in Meißen gegründete Manufaktur mit den gekreuzten blauen Schwertern als Markenzeichen ihr rundes Jubiläum. In aller Welt hat sie sich einen Namen gemacht. Und doch war es nicht Sachsen, das als europäisches Porzellanland in die Geschichte einging, sondern Thüringen.
Exportschlager
Unabhängig von Böttcher gelang 1760 drei Thüringern - Georg Heinrich Macheleid, Johann Wolfgang Hammann und Johann Gotthelf Greiner die Herstellung von Porzellan. Sie gelten heute als Nacherfinder eines Werkstoffs, der für luxuriöse Zier- und Alltagsgegenstände der spätbarocken Fürstenhäuser und aufstrebenden Bürgerhaushalte unentbehrlich war. Im 19. Jahrhundert, nachdem die Fabrikation so richtig angelaufen war, avancierte Thüringer Porzellan schnell zum Exportschlager. Amerika und die Türkei zählten zu den größten Absatzmärkten.
Der Grund dafür liegt auf der hand: Anders als in Sachsen, wo sich die von der Obrigkeit kontrollierte Porzellanherstellung auf Meißen konzentrierte, schossen in Thüringen, begünstigt durch die vielen kleinen Fürstenhäuser, Porzellanmanufakturen schon bald wie Pilze aus dem Boden. Sie schufen die Grundlage für eine außergewöhnliche wirtschaftliche und kulturelle Tradition, die noch immer gepflegt wird - auch wenn nur wenige Porzellanhersteller überlebt haben. Erste Manufakturen entstanden 1760 in Gotha, Kloster-Veilsdorf und Sitzendorf. Wenig später folgten Volkstedt, Wallendorf, Limbach und Ilmenau. Auch Thüringen hat also in diesem Jahr etwas zu feiern, wenn es ums Porzellan geht: Ein Viertel Jahrhundert reicht die Tradition des weißen Goldes inzwischen zurück.
Das hinterlässt natürlich Spuren. Etwa in den Thüringer Museen. "Fast alle besitzen Porzellansammlungen", sagt Désirée Baur, die Direktorin des Thüringer Museums Eisenach. Alleine ihr Haus verfügt über rund 1 600 wertvolle Stücke aus hiesiger Produktion. Doch die Sammlungen schlummern mitunter gemütlich vor sich hin. Porzellane sind nicht unbedingt die Höhepunkte eines Museumsrundgangs. Sie lassen sich auch nicht allzu spektakulär präsentieren. Wer sich für Porzellansammlungen erwärmen kann, der muss schon ein wenig verliebt in sie sein. Dies mag ein Grund für den Museumsverband gewesen sein, das Themenjahr "250 Jahre Porzellanland Thüringen" ins Leben zu rufen. Sonderausstellungen in jedem Museum, so das Konzept, sollen Besucher neugierig machen, ihnen ein Bild von der Vielfalt der Thüringer Porzellankunst bieten.
"Die Idee dazu hatte vor einigen Jahren Veronica Buff vom Porzellanmuseum Rauenstein", sagt Baur. Eigentlich wäre dies ein Thema für eine große Landesausstellung gewesen. Doch dazu kam es nicht. Die einzelnen Museen haben sich in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengetan. Die Eisenacher Museumsdirektorium fungiert als Sprecherin. Jahrelange Vorbereitungen im stillen Kämmerlein sollen sich nun bald auszahlen: Am 17. April wird ein Festakt in Rudolstadt das Themenjahr eröffnen. In Volkstedt befindet sich die älteste Thüringer Manufaktur. Ab 18. April werden alle Ausstellungen zu sehen sein. Ein großer Sammelband, der derzeit gedruckt wird, reflektiert Geschichte und Gegenwart des Thüringer Porzellans. Auch die Herstellung des Technischen Porzellans wird darin Berücksichtigung finden. Gemeinsam mit der Universität Jena bereitet der Museumsverband zudem ein Symposium vor. "Natürlich wird es auch Marketingartikel aus Porzellan geben", verrät Baur. Wie die aussehen könnten, darüber brütet gerade die Arbeitsgemeinschaft. Wer mag soll auch ein Erinnerungsstück an das Jubiläum mit nach Hause nehmen können.
Museen im Süden
18 Thüringer Museen sind gegenwärtig an dem Projekt beteiligt. Viele davon im Süden Thüringens - neben Eisenach in Ilmenau, Gotha, Eisfeld, Rauenstein, Sonneberg, Lauscha und Rudolstadt. Auch das Stadtmuseum Coburg wird sich beteiligen. Ebenso das Waffenmuseum Suhl. Das eröffnet schon am kommenden Freitag - sozusagen vorab - eine Ausstellung über das Suhler Schlegelmilch-Porzellan.
Quelle: InSüdthüringen.de, Peter Lauterbach, 26.01.2010
SONDERAUSSTELLUNG
Närrische Welten zwischen Manebach und Venedig
Maskenbauer der Region schafften mit Export bis Übersee fast eine 150-jährige Tradition.
Ilmenau - Zwei Sonderausstellungen, die morgen 10 Uhr im Goethe-Stadt-Museum Ilmenau eröffnet werden, widmen sich dem Karneval. Die eine begibt sich auf die Spuren der einst ganz auf Maskenmacherei setzenden Manebacher, die andere beleuchtet Venedig, die einstige Stadt des endlosen Feierns.
Von 1832 bis 1971 wurden in der Manebacher Maskenfabrik "Eilers und Mey" Papiermachémasken hergestellt, von 1859 bis 1960 in der Firma "Heintz & Kühn" darüber hinausgehende Karnevalsutensilien gefertigt. Für die Region Manebach, die kaum andere Erwerbsmöglichkeiten bot, etwa in der Landwirtschaft, weil der Boden nicht so gut war, bedeuteten die zwei Unternehmen viel, erklärt Musemsleiterin Kathrin Kunze. Die Branche schaffte es denn auch auf eine fast 150-jährige Tradition, was Manebach den Beinamen "Werkstatt des Prinzen Karneval" einbrachte, der Ursprung allerdings lag in Sonneberg, von wo auch die ersten Aufträge kamen. Die Maskenproduktion, zunächst in Heimarbeit begonnen, habe allerdings nur sehr geringe Löhne abgeworfen, obwohl europaweit und bis in die USA, nach Kanada und Afrika exportiert wurde. Die Pappmachéteile bedurften viel Platz zum Trocknen, was manche Besucher erheiterte, wenn die Masken auf Zaunslatten ruhten, weiß Kunze zu berichten.
Für die Sonderausstellung hat das Museum seine eigenen Archive durchsucht, beherbergt aber nur Exponate der Firma "Eilers und Mey" aus einer Schenkung, erklärt Kunze. Die Ausstellungsstücke des Unternehmens "Heintz & Kühn" kommen aus Manebachs Heimatstube und von Helga Koleczko. Die karnevalistische Produktion wird in zwei Räumen des Museums präsentiert. Im 1. Raum wird die Herstellungsweise dokumentiert, also das aufwendige Werden einer Maske vom Modell aus Ton oder Gips bis zur kunstvollen Bemalung. "Die wertvollsten Masken waren Gazemasken mit Ceresin überzogen, einer Art Wachs", erklärt Kunze. Entstanden sind in Manebach auch Masken ganz berühmter Personen, etwa von Marlene Dietrich. Auch für Micky Maus sei eine Lizenz beantragt worden. Riesige Tierköpfe, Lampions, Mützen, Bärte, Perrücken zählten schließlich zum Arbeitsumfang der Manebacher. Der 2. Ausstellungsraum präsentiert auch Ohren und Finger, die nachgebildet wurden - und Venezianische Masken.
Zumindest an dieser Stelle gelingt der Übergang zur zweiten Sonderschau "Wie nedlich - Reisebilder" von Klaus Waschke. "Die Beziehungen zwischen Faschingsmasken und Lustbarkeit sind sehr locker", stellt Waschke fest, der im letzten Jahr Venedig besuchte. Er möchte mit seiner Galerie prüfen, "ob die mir gegebenen Mittel des Ausdrückens noch geeignet sind, nachdenkliche Heiterkeit im Zusammenspiel von Texten und Bildern zu erzeugen", sagt er. Venedig habe einst bis zu einem halben Jahr Fasching gefeiert und permanent Theater gespielt. Die steten Gäste da dauerhaft zu bewirten, habe immense Kosten versursacht und auch zum Untergang der Dauerfeiernden mit beigetragen. Seine Ausstellung sieht er im Museum gut platziert. Schließlich sei es schon Aufgabe für ein Museum, den gesellschaftlichen Bezug hinter Reisen anklingen zu lassen. Venedigs Ruhe heute jedenfalls täusche, meint er.



