Bild: Amtshausdetail

GoetheStadtMuseum - Pressespiegel


Heyge-Sekretär

Schrank in Glanz


Schrank in Glanz

Artikel aus der Zeitschrift "Arsproto" Ausgabe 4/2011



Adventskonzert

Vorweihnachtliches Konzert im Ilmenauer Goethe-Stadt-Museum

Im Adventsmusikangebot der Stadt Ilmenau nahm das Konzert im Goethe-Stadt- Museum seinen gebührenden Platz ein. Es lockte eine stattliche Anzahl Zuhörer in den Festsaal des Amtshauses, wo bereits Herzog Carl August und sein Minister Johann Wolfgang von Goethe aus dem Fenster auf den Marktplatz schauten.




Adventskonzert
Gesang von Sopranistin Uta Geser und Musik vom Trio des Südthüringischen Kammerorchesters verschmolzen zum Adventskonzert im Goethe-Stadt-Museum. Foto: Karl-Heinz Veit

Von Karl-Heinz Veit

Ilmenau. Damals konnten sie zu abendlicher Stunde nur schwachen Kerzenschein, der durch die Fenster schien, oder die schwankende Nachtwächterlaterne erblicken. Am Sonntagabend strahlte draußen vor dem Amtshaus der Weihnachtsbaum und die Weihnachtsdekoration tauchte den Marktplatz in helles Licht. Drinnen im Saal mussten früher die Kerzen als Festbeleuchtung angezündet werden. Heutzutage sind die aufgesteckten Kronleuchterkerzen aus Brandschutzgründen nur Dekoration unter dem kalten Licht der Deckenstrahler. Wärme und heimelige Atmosphäre wurden durch den Auftritt des Trios des Südthüringer Kammerorchesters mit Brigitte Hermann, Flöte, Wolfgang Fuchs, Violine, Barbara Liebold, Cembalo und durch Gesang und Rezitation von Uta Geser gestiftet. Nach dem klangvollen Einstieg mit dem Spiel der dreisätzigen "Sonata da camera" von Acangelo Corelli (1653-1718) begrüßte Wolfgang Fuchs, Leiter der Stiftung Südthüringer Kammerorchester, die Konzertbesucher mit freundlichen Worten und verwies auf die enge Verbindung von Orchestermusikern mit dem Museum und diesem Festsaal. Bislang fanden hier nach museumspädagogischen Führungen 80 Konzerte mit Kindergartenkindern statt, die die Jüngsten an das Museum und an klassische Musik heranführten. Um Kindermusik sollte es beim Adventskonzert jedoch nicht gehen, wenngleich einige Weihnachtslieder, die Uta Geser mit schöner Sopranstimme vortrug, selbst ganz kleinen Kindern gefallen hätten. "Süßer die Glocken nie klingen" und "Leise rieselt der Schnee" gehörten zu dieser Kategorie. Die Musikstücke hatte das Trio vor allem nach dem Prinzip des klangvollen Zusammenspiels der Instrumente ausgewählt. Als Beispiel dafür galt die "Triosonate G-Dur" von Johann Joachim Quantz (1697- 1773). Hier kam Brigitte Hermann mit ihrer Querflöte mächtig zum Zuge. Genauso hatte der alte Meister seine 300 Flötenstücke, die noch alle im Umlauf sind, wie die Flötistin weiß, als Komposition wirkungsvoll angelegt. Georg Philipp Telemann hingegen ließ das "Duett für Flöte und Violine" zum Wettbewerb zwischen den Instrumenten geraten. "Hermann & Fuchs", beide haben ihre studentische Freundschaft von einst im gemeinsamen Musizieren wiederentdeckt, stachen sich beim furiosen Spiel aber nicht aus.

Quelle: Karl-Heinz Veit / 08.12.11 / TA

weitere Fotos vom Adventskonzert



MITTAGSINTERMEZZO im Dezember 2011

Puppen kamen aus Ilmenau

Die Puppenherstellung hatte in Ilmenau Tradition: Im Museum stellte Puppendesignerin Heide Bürmann gestern die Geschichte der kunstvoll produzierten Spielzeuge vor.




Puppen aus der ehemaligen Ilmenauer Produktion von Wagner & Zetzsche. Foto: Uwe Appelfeller

Von Uwe Appelfeller

Ilmenau - Das letzten Mittagsintermezzo des Jahres im Goethe-Stadt-Museum war der Ilmenauer Puppenherstellung gewidmet. Zur Intermezzo-Veranstaltung wird regelmäßig eine ausgewählte Nische der Stadthistorie beleuchtet, die Firma mit den Initialen "W&Z" kam gestern zu ihrem Recht. W&Z steht für die Marke "Wagner und Zetzsche", die im vergangenen Jahrhundert nicht ganz unbekannt war: Viele Thüringer - vor allem Kinder - besaßen eine oder mehrere Puppen dieser Firma. Auch Heide Bürmann: Die Ilmenauerin bekam ihre Puppe zu Beginn der 1970er Jahre, als sie fünf Jahre alt war. Heide Bürmann nannte ihre Puppe Anett und spielte oft und gern mit ihr, damals nicht ahnend, dass sich das Ende der Puppenherstellungs-Ära in Ilmenau bereits abzeichnete: Etwa im gleichen Jahr, als sie ihre Anett bekam, wurden die Besitzer der Firma W&Z zwangsenteignet.

Heide Bürmann ist ausgewiesene Puppenkennerin, fast Puppenhistorikerin. Nach dem Abitur an der Goetheschule lernte sie erst den Spielzeuggestalterberuf und studierte später Puppendesign in Sonneberg. In den vergangenen Jahren, sagte sie, habe sie sich oft mit der Ilmenauer Puppenherstellung befasst und Spuren gesucht: In renovierten Häusern ebenso wie in alten Bruchbuden und auf Äckern. Was sie über die Geschichte von W&Z zusammentrug, ist interessant und kann von einigen Zeitzeugen belegt werden.

Im Jahr 1852 siedelte sich in der Ilmenauer Poststraße die Spielwarenfirma Fischer, Naumann & Co an. In diesem Umfeld müssen sich zwei umtriebige Kaufleute kennen gelernt haben, die auf die Namen Richard Wagner und Richard Zetzsche hörten. Sie gründeten 1875 die Firma, die ihre Nachnamen trug und mehr als ein Jahrhundert lang hochwertige Puppen herstellte.

Puppenfirma seit 1875

In Ilmenau gab es dank der Porzellanherstellung zu der Zeit entsprechende Rohstoffe und qualifizierte Fachkräfte, sagt Heide Bürmann, und dank der "Mitgift, die Richard Zetzsches Frau in die Ehe einbrachte, konnten sie die Fabrik in der Obertorstraße, im ehemaligen Kavaliershaus des Ilmenauer Schlosses, eröffnen." Für Fotos der Firmengründer wäre sie übrigens dankbar, geblieben sind nur kleine Bilder der beiden Geschäftsleute. Ohnehin ist aus der Zeit vor 1915 wenig über die Firma bekannt. Aus den Jahren danach gibt es aber viel Material, unter anderem, weil Heide Bürmann mit den Handwerkern sogar unter den Dielen des Fachwerkhauses nachgesehen und Puppenarme, Ziegenleder-Bälge, Holzgliedmaßen mit Kugelgelenken und Porzellanköpfe gefunden hat.

Im Museum wurde gestern Mittag viel gefachsimpelt zwischen der Referentin und den sachkundigen Zuschauern über die vielen Fundstücke: "Das ist ein Schlenkerbalg", sagt Zuhörerin Marianne Schindhelm, die nach 1945 selbst zwölf Jahre in der Puppenfabrik gearbeitet hatte. Schlenkerbalg sei aber kein Schimpfwort, fügt sie vorsichtshalber hinzu, das war der Puppenkörper. Interessante Details (und Herstellungs-Rezepte) wurden genannt; die Puppenbeine seien teils mit Brotmehl gefüllt worden, als sie noch aus Pappmaché waren. Ziegenlederfüße wurden mit Söckchen und Schuhchen überzogen, später wurde bei W&Z die zelluloid-ähnliche Masse Haralith entwickelt, aus der nahezu unzerbrechliche Puppenköpfe gefertigt wurden.

Als Richard Zetzsche 1902 starb, stieg sein Sohn Max als zweiter Geschäftsführer in die Firma ein. Er ließ drei Puppenköpfe nach den Gesichtern seiner Kinder Inge, Harald und Hansi modellieren, die natürlich auch diese drei Namen trugen - diese drei Künstlerpuppen sollen in Ilmenau sehr bekannt gewesen sein.

Das bestätigte Inge Zetzsche (heute Inge Knefeli) persönlich: Die 95-jährige Frau war beim Mittagsintermezzo dabei. Der korkgefüllte, nach ihr benannte Puppenkörper "Inge" soll übrigens sehr beweglich gewesen sein. Max Zetzsche, der nicht nur als findiger Geschäftsmann, sondern auch als fürsorglich-sozialer Firmeninhaber galt, habe unter anderem dafür einige Messe-Medaillen abgesahnt, sagt Heide Bürmann.

Unfall mit dem Wartburg

Zur DDR-Zeit 1972 sei der Betrieb dann zwangsenteignet worden. Chef war damals Heinrich Knefeli, der Mann von "Modell" Inge. Er sei bis zum Schluss mit dem Wartburg zu den Heimarbeiterinnen gefahren und habe die genähten Puppenkleider abgeholt. Bei einer dieser Fahrten nach Martinroda kam er 1977 bei einem Eisglätte-Unfall ums Leben. Seine Tochter Ingrid Knefeli war die letzte der Familie, die den Betrieb ab 1977 bis 1982 unter VEB Puppenmode Ilmenau führen durfte. Die Firma wurde 1975 dem VEB Sonni Plüsch- und Stoffspielwaren unterstellt (mit Sitz Gehren), damit ging die Puppenherstellung in Ilmenau langsam zu Ende. Heide Bürmann will ihre Puppen dem Museum zur Verfügung stellen. Ob daraus eine Sonderausstellung wird, ist noch unklar.

Das nächste Mittagsintermezzo wird es voraussichtlich erst im Februar geben - ab 2012 sind die Veranstaltungen nur noch quartalsweise.

Quelle: inSüdthüringen.de, Uwe Appelfeller, 06.12.2011



Adventskonzert

Konzert im Ilmenauer Goethe-Stadtmuseum mit alten Meistern

Noch rechtzeitig ehe das musikalische Weihnachtsgeschäft beginnt, widmeten sich Almut Freitag, Blockflöten, Anne Hoff, Cembalo und Hans Vieweg, Barockcello in ihrem Konzert am Samstagabend im Amtshaus ganz und gar der Musikepoche des Barock.




Adventskonzert
Für das Ilmenauer Publikum waren die Musiker Almut Freitag, Anne Hoff und Hans Vieweg im besten Sinne gute Bekannte. Foto: Karl-Heinz Veit

Ilmenau. Die bedeutendsten Komponisten ihrer Zeit Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann - lieferten dem Trio das altehrwürdige Notenmaterial für ein Konzert, welches als ein Brückenschlag 300 Jahre zurück vom Hier und Heute gelten konnte. In einer schönen, fast familiär zu nennenden Atmosphäre, wo sich die meisten Zuhörer kennen und auch die Musiker wegen ihrer zahlreichen Auftritte keine Fremden sind, musizierte es sich genauso angenehm, wie es sich zuhörte. Was man den drei Profimusikern anmerkte, war ihr unbedingter Wille, ein von musikalischer Botschaft getragenes Konzert zu bieten und sich dabei streng an die historische Aufführungspraxis zu halten.

Bach und Händel und eine Ouvertüre für Cembalo solo von Telemann boten Stoff genug, um fünf Viertelstunden musikalisch einprägsam auszugestalten. Doch nicht allein den schönen musikalischen Ensembleklang bekamen die Zuhörer geboten. Hans Vieweg ließ es sich auch diesmal nicht nehmen, die kurzen Spielpausen mit interessanten anekdotischen und musiktheoretischen Anmerkungen zu füllen. So ergab sich für die Zuhörer eine gekonnt gemischte Mixtur aus klingender Musik, wörtlicher Information und Zuschauen beim hand- und mundgemachten Musizieren. Was das Spiel der drei Musiker besonders auszeichnete, war der gute Zusammenklang. Dieser entsteht jedoch nur, wenn sich die Spieler gegenseitig aufmerksam zuhören und jeder auf den anderen reagiert. Und das beherrschte das Trio so wunderbar, dass die Zugabe eigentlich gar kein Experiment war, wie es vorweg Hans Vieweg bezeichnete, als er sagte: "Wir spielen das Allegro von Händel in der Wiederholung jetzt mal so schnell, wie es Almut mit ihrer Flöte vorgibt." Der Möglichkeit des Strauchelns einer der Akteure war er sich dabei bewusst. Weil die Musiker aber im Laufe des Konzertes auf "hohe Betriebstemperatur" gekommen waren, hielten Cembalo und Cello ohne sichtbare Anstrengung bei dem mit, was Almut Freitag flinkfingrig und ein wenig hechelnd an Tempo vorgab. Den Spaß war dieses Experiment alle Male wert, zumal die etwa 50 Besucher nun doppelt froh gestimmt in die laue Herbstnacht und nach Hause gehen konnten.

Quelle: it / 03.11.10 / TA



SONDERAUSSTELLUNG

Die Wiege des Wintersports - Ausstellung im Ilmenauer Museum

Nicht nur Planer und Handwerker hatten bei der Sanierung des Ilmenauer Goethe- Stadt-Museums ihr liebe Not mit üblichen und unüblichen Überraschungen eines Jahrhunderte alten Gebäudes.




Ilmenau - Schmiede des Rodelsports
Für das Rahmenprogramm zur Eröffnung sorgte die Musikschule Arnstadt-Ilmenau, hier spielt Tarik Wagner auf der Gitarre. Foto: Ralf Ehrlich

Von Arne Martius

Ilmenau. Auch jenseits der Baustelle fand ein energisches Tauziehen darüber statt, ob in der Gedenkstätte neben Goethe nicht auch dauerhaft an das erinnert werden sollte, was Ilmenau weit über Thüringens Grenzen hinaus bekannt gemacht hat: der Rodelsport.

Oberhof als Wiege des Wintersports bezeichnen darf. Zu lesen sind die Biografien und Siege großer Namen wie Wolfgang Scheidel, Hans Rinn, Wolfram Fiedler, Ute Oberhoffner, Jens Müller sowie Stefan Krauße und Jan Behrend. Ihre Urkunden, die Ausrüstung, Schlitten - und natürlich die Anfänge des Rodelsports in Ilmenau - wurden dafür in einer detailreichen und liebevollen Dokumentation zusammengetragen. Kaum ein anderer aber kann das wohl so amüsant in Worte packen, wie es am Samstagnachmittag Gerhard Kirchner tat. Vor dutzenden Besuchern gab er auch Anekdoten zum Besten, wie diese hier: Mit Eisblöcken aus dem Ritzebühler Teich präparierten die Vereinsmitglieder in früheren Jahren schon mal die Strecke und weil sich die Rodelfrauen in schneearmen Rennzeiten weigerten, die Dinklerkurve zu befahren, wurden sie trickreich mit weißer Farbe hinters Licht geführt. Auf 14 Tafeln wird Geschichte im Amtshaus geschrieben, die bis ins Jahr 1900 zurückreicht. "Wir haben Ilmenau in der Ausstellung bewusst den Titel Schmiede des Wintersports gegeben, weil am Erfolg viele Schmiede beteiligt waren", erklärte der langjährige Trainer Kirchner, der fast die Hälfte der Entwicklung selbst erlebt hat. Mit der Bahn am Gabelbach begann die Historie, deren Länge die Witterung bestimmte: War in schlechten Zeiten am Ritzebühler Teich Schluss, sausten hingegen bei ausreichend Schnee die Schlitten bis in die Stadt hinunter. Und gab es zu viel der weißen Pracht, wurde selbst ein Awo-Motorrad mit Beiwagen und einer angehängten Fichte zum Schneeräumen eingesetzt. Mit zunehmender Professionalisierung des Sports zogen die Mitglieder des Thüringer Wintersportvereins Ilmenau an den Lindenberg um. Doch weil die anspruchsvolle Strecke zunehmend unter schneearmen Wintern litt, kämpften die Verantwortlichen 16 Jahre lang um eine Kunststoffrinne - wie sie kurz vor der Wende endlich gebaut wurde und noch heute "die schönste Sommerrodelbahn der Welt ist", wie sie Gerhard Kirchner bezeichnete. "Die Ilmenauer Rodelgeschichte ist auch die Rodelgeschichte Deutschlands", erklärte Ilmenaus Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber (CDU) in seiner Eröffnungsrede. Deswegen hätten es viele Lokalpatrioten den Oberhofern übel genommen, die Wintersportanfänge für sich zu reklamieren. Doch letztlich profitiere heute auch Ilmenau von den Wettkämpfen am Rennsteig. Im Gespräch mit unserer Zeitung sprach sich Kulturausschussvorsitzender Klaus Leuner (Die Linke) auch angesichts der vielen Besucher dafür aus, einer Rodelausstellung in Ilmenau endlich ein dauerhaftes Domizil zu geben.

Quelle: Arne Martius / 05.12.11 / TA



MITTAGSINTERMEZZO im Oktober 2011

Mittagsintermezzo im Goethe-Stadt-Museum in Ilmenau

"Woher kommen wir und wohin gehen wir?", sind große philosophische Fragen. Sie können für Ilmenauer einen sehr realen Bezug haben, was vergangene Woche zum Mittagsintermezzo des Goethe-Stadt-Museums mitzuerleben war.




10. Mittagsintermezzo
Die Museumsintermezzo-Gäste zeigten sich während des Mittagsintermezzo hoch interessiert, von Bodendenkmalpfleger Wolfgang Renn Neues über die frühe Siedlungsgeschichte Ilmenaus zu erfahren. Foto: Karl-Heinz Veit

Von Karl-Heinz Veit

Ilmenau. Museumsleiterin Kathrin Kunze hatte in die Stadtgeschichtsausstellungshalle in das Finanzamtsgebäude eingeladen, wo Ilmenaus ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Ralf Irmer, Manfred Thron, Hubert Engmann, Wolfgang Renn und Udo Moritz ihr Domizil haben.

Wolfgang Renn fiel die Aufgabe zu, 20 Intermezzo-Gästen Fundstücke aus der Baugrube des Neubaus in der Weimarer Straße/Ecke Poststraße zu zeigen und deren Bedeutung für eine teils neue Sicht auf die Stadtgeschichte zu erläutern. Von Mai bis in den Spätsommer waren die Bodendenkmalpfleger in der Baugrube im Einsatz (unsere Zeitung berichtete) und bargen in enger und lobenswert kooperativer Zusammenarbeit mit dem Bauherrn "Ilmenauer Wohnungsbaugesellschaft" eine große Anzahl Bodendenkmalfunde. Die gewichtigsten von der Masse her sind die steinerne Kellergewende, ein "Traufstein" und eine Lichternische zum Abstellen von Kerzen oder Öllämpchen im einstigen Gewölbekeller. Was nur auf Fotografien in der zeitweiligen Ausstellung zu sehen ist, sind Fundamentumrisse eines vermutlichen Turmes und Lehmmauerreste in einer Dicke von zirka einem Meter. Genau diese Mauerreste sind das stadtgeschichtlich Interessante, wenn nicht gar Spektakuläre.

Wolfgang Renn und verwies auf umfangreiche Recherchen, die eine solche Vermutung stützen.

Dass im Ilmenauer Gebiet einst Slawen siedelten - der Bürgerschullehrer und Heimatforscher Paul Bleisch verweist im 1910 erschienenen Buch "Bilder aus Ilmenaus Vergangenheit" auf die Namen der beiden Pörlitzdörfer - werde durch diesen Fund gestützt, sind sich die Bodendenkmalpfleger sicher. "Wie in einem Geschichtsbuch haben wir in den freigelegten Erdschichten mit ihren interessanten Fundstücken lesen können", sagte Wolfgang Renn. Auf eine einstige Schmiede verweisen Eisenluppen und Reste einer "Eisensau", so nannte man jenen Ofen, wo Eisen aufgefrischt und schmiedbar gemacht wurde. Tonscherben zeigen an, dass dieses Terrain von vielen Generationen bewohnt wurde. Zwei Bierflaschen aus den 20er-Jahren mit Brauerei-Initialen von Suhl Heinrichs und Erfurt hatten wohl Bauarbeiter vergessen. Alle Fundstücke sollen dem Vernehmen nach in Ilmenau bleiben. Nur die exakte Altersbestimmung der Tonscherben nimmt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie vor, in dessen Auftrag die hiesigen Bodendenkmalpfleger fündig wurden.

Quelle: Karl-Heinz Veit / 16.10.11 / TA


MITTAGSINTERMEZZO im Oktober 2011

Grabungsfunde im Keller

Interessante historische Funde machten Ilmenauer Bodendenkmalpfleger beim Abriss eines Hauses in der Weimarer Straße. Einige Fundstücke könnten bis zu 1000 Jahre alt sein.




10. Mittagsintermezzo 2011
Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Wolfgang Renn (links) zeigt und erklärt den Zuhörern im Ilmenauer Finanzamt die altertümlichen Ausgrabungsfunde, die vor wenigen Wochen in der Poststraße gemacht wurden. Foto: b-fritz.de

Von Uwe Appelfeller

Ilmenau - Als vor wenigen Monaten ein marodes Wohn- und Geschäftshaus in Ilmenau abgerissen wurde, gab es zunächst Komplikationen. An der Ecke Weimarer Straße zur Poststraße stand die Ruine, die einem Neubau der Ilmenauer Wohnungs- und Gebäudegesellschaft (IWG) weichen musste. IWG-Chef Hermann Töpfer sprach kürzlich von "Überraschungen, die es gibt, wenn man in eine Baulücke baut." Das Haus, in dem einst eine Bäckerei war, stand auf den Fundamenten einiger noch älterer Gebäude. Eine Gruppe ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger aus Ilmenau und Umgebung interessierte sich dafür: Das fünfköpfige Team (Dr. Ralf Irmer, Wolfgang Renn, Manfred Thron, Hubert Engmann und Udo Moritz) machte dort bei Ausgrabungen Entdeckungen, die neue Erkenntnisse zur früheren Geschichte Ilmenaus liefern.

Aus dem 11. Jahrhundert

"Wir sind auf altes Mauerwerk gestoßen und glaubten zunächst, dass seien Überreste des früheren Judentores. Das war aber nicht so", erklärte Wolfgang Renn den Zuhörern beim gestrigen Mittags-Intermezzo im Ausstellungsraum der ehemaligen Wasserburg im Finanzamt. Das Intermezzo, eine Aktion des Goethe-Stadt-Museums, findet an jedem ersten Montag des Monats statt; gezeigt werden museale Ausstellungsstücke.

Bei der Ausgrabung in der Poststraße wurden mehrere Schichten Mauerwerk gefunden, eine davon aus Lehm: "Das weißt auf ein hohes Alter hin, möglicherweise 13. oder 14. Jahrhundert", sagt Renn. So manche dort im früheren Keller gefundene Tonscherbe könnte gar aus dem 11. Jahrhundert stammen, vermutet er. Weit wichtiger sei aber der Fund eines alten Eisenofens, eines runden "Frischofens" aus Backsteinen, gewesen, der den Schuss zulässt, dass im 16. oder 17. Jahrhundert hier einmal eine Schmiede stand.

Runder Turm und Eisensau

Neben Bergeisen und Nägeln wurde auch eine sogenannte Eisensau gefunden, ein Metallklumpen, der beim Schmelzen übrig blieb. Neben einem alten Gewölbekeller wurden rundliche Reste einer einen Meter dicken Mauer gefunden: "Hier könnte ein Turm gestanden haben", vermuten die Forscher, die im Auftrag des Weimarer Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie arbeiten. Noch spektakulärer ist der Fund einer alten Pfostenschlitzmauer, wie sie früher von den Sorben gebaut wurde: "Die Balken waren natürlich weggefault, aber die Reste könnten aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammen und Beweis dafür sein, dass hier früher eine Sorbische Siedlung war. Bisher wurde das nur vermutet, aber nicht bewiesen", sagt Renn.

Weniger spektakulär, dafür dekorativer sehen die Porzellanpfeife "aus Goethes Zeiten" aus und die Lichterniesche, ein Platz in der Mauer zum Abstellen von Kerzen, wie es früher in Gewölbekellern üblich war. Aus den 1920er oder 30er Jahren stammen Bierflaschen, bei denen die Herkunft durch die ins Glas eingeblasenen Firmenaufdrucke erkennbar ist: Suhl-Heinrichs und Erfurt. Die dortigen Museen freuten sich nach Auskunft von Renn, als sie die Fundstücke kürzlich bekamen. Wolfgang Renn dankte übrigens ausdrücklich der IWG, die die Ausgrabungen ermöglichte und auch beim Transport der Fundstücke half.

Die restlichen Stücke sollen ins Landesamt nach Weimar kommen und dort genau untersucht werden. Museumsleiterin Kathrin Kunze sagt aber, dass sie in Ilmenau gut aufgehoben wären und wieder hierher zurückkehren sollten. Derzeit stehen die Ausgrabungsfunde im Museumsraum des Finanzamtes. Für Besuchergruppen ist das Besichtigen aber umständlich: Nach Anmeldung im Museum muss man sich ans Finanzamt wenden, um dort Zugang zu haben.

Ilmenaus Ursprung

Eine erste Besiedlung der Ilmenauer Umgebung könnte im 6. Jahrhundert durch das Volk der Sorben stattgefunden haben. Wann Ilmenau gegründet wurde, konnte noch nicht genau nachgewiesen werden. Eine Theorie des Heimatforschers Paul Bleisch von 1910 besagt, dass zuerst um 750 eine Siedlung am Teichgebiet bestand, die den Namen Sachsenrod trug.

Quelle: InSüthüringen.de, Uwe Appelfeller, 11.10.2011



MITTAGSINTERMEZZO im August 2011

Kunsthistorikerin beim "Mittagsintermezzo" auf Bergwerksspuren

Das monatliche Mittagsintermezzo des Goethe-Stadt-Museums bot jetzt zwei Besonderheiten. Zum einen fand es nicht im Museum statt, und zum anderen wurde die doppelte Zeit für die Abhandlung des Themas "Bergbau und Sidonia Zäunemann" gebraucht.




8. Mittagsintermezzo
Zum musealen Mittagsintermezzo wandelte Kunsthistorikerin Cornelia Maschotta mit Interessierten auf den Spuren von Hedwig Sidonia Zäunemann. Foto: Karl-Heinz Veit

Von Karl-Heinz Veit

Ilmenau. Mehr als ein halbes Dutzend Interessierte wurden von Kunsthistorikerin Cornelia Maschotta zu jenen Orten innerhalb der Stadt geführt, die einst Hedwig Sidonia Zäunemann bei ihrem zweimaligen Einfahren ins Ilmenauer Bergwerk 1737 in gleicher Weise aufsuchen musste.

Nur noch wenige sichtbare Spuren konnte die Museumsmitarbeiterin den an Bergbau und an Sidonia Zäunemann Interessierten zeigen. So mussten Worte und Erklärungen herhalten, um Historisches in die Gegenwart zu holen und gedanklich nacherlebbar zu machen. Auf einem kurzen Exkursionsweg am Marktplatz beginnend, bewegte sich die kleine Gruppe zu jener Stelle am Treppenschacht oberhalb des Lindenkinos, wo die furchtlose Zäunemännin in das Bergwerk einfuhr.

Cornelia Maschotta zeigte auf die bewachsene Halde gegenüber der Karl-Zink-Schule, verwies auf die beiden Bergmannshäuschen und erklärte die einstige Bedeutung der "Bergmannskapelle", die keine, wie früher angenommen, Betstube war. "Ihr Gebet verrichteten die Bergleute im Zechenhaus", sagte sie und zitierte dann aus dem Ilmenauer Bergwerksgedicht. Dort beschreibt Sidonia Zäunemann detailgetreu die Schachtanlage "Gottes Gabe" und deren Nebenstrecken an der Sturmheide.

Quelle: Karl-Heinz Veit / 03.08.11 / TA



MITTAGSINTERMEZZO im August 2011

Wo Sidonia in den Berg fuhr

Einen Ausflug in Ilmenau gab es gestern erstmals beim Mittagsintermezzo des Goethe-Stadt-Museums: Die Zuhörer wandelten auf den Spuren des Bergbaus und der Dichterin Sidonia Zäunemann.




8. Mittagsintermezzo im August 2011
Museums-Mitarbeiterin Cornelia Maschotta (links) erklärt den Gästen des Museums-Mittagsintermezzos an der Ilmenauer Bergmannskapelle am Unteren Berggraben Einzelheiten zum früheren Bergbau und zur Dichterin Sidonia Hedwig Zäunemann. Foto: Appelfeller

Von Uwe Appelfeller

Ilmenau - Seit knapp einem Jahr wird das Mittagsintermezzo des Ilmenauer Goethe-Stadt-Museums angeboten. An jedem ersten Montag im Monat gibt es dort zur Mittagszeit einen halbstündigen Vortrag zu einem besonderen Ausstellungsstück.

Gestern wurde zum ersten Mal ein Intermezzo-Ausflug durch die Stadt unternommen: Die freiberufliche Museumsmitarbeiterin Cornelia Maschotta hatte einen Rundgang auf den Spuren von Sidonia Hedwig Zäunemann vorbereitet. Zäunemann lebte von 1711 bis 1740, sie kam bei einem Reitunfall ums Leben. Die Erfurterin weilte oft in Ilmenau, um ihre Schwester zu besuchen, die hier mit einem Amtsarzt verheiratet war. Und sie war eine der ersten Frauen, die in einen Bergwerksstollen einfuhren: Im Januar 1737 war sie zweimal im Ilmenauer Bergwerk unter Tage und verfasste ein 36 Strophen langes Gedicht mit dem Titel: Das Ilmenauerische Bergwerk.

Einstieg am Treppenschacht

Ein Jahr vor ihrem Tod erhielt sie die hohe Auszeichnung zur kaiserlich gekrönten Poetin. In der Ilmenauer Bergmannskapelle am Unteren Berggraben kündet eine Ausstellung von ihrem Wirken. Die Bergmannskapelle war daher ein Ziel des Mittagsintermezzos, wozu diesmal ein knapp einstündiger Fußmarsch nötig war. Zudem gab Cornelia Maschotta interessante Informationen zur Ilmenauer Bergbaugeschichte.

Erster Halt war am kleinen Spielplatz am Treppenschacht oberhalb des Ilmenauer Kinos. "Sich als Außenstehender ein Bergwerk von innen anzuschauen, das ging nicht einfach so. Als Frau schon gar nicht", erklärte Maschotta am Treppenschacht den Zuhörern. An diesem Ort - der Straßenname verrät es - gab es einst einen Bergbauschacht. Hier wurde Kupfererz und Silber abgebaut, und hier war Sidonia Hedwig Zäunemann vor 274 Jahren in den Schacht gestiegen. Vermutlich hatte sie die Erlaubnis dazu von dem ihr nahe stehenden Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar, der ihr (überliefert) vor der Fahrt in den Berg "viel Glück und Gutes" wünschte. Durch das Stollensystem gelangte die Dichterin Zäunemann 180 Meter tief, vom Treppenschacht durch die Schächte Gottes Gabe an der Sturmheide, den Wilhelm-Ernst-Schacht und den Stollen "Gott hilft gewiss".

Zeitzeugnisse noch zu sehen

Am Ilmenauer Wenzelsberg neben der Zink-Schule liegt übrigens die heute mittlerweile von Bäumen bewachsene Bergbau-Halde, die dem Schacht "Gottesgabe" zugeordnet wird. Der heutige Treppenschacht lag vor etwa 250 Jahren übrigens noch außerhalb der Stadtgrenzen Ilmenaus; hier gab es neben dem Bergwerken lediglich einige Bergarbeiterhäuschen, von denen noch zwei am Wenzelsberg und am Unteren Berggraben erhalten sind.

In der Bergmannskapelle ist das Gedicht und seine Entstehung dokumentiert. Die Dichterin beschrieb 1737 die Ereignisse unter Tage poetisch als "schöne Blumen" und verglich Bergleute mit Helden und Soldaten. Kurz danach kam der Bergbau im Jahr 1739 durch einen Dammbruch des Rödelsteiches (im Freibachtal) aber vorerst zum Erliegen. Das Wasser war nötig, um Förderräder und Pumpen zu betreiben, dazu wurden ab 1475 der untere, mittlere und obere Berggrabenweg angelegt.

Ilmenauer Bergbau seit 1444

Der Ilmenauer Bergbau wurde 1444 erstmals urkundlich erwähnt und endete mit erfolglosen Versuchsbohrungen 1925 an der Erfurter Straße und 1938 in Ilmenau und Roda. Das Montags-Intermezzo endete am Zechenhaus, einem der ältesten erhaltenen Häuser Ilmenaus mit der Jahreszahl 1691. Cornelia Maschotta sagt aber, dass das Haus wohl erst 1720 errichtet wurde.

Zu den Stamm-Gästen des Mittagsintermezzos gehören Dieter und Brigitta Jung, die von ihren Kindern ein Abonnement dafür geschenkt bekamen. Bei den nächsten Intermezzos werden sie - obwohl sie es gern und mit Interesse taten - wohl keine längeren Fußwegen gehen. Demnächst werden die Vorträge wieder im Museum oder vielleicht an der "Alten Münze" (am Gericht) abgehalten.

Quelle: In Südthüringen, Uwe Appelfeller, 11.10.2011



MITTAGSINTERMEZZO im Juli 2011

Auch Aschermanns Lehrer war in Ilmenau

Über den Künstler Horst Aschermann und sein Werk war in seiner Geburtsstadt Ilmenau viel zu hören in den vergangenen Wochen. Über seinen Lehrer Hans Knesl weniger - bis gestern Mittag




Mittagsintermezzo2
Figuren vom Aschermann-Lehrer Hans Knesl stellte Museumsleiterin Kathrin Kunze gestern in Ilmenau vor. Foto: b-fritz.de

Von Uwe Appelfeller

Ilmenau - Beim Mittagsintermezzo im Ilmenauer Goethe-Stadt-Museum, das sich am ersten Montag jedes Monats etabliert hat, stand gestern das Werk des österreichischen Malers und Bildhauers Hans Knesl im Mittelpunkt. Der Bezug zu Ilmenau ist schnell hergestellt: Knesl arbeitete in den 1930er Jahren im Auftrag der Ilmenauer Porzellanfabrik Metzler & Ortloff.

Er soll in der Weimarer Straße gewohnt haben, weiß Freia Hahn zu berichten, die Schwester des gebürtigen Ilmenauer Künstlers Horst Aschermann. Womit ein weitere Kreis geschlossen wird: Hans Knesl war der Lehrer von Aschermann, von dem derzeit eine Ausstellung im Goethe-Stadt-Museum zu sehen ist.

Die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre, erklärt Museumsleiterin Kathrin Kunze, habe sich in Österreich stark bemerkbar gemacht. Deshalb sei es nicht unüblich gewesen, dass österreichische Künstler vorübergehend Lohn und Brot in Deutschland gesucht hätten - so auch Knesl, sagt sie. Und nicht nur das: Knesl lernte in Ilmenau auch Elfriede Dietz kennen, die er später heiratete und mit nach Österreich nahm. "Trotz großer politischer und religiöser Schwierigkeiten", wie Kathrin Kunze erklärt: Seine Frau war Protestantin, auch Knesl wechselte zu dem Glauben - und galt dafür in seiner Heimat Österreich als Ketzer.

Knesl war ein zurückhaltender, bescheidener Grübler und Zweifler, sagt Kathrin Kunze. Das sorgte möglicherweise dafür, dass der 1905 in Bad Pirawarth (bei Wien) geborene Bildhauer nie so bekannt wurde wie einige seiner zeitgenössischen Künstlerkollegen.

Dennoch wurde er an die Wiener Kunst-Akademie berufen. Knesl und seinen späteren Schüler Horst Aschermann, der in den 50er Jahren Ilmenau in Richtung Wien verlassen hatte, einte die Wahrhaftigkeit ihrer Kunst, sagt Kathrin Kunze: "Sie haben sich nie künstlerischen Modetendenzen unterworfen, sondern Werke geschaffen, die manchmal dem Zeitgeist entgegen standen." So habe Knesl seine Schüler angeregt, eigenständig zu handeln und eigene Wege zu gehen - abseits der herrschenden Mode. Sein gegenständliches bildhauerisches Werk war unter anderem prägend für neue, realistische Strömungen. Einige Figuren sind derzeit in Ilmenau ausgestellt.

Hans Knesl starb 1971 in Wien.

Quelle: InSüdthüringen.de, Uwe Appelfeller, 05.07.2011



SONDERAUSSTELLUNG

Sidonia Hedwig Zäunemann fuhr ins Ilmenauer Bergwerk ein

Noch bevor Johann Wolfgang Goethe 1749 geboren wurde befuhr im Jahre 1737 die ein Jahr später "Kaiserlich gekrönte Poetin" Sidonia Hedwig Zäunemann am 23. und 30. Januar aus Erfurt, ihrem Geburtsund Wohnort allein geritten kommend, das Ilmenauer Bergwerk.




Eröffnung der Ausstellung
An zwei Orten - im und am alten Zechenhaus und in der kleinen Bergmannskapelle - wurde die Ausstellung zu Leben und Werk von Sidonia Hedwig Zäunemann eröffnet.

Ilmenau - Das für damalige Zeiten und für Frauen in Männerkleidern ebenso unschickliche wie unerhörte Ereignis, in ein Bergwerk einzufahren, hat die Zäunemännin als berührendes Erlebnis in 39 Gedichtstrophen niedergeschrieben und im Gedichtband "Poetische Rosen in Knospen" veröffentlicht. So ist sie im Gedächtnis der Welt und im beschaulichen Ilmenau geblieben und erfährt 300 Jahre nach ihrem Geburtstag am 15. Januar 1711 hier in der einstigen Bergstadt, dem Ort des historischen Geschehens der Erstbefahrung eines Bergwerks durch eine Frau, späte und gebührende Ehrung. Anerkannt und dargestellt wird in der erweiterten Museumsausstellung in der Bergmannskapelle Leben und Werk der Sidonia Hedwig Zäunemann - als einer mutigen, kenntnisreichen, auf das Leben neugierigen, emanzipierten und ihrer Zeit weit voraus eilenden Frau. Am Sonntagmorgen lebte die Geschichte im einstigen Ilmenauer Bergbaugebiet an der Sturmheide wieder auf, sowohl in Worten, durch die Museumsleiterin Kathrin Kunze, der Kunsthistorikerin Cornelia Maschotta und des Medienprofessors der TU Jens Wolling, in Liedern, gesungen vom Lehrerinnenchor unter der Leitung von Irene Schmidt, und als Höhepunkt in der Ausstellung über die Zäunemännin im Obergeschoss der Bergmannskapelle. Das alte Zechenhaus, von Architekt Gert Schaser 1992 übernommen und liebevoll restauriert, die Bergmannskapelle, nach der Wende von ehrenamtlichen Denkmalpflegern vor dem Verfall gerettet und später vom hiesigen Museum als "Filiale" von der verdienstvollen Museumsleiterin Claudia Fiala in Sachen Bergbaugeschichte ausgestattet, waren die aus der Bergbauzeit stammenden Orte der Begegnung von gut 100 Interessierten mit Sidonia Hedwig Zäunemann und der hiesigen Bergbaugeschichte.

So Martin Strauch, der die Initialzündung gab, Klaus-Dieter Baum, der das Interesse an der Zäunemännin befeuerte, die Medienstudenten Sandra Wetzel, Marie Müller, Martin Schmidt, von denen die Ausstellungstexte stammen, Katharina Kerntopf, sie besorgte die Gestaltungsarbeiten und kreierte mit Raik Riedel ein wunderschönes Reprint Büchlein, und alle anderen Helfer im Museum und am Tag der Ausstellungseröffnung. "Glück auf, Glück auf" - so beginnt das Bergwerksgedicht der Zäunemännin. Mit "Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt" als gemeinsamer Gesang wurde am alten Zechenhaus die neue und sehenswerte Dauerausstellung in der Bergmannskapelle eröffnet.

Autor: Karl-Heinz Veit    Foto: Karl-Heinz Veit

Quelle: "Thüringer Allgemeine", Ressort Ilmenau vom 29. Juni. 2011

weitere Impressionen



SONDERAUSSTELLUNG 2012

Ausstellung "Wer war Hermann S.?" geht nach Ilmenau

Die gerade beendete Ausstellung im Jenaer Stadtmuseum hat gezeigt: Die Geschichte der Naturwissenschaften ist alles andere als langweilig.


Regional verortet und narrativ eingebunden erzählt sie ein spannendes Stück Wissenschaftsgeschichte, in Jena hat die Ausstellung "Wer war Hermann S.? Hermann Schaeffer (1824-1900) und seine Jenaer Bildungsoffensive" ca. 3000 Besucher intelligent unterhalten.
Vom 11. März bis 12. August 2012 wird die Ausstellung in Ilmenau gezeigt. Schaeffer hat auch in Ilmenau gewirkt, in der Stadt findet sich ein Schaeffer-Denkmal, das dankbare Handwerker und Unternehmer dem Jenaer Professor errichtet haben.

Quelle: Stadt Jena, 21.06.2011

http://www.jena.de/sixcms/detail.php?id=201321&_nav_id1=2509&_lang=de


MITTAGSINTERMEZZO im Juni 2011

Sibylle Viol lüftete die technischen Geheimnisse um das Feuerzeug, welches um 1800 die Sensation in gutbürgerlichen Salons war.




Feuerzeug
Das Feuerzeug, welches um 1800 die Sensation in gutbürgerlichen Salons war.

Museumsbesucher lassen sich ebenso gerne überraschen, wie sie über Ungewöhnliches staunen. Zum 6. Mittagsintermezzo im Goethe- Stadt-Museum gab es dazu wieder reichlich Gelegenheit. Museumsführerin Sibylle Viol verzichtete auf das übliche Ratespiel, das mit Museumsgästen gern und oft veranstaltet wird.

Ilmenau - Was aussieht wie eine Urne und auf dem Tischchen an der Fensterseite unter dem Spiegel ins Auge fällt, ist ein technisches Gerät, das vor 200 Jahren in gutbürgerlichen Wohnungen den Reichtum und die Modernität der Besitzer dokumentieren konnte. Während sich ärmere Schichten ihr Feuer mit Schwefelhölzchen, einem Fidibus oder als glühende Kohle vom Nachbarn holten, ließen die Begüterten einen vergoldeten Löwen Feuer spucken, um sich damit ihr Tabakspfeifchen oder die Kerzen anzuzünden.

In dem monströsen Tischfeuerzeug, das Sibylle Viol vorstellte, verbergen und vereinen sich in komprimierter Form die damals fortschrittlichen Erkenntnisse aus der Chemie, Physik, Elektrizitätslehre, Mechanik und Handwerkskunst im Umgang mit Metall und Holz.

Dass Wasserstoff brennbar ist, aber auch als Knallgas hochexplosiv, und man durch Reibung auf einer Kolophoniumoberfläche elektrische Funken erzeugen kann, ist jedem, der im Chemie- und Physikunterricht aufgepasst hat, verständlich. Erstaunenswert für die Interessenten war nach Lüftung dieses Geheimnisses dann nur noch die Funktionsweise des musealen Gerätes und des von Wolfgang Renn mitgebrachten Nachbaus eines Döbereinschen Platin-Feuerzeuges in kleinerer und eleganterer Ausführung.

Selbst Goethe war von Döbereiners Erfindung fasziniert und schrieb ihm am 7. Oktober 1828 einen huldvollen Brief nach Jena. Darin gratulierte er dem Naturwissenschaftler, dem er sich im Geiste verbunden sah, zu dem "glücklich erfundenen Feuerzeug" und schloss seinen Brief mit der Hochachtung bezeugenden Formel "Ergebnst J. W. Goethe".

In Funktion darf das Feuerzeug nicht mehr vorgeführt werden - es wäre durch den Einsatz von Schwefelsäure, Zink und Funkenschlag viel zu gefährlich. 2003 für gutes Geld von Thomas Wurm restauriert, kann es nur als museales Schaustück mit Überraschungseffekt bewundert werden.

Autor: Karl-Heinz Veit    Foto: Karl-Heinz Veit

Quelle: "Thüringer Allgemeine", Ressort Ilmenau vom 8. Juni. 2011



Konzert

Ilmenauer Museumskonzert mit besonderer Überschrift

Das Duo "con emozione" aus Weimar forderte bei seinem gegebenen dritten Ilmenauer Konzert im Goethe- Stadt-Museum zum "Ihr solltet genießen!" auf.




Konzert mit dem
Mit Liebe zum Detail zauberten Liane und Norbert Fietzke Salonatmosphäre in den Festsaal. Dafür gab es Blumen von Museumsleiterin Kathrin Kunze (l.). Foto: K.-H. Veit

Von Karl-Heinz Veit

Ilmenau. Sopranistin Liane Fietzke und ihr Klavierbegleiter und Gatte Norbert Fietzke machten die freundliche Aufforderung, entnommen aus Goethes "Erwin und Elmire", zum Motto eines musikalischen Themenabends, dessen Inhalt eine "Hommage an die Begründer der Weimarer Klassik" war.

Das Ambiente des Festsaales im Amtshaus machte es den beiden Solisten und den Zuhörern leicht, sich gedanklich in jene Zeit vor mehr als 200 Jahren zurück zu versetzen, als sich die Weimarer Hofgesellschaft um Herzogin Anna Amalia im kleinen, erlesenen Kreis dem Genuss und Zauber der Musik hingab. Liane und Norbert Fietzke wollten mit ihrem Programm jedoch mehr bewirken, als nur den Geist der Goethezeit via Musik in die Gegenwart zu holen. Die Genussgarantie, welche sie den Zuhörern boten, gründete sich auf mehreren Säulen. Da war zuerst die Liedauswahl nebst Textdichter und Komponisten. Durch gründliche Recherche haben die Musiker aus Berufung die Herzogin Anna Amalia, Carl Sigmund Freiherr von Seckendorf, Kammerherr der Herzogin, und natürlich Carl Friedrich Zelter, einer der wenigen Duzfreunde Goethes, als Liedkomponisten aufgestöbert. Selbst die schönsten Lieder können ihre emotionale Wirkung auf die Zuhörer nur entfalten, wenn sie kunstvoll und mit Herz dargeboten werden.

Amalia, sondern auch die Zwischenmoderationen geeignet.

Ohne sich in Ausschweifungen zu verlieren, vermittelte Liane Fietzke das Kolorit der Weimarer Goethezeit, gepaart mit Hintergrundinformationen über die feine Weimarer Hofgesellschaft. Wer das von Mozart vertonte Goethegedicht "Ein Veilchen auf der Wiese stand", das erst durch die Melodie des Musikgenies große Bekanntheit erlangte, mitsummen wollte, mag enttäuscht worden sein. Dafür kam jeder der Anwesenden in den seltenen Genuss, die Melodie aus Herzogin Anna Amalias Feder zu hören. "Frauen konnten seinerzeit zwar komponieren, die öffentliche Aufführung ihrer Werke galt aber als nicht schicklich", sagte Liane Fietzke und verschaffte der Komponistin zwar späte, aber öffentliche Anerkennung.

Quelle: Karl-Heinz Veit / 24.05.11 / TA


SONDERAUSSTELLUNG

Horst Aschermann: Er suchte nach Freiheit

In seiner Heimatstadt war er ein Unbekannter: Seit Sonntag ist das bildnerische Schaffen Horst Aschermanns (1932-2005) im Goethe-Stadt-Museum Ilmenau zu sehen.




Aschermann
Horst Aschermann im Jahr 1981 vor einem mehrteiligen Metall-Relief und einem Portrait Stephan Lackners. Foto: privat

Von Susann Winkel

Aschermann. Ja, diesen Namen kennt man in Ilmenau. Vom "Haus der Geschenke" in der Lindenstraße. Vielleicht von der Rennrodlerin Freia Aschermann, die 1961 in Friedrichroda die DDR-Meisterschaften gewann. Aber Horst Aschermann - dieser Name dürfte nur wenigen in Erinnerung geblieben sein. Seiner Schwester Freia, Schulkameraden von der Goethe-Oberschule, ehemaligen Kollegen aus der Porzellanmanufaktur Metzler & Ortloff. Aber das ist lange her, fast 60 Jahre.

Nun hat Ilmenau Horst Aschermann wiederentdeckt. Nicht den Bruder, Schüler oder Kollegen, sondern den 1932 geborenen Künstler, der der Kleinstadt am Thüringer Wald mit gerade mal 21 Anfang der 50er-Jahre den Rücken kehrte, um in Mainz und später in Wien jene "Freiheit des Geistes" zu finden, die er in der DDR so vermisste. Was dann allerdings geschah, hätte wohl auch ein Drehbuchautor nicht berührender, nicht schicksalhafter ersinnen können. Aber der Reihe nach.

Nach fünf Jahren als Keram-Modelleur in Mainz beginnt Aschermann 1957 ein Studium an der Akademie für angewandte Kunst in Wien. Bereits 1964, zwei Jahre nach seinem Studienabschluss, nimmt er an der Hochschule einen Lehrauftrag für Bildhauerei an. Längst hatte er in Purkersdorf inmitten des Wienerwaldes eine neue Heimat gefunden. Eine, die in idyllischer, der Thüringer Heimat durchaus ähnelnden Landschaft jene Freiheit des Geistes gestattete.

Mahnmal aus Marmor

Doch in dem heimeligen Ort nahe Wiens ging es nicht immer so idyllisch zu. 1713 wütete dort die Pest, der Schwarze Tod raffte die Hälfte der Bewohner hin. Ein Unglück, dem der junge Bildhauer 1965 mit einer drei Meter hohen Pestsäule ein Mahnmal setzte - und dabei selbst ein Unglück erlitt. Während der zeitzehrenden Arbeit an dem klobigen, umgedrehten Marmorkreuz bekam er einen Sonnenstich, der zu einer Hirnhautentzündung führte, in deren Folge sich eine seltene Form der Parkinsonschen Krankheit entwickelte.

Es ist also mit Bedacht gewählt, dass gerade eine Fotografie der Pestsäule den Beginn der kleinen Sonderausstellung im Goethe-Stadt-Museum in Ilmenau markiert. Zwar imponiert Aschermanns facettenreiches Werk - zu dem ebenso die Kleinplastik, Aquarelle, Feder- und Kohlezeichnungen gehören - auch ohne den Kontext seiner Entstehung. Aber sein Ringen um die Form war nun einmal auch ein Ringen mit der Krankheit, was nicht zuletzt in seiner Technik Ausdruck findet.

Tatsächlich muss der Betrachter gleich doppelt umdenken, um die plastische Sprache Aschermanns zu entziffern, die in seinem umfassendsten Schaffensbereich, dem Metall-Relief, zur Anwendung kommt. Zunächst einmal ist es hilfreich, den Boden zu verlassen und die Welt in ihrer Fülle von Formen aus der Vogelperspektive zu erfassen. Erst dann ergibt sich aus den rhythmisch aufgereihten Figuren, den Säulen und Kuppeln eine Ordnung, fügen sich die Details, in die sich die Topografien auflösen, zu einer Gesamtkomposition.

Geschaffen sind die großformatigen, häufig mehrteiligen Arbeiten in einer sogenannten Negativ-Technik. Wieder umdenken. Mit Schrauben, Stäben, Holzklötzchen, Stempeln - was sich nur immer als geeignet erwies - modellierte Aschermann die Formen direkt in Ton. Eine Methode, die ein immenses Vorstellungsvermögen erfordert, schließlich ist das später in Bronze oder Aluminium gegossene Ergebnis genau spiegelverkehrt, aus Wölbungen werden Vertiefungen und umgekehrt.

Diese Technik sparte dem Erkrankten einen Arbeitsschritt, das Anfertigen eines Positivs in Gips, von dem üblicherweise ein Negativ in Ton abgenommen und schließlich das Positiv in Metall gegossen wird. Ein mühevolles Prozedere - zumal Aschermann infolge des Parkinsons lernen musste, mit der linken statt der rechten Hand zu bilden.

Die Widrigkeiten der Herstellung entblößen die ausgestellten Werke derweil nicht. Fast spielerisch muten seine Materialbilder an, etwa "Frutti di mare", in dem Werkzeuge sich plötzlich zu Meeresgetier verwandeln, ohne ihre eigentlich Form aufzugeben. Wieder umdenken. Wasserhahn oder Springer - auch in den Schachfiguren von 1989 ist die Doppelnatur ein Wesenszug.

Eigenwillige Fügung

Ein Hauch Ironie mag in den Formenspielen liegen, Doppelsinn, aber gewiss ist darin keine Bitterkeit auszumachen. Tatsächlich nahm Horst Aschermann die eigenwillige Fügung seines Lebens an, geistige Freiheit in der Fremde zu finden und dabei seine körperliche Freiheit einzubüßen. Bis zu seinem Tod im Jahr 2005 schuf er zahlreiche Werke für den öffentlichen Raum in Wien, wendete sich noch in seinen letzten Lebensmonaten der Acryltechnik zu. - Eben ein Leben im Dienste der Kunst.

Ausstellung "Horst Aschermann. Ein Ilmenauer in Wien" bis 6. November im Goethe-Stadt-Museum Ilmenau; geöffnet täglich 10 bis 17 Uhr.

Quelle: InSüdthüringen.de, Susann Winkel, 19.05.2011



SONDERAUSSTELLUNG

Den Humor nie verloren

Die ganz persönliche Seite des Künstlers Horst Aschermann kam am Sonntag im Goethe-Stadt-Museum zum Vorschein.




Aschermann2
Greta Aschermann, Horst Aschermann zweite Frau (Mitte) mit den Jugendfreunden ihres Mannes, Barbara Götze und Reinhold Hofmann.

Von Gerd Dolge

Ilmenau - Gleich zwei Mal stand der Künstler Horst Aschermann im Mittelpunkt des Geschehens: Ausstellungen über ihn, seine Malerei und Plastik im Goethe-Stadt-Museum sowie wenige Stunden später in der Jakobus-Kirche. Damit führt die Geburtsstadt des "Wahl-Wieners" den Kunstweg 2011 zu Ehren Horst Aschermanns fort.

Im gut besuchten Stadt-Museum spielte vor allem jener Horst Aschermann eine Rolle, wie er als Kind und Jugendlicher bei Freunden noch heute in Erinnerung geblieben ist. Dem diesjährigen Motto des Museumstages "Museen, unsere Erinnerung" sind Stadt und Kirchgemeinde so auf einer sehr persönlichen Art und Weise gerecht geworden.

"Horst war ein zurückhaltender Mensch mit viel Humor", erinnerte sich Reinhold R. Hofmann. "Aber diesen Thüringer Humor hat er auch dann nie verloren, als es ihm schlecht ging."

Horst Aschermann und Reinhold Hofmann waren beide Jahrgang 1932, beide Sternzeichen Stier , gingen beide in die gleiche Schule. Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebten die beiden 13-Jährigen vor allem als einen Wechsel in der Sprachausbildung. Versuchten sie noch bis zum 10. April 1945, ihre Englisch-Kenntnisse in der Praxis zu überprüfen, so stand am September 1945 Russisch auf dem Lehrplan. "Aber der Russischlehrer versuchte vergebens, uns die Sprache Lermontows und Puschkins nahezubringen", erzählte Hofmann. Sie wandelten lieber auf Goethes Spuren oder besuchten den Förster auf dem Kickelhahn, Karl Brunner. Gemeinsam war beiden auch die Schwärmerei für die neue Kunstgewerbelehrerin, "eine flotte Erfurterin,", wie Hofmann erzählte. "Aber Margarete, so hieß sie, verführte uns nur - zum Rauchen."

Ganz unangepasst erwiesen sich Horst Aschermann und Reinhold Hofmann in diesen Jugendjahren als Romantiker, die lieber lange Ausflüge in den Wald unternahmen. "In dieser Zeit sind wir ein unzertrennliches Gespann geworden", blickte Reinhold Hofmann zurück, "wobei Horst eine gewisse künstlerische Würde ausstrahlte." Lebhaft noch sind die Erinnerungen an die Fahrt zum Deutschlandtreffen der Jugend nach Berlin, an die Torten und Eisbomben, die es dabei gab und auch an die Ausflüge dabei auf den Kurfürstendamm. "Zurück in Ilmenau stand das letzte Schuljahr vor uns", so Hofmann. Die beiden jungen Männer standen der FDJ skeptisch gegenüber. Die Abiturprüfungen absolvierten beide trotzdem im Blauhemd: "Der Horst hat sein FDJ-Hemd gleich nach der Prüfung im Hof ausgezogen." Für die Abi-Zeitung "Der letzte Schrei" hat Horst Aschermann dann nicht nur das Titelbild gezeichnet, sondern auch Lehrer sehr treffend porträtiert, unter anderem Klassenlehrer Dr. Irrgang als "Mitschurin vom Lindenberg".

Ein Jahr nach dem Abitur hatte die Hälfte der Schüler der Klasse 12 a Thüringen in Richtung Westen verlassen, "darunter auch Horst Aschermann." Die beiden Schul- und Jugendfreunde sahen sich erst 1964 in Wien wieder. Horst Aschermann war Lehrbeauftragter an der Kunstakademie in Wien "und ich nutzte jede berufliche Möglichkeit, das Anatomische Institut von Wien zu besuchen und einen Abstecher nach Purkersdorf zu Horst Aschermann machen zu können", freute sich Reinhold Hofmann noch heute. In den letzten Jahren dominierte, so Hofmann, bei seinen Besuchen, "eine wortlose, aber gestenreiche Unterhaltung".

Über Kontakte ganz anderer Art sprach Barbara Götze, eine Jugendfreundin von Horst Aschermann und Tochter des ehemaligen Lehrers Alfred Götze. Von 1964 bis 1970 verband die beiden Männer trotz unterschiedlichen Alters eine enge Brieffreundschaft. Die "lebhafte Korrespondenz", so Barbara Götze, behandelte zwar immer auch das Malen und Zeichnen, aber Horst Aschermann vertraute seinem Brieffreund oft auch Sorgen, Nöte und Freuden an. Barbara Götze nannte dies "ein langes Zwiegespräch". Horst Aschermann zitierte sie dabei mit dem Satz: "Die Malerei ist die Flora in der Landschaft der bildenden Kunst", was Brieffreund Alfred Götze zur Mahnung antrieb: "Lassen Sie ihre malerischen Talente nicht verkümmern.

Die Ausstellung mit Malerei & Plastik im Goethe-Stadt-Museum ist bis 6. November, die Schau mit Plastiken in der Jakobuskirche bis 9. Oktober zu sehen.

Quelle: InSüdthüringen-de, Gerd Dolge, 16.05.2011



SONDERAUSSTELLUNG

Aschermanns Erbe

Der 2005 verstorbene Künstler Horst Aschermann wird von Goethe-Stadt-Museum, Jakobuskirche, Sparkasse und Hotel Tanne mit einem Kunstweg geehrt. Auftakt war gestern Nachmittag in der Sparkasse.




Aschermann-Ausstellung
Tobias Aschermann (rechts) und Rainhard Gabriel spielten ungewohnt gefühlsintensive Musik zur Vernissage.

Von Uwe Appelfeller

Ilmenau - Nach wenigen Tönen bekommen die Zuhörer große Augen. Durch die Ilmenauer Sparkassenfiliale dringt eine so intensive Musik, wie man sie selten bei Ausstellungseröffnungen hört. Ein junger Mann spielt abwechselnd Trompete, Ukulele oder schlägt vorsichtig mit einem Kochlöffel an eine leere Flasche. Mit verstrubbeltem Haar, ausgewaschener Jeans und geringeltem T-Shirt fällt er auf zwischen den gut gekleideten Ausstellungsbesuchern. Wer will's ihm verdenken - er ist der 22-jährige Tobias Aschermann, jüngste Sohn des Künstlers, dessen Werke seit gestern in Ilmenau gezeigt werden. Begleitet wird er von Rainhardt Gabriel, die beiden haben sich beim Musikstudium kennen gelernt. Und ihre extravagante, gefühlsintensive Musik machen sie mit Hilfe von Computer-Loops: Verschiedene Melodien werden kurz angespielt, mit einem Fußschalter gesampelt und in einer Endlosschleife wieder abgespielt. So können zwei Leute mit Hilfe moderner Technik theoretisch Hunderte Stimmen übereinanderlegen und die Klangfülle eines kleinen Orchesters erzeugen.

Die musikalische Ader hat Tobias Aschermann von seinem Vater Horst Aschermann geerbt. Der war Musikfan, er hörte unter anderem gern Jazz und Barockmusik, sagt seine Witwe (und zweite Frau) Greta Aschermann. Was Tobias nicht geerbt hat, ist die Liebe seines Vaters zur Malerei und zur bildenden Kunst. Denn Horst Aschermann (1932 bis 2005) schuf Zeit zahlreiche Skulpturen, Plastiken, Reliefs und Bilder im öffentlichen Raum.

Schicksal war die Pestsäule

Geboren wurde Aschermann in Ilmenau. "Er wohnte hier in der Lindenstraße, vis-à-vis der Sparkasse", sagt Greta Aschermann. Er entstammte einer alteingesessenen Ilmenauer Kaufmannsfamilie, ging zur Goethe-Oberschule und seine Eltern hätten ihn mit privatem Zeichenunterricht in jungen Jahren gefördert, weiß die Witwe.

Dennoch wanderte Horst Aschermann (nach einer Ausbildung zum Kerammodelleur bei Ortloff in Ilmenau) nach Österreich aus. In Wien studierte er Kunst, lernte seine erste Frau kennen, zog mit ihr in den Wiener Vorort Purkersdorf und erlitt ein fast tragisches Schicksal: Bei der Auftragsarbeit zur "Pestsäule", einem riesigen umgekehrten Marmorkreuz, dass an die Pestopfer des 16. Jahrhunderts erinnern sollte, erlitt er während der langen, schweren Arbeit einen Sonnenstich, bekam dadurch eine Hirnhautentzündung und erkrankte in der Folge an Parkinson.

Sein künstlerisches Schaffen und seine Lebensfreude bremste das aber nicht: "Er hatte gelernt, statt der rechten mit der linken Hand zu arbeiten. Er war nie verbittert oder zynisch, immer humorvoll und selbstironisch", sagt Greta Aschermann.

Während ihrer Einführungsrede lief sie von Bild zu Bild, hatte viele Geschichten zu erzählen. Zum "Kalten Berg", der eigentlich ein Vulkan ist, "ein Psychogramm, aber lustig", sagt sie. Oder zum "Garten der Seele", das Aschermann selbst inmitten der von ihm geliebten Pflanzen zeigt. Die studierte Zoologin Greta Aschermann kennt jedes Bild genau. Sie war die Frau an der Seite des Künstlers in seinen letzten 18 Lebensjahren. Als Kind hatte sie in der Nähe von Purkersdorf gewohnt: "Ich kannte die schicksalsschwere Pestsäule", sagt sie, "aber ich habe damals nicht geahnt, dass ich dem Menschen, der sie geschaffen hat, einmal so nahe stehen werde."

Ausstellungseröffnung "Horst Aschermann - ein Ilmenauer in Wien" morgen, ab 10 Uhr, im Goethe-Stadt-Museum. 12 Uhr: Aschermann-Impressionen in der Jakobuskirche. Den Katalog zur Ausstellung gibt es in der Ilmenauer Bücherstube.

Quelle: InSüdthüringen.de, Von Uwe Appelfeller, 14.05.2011



Internationaler Museumstag

Zwischen Klangzauber und begehbarer Bratwurst

Mit abwechslungsreichen Veranstaltungen laden Museen im Ilm-Kreis unter dem Motto "Museen, unser Gedächtnis!"am kommenden Sonntag zum 35. Internationalen Museumstag ein.




Museumstag
Die Horst Aschermann Ausstellung im Goethe-Stadt-Museum Ilmenau, die am Internationalen Museumstag am Sonntag eröffnet wird, wurde bereits gestern von Sybille Viol und Sigrid Hartwig vorbereitet. Foto: U. Appelfeller

Von Hartmut Schulze

Ilmenau - Zum 35. Internationalen Museumstag am kommenden Sonntag werden auch Museen im Ilm-Kreis wieder einiges bieten. Mit Musik, Vorträgen und Ausstellungen soll Vergangenes in das Bewusstsein der Menschen gerückt werden. Aus diesem Grund läuft der diesjährige Museumstag auch unter dem Thema "Museen, unser Gedächtnis!" und greift damit die Frage der Unesco auf "Wer entscheidet heute, an was wir uns morgen erinnern?".

Das Goethe-Stadt-Museum Ilmenau ist Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Gleich zu Beginn steht im Goethesalon die Eröffnung der Exposition "Horst Aschermann - ein Ilmenauer in Wien" Malerei und Plastik auf dem Programm. Reinhold R. Hofmann wird als langjähriger Freund des Künstlers einen Vortrag halten und eine Einführung in das Thema wird von Barbara Götze - eine Schulkameradin von Horst Aschermann - zu hören sein. Musikalisch umrahmt wird die Eröffnung von Andi Geyer und Tom Hahnemann. Ebenfalls von 10 bis 17 Uhr sind der historische Münzkeller (Wallgraben 6), das Museum "Jagdhaus Gabelbach" und die Anlage "Alte Wasserburg" (im Finanzamt Ilmenau) zur Besichtigung geöffnet. Die Besichtigungen sind kostenlos. Die Führung durch die Dauerausstellung des Goethe-Stadt-Museums beginnt 13 Uhr. (...)

Quelle: InSüdthüringen.de, Hartmut Schulze, 11.05.2011



Förderverein "GoetheStadtMuseum Ilmenau" e.V. gegründet


Ilmenau - Am Dienstagabend gründeten 19 Mitglieder den Förderverein „GoetheStadtMuseum Ilmenau" e.V. Der Gedanke der Vereinsgründung und dessen Umsetzung in die Tat ergab sich aus mehreren Gründen. Einen wichtigen nannte zu Beginn der Vorsitzende des vor fünf Jahren vom Oberbürgermeister berufenen Museumsbeirates, Karl-Heinz Schmidt. Er verwies auf das nahende Ende dieses Gremiums, weil der Beirat seine ihm zugewiesene Funktion als Berater bei der Schaffung des neuen GoetheStadtMuseums erfüllt hat. Nicht als Ersatz, aber in Fortsetzung und mit anderen Aufgaben betraut, als denen eines „zahnlosen Tigers"- so bezeichnete Karl-Heinz Schmidt scherzhaft den 5 Jahre tätigen und streitbaren Beirat ohne Entscheidungsbefugnisse in Sachen Museum-, solle sich ein neuer, völlig selbstständiger Verein gründen, dem die städtischen Museen in ihrem Fortbestand wie in ihrer Entwicklung am Herzen liegen.

Kulturamtsleiter Ingolf Krause und Museumsleiterin Kathrin Kunze, die Kraft Amtes als Vorstandsmitglied ist, fachliche Kompetenz einbringt und als Verbindungsglied zwischen der Stadt und ihren Gremien und dem Verein wirken wird, stellten den Anwesenden die zu diskutierende und zu beschließende Vereinssatzung vor. Erarbeitet hatte das Dokument Rechtsanwalt Stefan Bieber, der im Vorfeld mit drei weiteren Interessierten die Bereitschaft, Verantwortung übernehmen zu wollen, erklärt hatte.

Die zur Gründungsversammlung einstimmig beschlossene Satzung: „Der Zweck des Vereins ist die Förderung der städtischen Museen Ilmenaus. Die Förderung erfolgt im Einvernehmen mit den/der Leiter/in des GoetheStadtMuseums Ilmenau, bzw. dem/der Stellvertreter bei der Sammlung und Erhaltung (Restaurierung) von Zeugnissen der Kultur- und Stadtgeschichte sowie historischer Sachzeugen, bei der Vertiefung der ästhetischen und künstlerischen Bildung der Bevölkerung, bei der Wahrnehmung der Öffentlichkeitsarbeit, des Bildungsauftrages und der Forschungs- und Publikationstätigkeit."

Ein fünfköpfiger Vorstand, von Stefan Biber und seiner Stellvertreterin Emmeline Bernet, Geschäftsführende Gesellschafterin des Romantik Berg- und Jagdhotels Gabelbach, geleitet, führt künftig die Geschicke des Vereins. Als Kassenrevisoren wurden Karl-Heinz Schmidt und Dr. Michael Schaefer gewählt. Bereits nächste Woche wird der Verein die Registrierung beim hiesigen Amtsgericht beantragen und seine Gemeinnützigkeit bei der Gothaer Finanzbehörde erwirken.

Autor:   Karl-Heinz Veit

Quelle: "Thüringer Allgemeine", Ressort Ilmenau vom 09. April 2011


MITTAGSINTERMEZZO im April 2011

Volontärinnen haben im Stadtmuseum Dilling'schen Nachlass erforscht




Intermezzo 04/11
Katrin Maier, Volontärin im GoetheStadtMuseum Ilmenau

Mehrere Monate lang haben zwei Volontärinnen im Ilmenauer Stadtmuseum den umfangreichen Nachlass der Porzellanerbin Helma Dilling gesichtet - mit teils überraschenden Erkenntnissen.

Ilmenau - "So wissenschaftlich werde ich wohl nie wieder arbeiten können", sagt Katrin Maier. Im September 2010 ins Ilmenauer Goethe-Stadtmuseum gekommen, hat sie sich mit ihrer Kollegin Heidi Knörich durch mehrere Hundert Einzelstücke der sogenannten Sammlung Dilling gelesen, geblättert und gewühlt. Seltene Porzellane, Fotoalben, aber auch Möbel, Gläser und Gebrauchsgegenstände aus dem Familienbesitz der Ilmenauer Porzellanfabrikanten Christian Nonne und Eduard August Friedrich Grimm.

Im Jahr 2006 "für einen sehr kulanten Preis angekauft" - so der Heimatgeschichtler Bernd Frankenberger - lagerten die Stücke seitdem weitgehend unbearbeitet im Museumsdepot. Dass in dem Konvolut für die Stadtgeschichte bedeutende Stücke enthalten sind, war bekannt. Nicht jedoch in jedem Fall die inneren Zusammenhänge der Sammlung. So erwiesen sich insbesondere die Fotoalben als wahre Fundgrube, wenn es darum ging, Verwandtschaften zwischen den einzelnen Familienmitgliedern oder etwa die genaue Herkunft von Ehepartnern innerhalb der Familiengeschichte der Grimms und Nonnes zu bestimmen.

Auch ein privates Postkartenalbum der Doris Grimm - sie sammelte irgendwann zwischen 1900 und 1920 Darstellungen von Alpenblumen - barg einen überraschenden Inhalt. Erwiesen sich doch die Abbildung eines violetten Enzians auf einer der Karten als identisch mit einem Servicemotiv aus der Fabrikation der Manufaktur E. A. Grimm. "Das war bislang völlig unbekannt", sagt Katrin Maier, die vor ihrem Volontariat an der Universität Leipzig ihren Abschluss als Diplommuseologin gemacht hat.

"Wenn solche Objekte zu uns ins Goethe-Stadtmuseum kommen, dann sind es eben erst einmal nur Objekte", sagt Katrin Maier. Die Aufgabe der Museologen bestehe dann darin, die Geschichte zu den einzelnen Stücken zu erforschen." Das gehe also weit über die reine Katalogisierung und Datierung einer solchen Sammlung hinaus.

Und das kostet in der Regel Zeit - Zeit, die Museumschefin Katrin Kunze in ihrer täglichen Leitungsarbeit fehlt. Sie betrachtet die beiden Studienabgänger dann auch als äußerst wertvolle Hilfe, was letztlich auch darin zum Ausdruck kommt, dass die Arbeit der zwei jungen Damen in dieser Woche im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Mittagsintermezzo" dem Ilmenauer Publikum öffentlich vorgestellt wurde.

"Von daher ist es ganz wichtig, dass wir solche Volontäre für uns gewinnen können", sagt auch Ilmenaus Kulturamtsleiter Ingolf Krause. Für insgesamt zwei Jahre seien die beiden Berufsanfänger im Museum angestellt. "Uns helfen sie gegen ein günstiges Entgeld unsere Depotbestände zu ordnen. Und für die Volontäre ist diese Arbeit eine wichtige Hilfe in ihren Beruf hineinzukommen."

Autor: Matthias Thüsing   Foto: Ingo Herzog

Quelle: "Thüringer Allgemeine", Ressort Ilmenau vom 7. April 2011



MITTAGSINTERMEZZO im Februar 2011

"Feingeist und Verschwender". Über Weimarer Herzog Ernst August I. ist in Ilmenau wenig bekannt




Mittagsintermezzo Februar 2011
Museumsleiterin Kathrin Kunze

Das Mittagsintermezzo im Stadtmuseum soll den kulturellen Appetit zur besten Pausenzeit anregen.

Ilmenau - Wie gut ist es doch, dass Museumsleiterin Kathrin Kunze "etwas im Kasten" hatte und nur deshalb das zweite Mittagsintermezzo im Goethe-Stadt-Museum nicht ausfallen musste. Geplant war, den Schreibsekretär mit seinen bildhaften Intarsienarbeiten vorzustellen. Frau Maschotta musste aber plötzlich krankheitsbedingt zu Hause bleiben. Kathrin Kunze sprang für sie ein, erzählte "Neues über alte Dinge" - das Museum hat als Jagdgerätschaften ein Pulverhorn und einen Hirschfänger angekauft - und sprach über fürstliche Jagdtraditionen, wie sie am Weimarisch-Eisenacher Hof gepflegt wurden.

Solche sollen im Vergleich zum modernen Jagdwesen und historischer wie gegenwärtiger Waldbewirtschaftung in der neuen Ausstellung im Jagdhaus Gabelbach gezeigt werden. Bis die Ausstellungskonzeption, die nun vorliegt, praktisch umgesetzt wird, dauert es aber noch etliche Zeit. Deshalb gab es mit der Intermezzoveranstaltung eine gute Gelegenheit, mit den beiden Exponaten Neugier zu wecken und zugleich Historisches über Herzog Ernst August I., Großvater des Goetheherzogs Carl August, zu berichten. Denn über Ernst August wissen hiesige Heimatgeschichtler vergleichsweise wenig. Sie verbinden diesen Fürstennamen meist nur mit dem Bau des Ilmenauer Schlosses, das jedoch beim Stadtbrand schon 1752 in Asche gelegt wurde. Und der Name ist verbunden mit dem einstigen Jagdschloss in Stützerbach, das allerdings dem Verfall und später dem endgültigen Abriss unterlegen ist.

Was Kathrin Kunze über die facettenreiche Persönlichkeit des Fürsten Ernst August I. (1688-1748), dessen Gattin Sophie Charlotte Albertine, die in Ilmenau verstarb und in der Gruft der Jakobuskirche beigesetzt wurde, berichtete, bot Stoff genug für ein abendfüllendes Programm. Als Baulöwe, Feingeist und Nacheiferer all dessen, was er bei seinen sehr reichen Adelskollegen auf Reisen nach Paris, Wien, Dresden und Berlin sah und erlebte, baute er in seiner Regierungszeit 20 Lustschlösser im Herzogtum. Getrieben von Prunksucht, Jagdleidenschaft, Kunstliebhaberei und Militärgehabe - nicht weniger als 4200 Offiziere und Soldaten, die nie Krieg führten, standen im Sold - führte er das Herzogtum mit damals 60 000 Einwohnern an den Rand des Bankrotts. Die Schulden musste sein Enkel Carl August abtragen und erst durch Maria Pawlownas Mitgift konnten sie getilgt werden.

Das von Kathrin Kunze beschriebene Jagdgebaren weckte bei dem Dutzend Zuhörer den Wunsch nach mehr und detaillierten Informationen. Dieser wird im neu gestalteten Gabelbachmuseum erfüllt werden.

Autor/ Foto: Karl-Heinz Veit

Quelle: "Thüringer Allgemeine", Ressort Ilmenau vom 10. Februar 2011



SONDERAUSSTELLUNG

Man sieht, dass es ein ATM ist

Das Spiel mit den Elementen, die Kombination unterschiedlichster Dinge beim Zeichnen und Gestalten - das zeichnet den Maler Alfred Traugott Mörstedt aus. In Ilmenau wird posthum ein Teil seines Werkes ausgestellt.




Von Uwe Appelfeller

Ilmenau - Die meisten haben ihn ATM genannt, nach seinen Initialen. ATM - so hat Alfred Traugott Mörstedt auch seine Bilder signiert. Manche nannten ihn auch liebevoll "Möhre", sagt Renate Oesingmann. Die frühere Ilmenauer Galeristin kannte den Erfurter Maler Mörstedt natürlich auch. Sie hilft derzeit, die ATM-Ausstellung im Ilmenauer Goethe-Stadt-Museum aufzubauen.

31 Bilder und zehn Objekte werden hier ab Sonntag zu sehen sein. Sie sind zwischen 1980 und 2003 entstanden, das älteste Objekt nennt sich "Seestück" und zeigt, dass der Künstler am Meer war und sich mit dem Übergang der Elemente Wasser und Land beschäftigt hat: Das Seestück besteht aus Schwemmholz und Strandgut.

"Meistens hat Mörstedt aber sehr Unterschiedliches kombiniert. Er hat mit den Elementen gespielt, aus denen seine Bilder und Objekte entstanden sind", sagt Renate Oesingmann. Sie zeigt die "Fahrradmetamorphose": Ein Speichenrad, Rohrversatzstücke, ein Spiegel, eine Glasmurmel und ein Whiskyflaschendeckel ergeben eine Einheit. Auch seinen Bildern hat Mörstedt ebenso humor- wie fantasievolle Namen gegeben: Empfindsame Horizontale, astrologisches Ungetüm, Zierrat im Gleichmaß des Nieselregens. Man merkt: ATM hat sich nicht nur mit gegenständlicher Kunst beschäftigt, sondern auch mit Sprache und Literatur. Mörstedt hat auch Bücher illustriert, zum Beispiel die derb-dreisten Lieder und Episteln von Daniel Stoppe in "Der Parnaß im Sättler".

Mörstedts Bilder wirken oft dreidimensional. "Sie wirken, als wenn sie Ordnung und Chaos zusammenführen", sagt Museumsleiterin Kathrin Kunze. Durch klare Linien und Punkte, die irgendwo im Bild grotesk verwischt sind. Die winzigen Punkte aus reinen Farben sind auffällig oft in Mörstedts Bildern zu sehen, Kathrin Kunze zieht daher einen vorsichtigen Vergleich zum Pointillismus; und Renate Oesingmann sagt, während sie ein Bild an der Museumswand gerade rückt: "Stilistisch lässt sich Mörstedt nicht in irgendeine Tüte stecken. Aber man erkennt jedes seine Bilder, man erkennt immer, dass es ein ATM ist."

Zum dritten Mal werden Werke des Erfurter Künstlers in Ilmenau gezeigt. Die ersten beiden Ausstellungen waren noch zu seinen Lebzeiten, weiß Renate Oesingmann. Mörstedt lebte von 1925 bis 2005. Zur dritten Ausstellung in Ilmenau wird seine Witwe Helga Johanna anwesend sein. Sie hatte auch einen Text für das Programmheft zur Ausstellung ausgewählt, von Harald Gerlach, der geschrieben hat: "Mörstedts Werk ist nirgends ein traditionelles. Aber es ist nicht denkbar ohne intensivste Auseinandersetzung mit Tradition ... Sein Werk ist ein unaufdringliches Bekenntnis zur poetischen Inspirationskraft überschaubarer Lebens- und Erfahrungsräume."

Die Ausstellung "Alfred Traugott Mörstedt - Aquarelle, Bücher und Objekte" wird am 13. Februar um 10 Uhr im Goethe-Stadt-Museum Ilmenau eröffnet. Sie ist bis 1. Mai zu sehen.

Quelle: "Freies Wort", Ressort Ilmenau, Uwe Appelfeller, 9. Februar 2011



MITTAGSINTERMEZZO im Februar 2011

Einkauf für "Goethes Wald"

Wissens-Appetit ließ sich gestern wieder zum Mittagsintermezzo in Ilmenau stillen. Der interessierte Gast erfuhr diesmal, welche Aufwertung das Jagdhaus Gabelbach mit neuer Ausstellung erleben wird.


Ilmenau - Das Mittagsintermezzo, nach einer Idee von 2010 neu 2011 in Szene gesetzt und gestern erst zum zweiten Mal arrangiert, hat bereits "seine treue Gemeinde gefunden", wie Ilmenaus Museumsleiterin Kathrin Kunze erfreut feststellte. Ganz wird wohl aber die Mittagspause nicht bei allen reichen, denn aus den 30 angekündigten Minuten geistigen Genusses wurde gestern leicht das doppelte. In kleinen Appetit-Häppchen servierte Kunze selbst mit teils süffisanten, teils für heutige Zeit erschreckenden Geschichten dem guten Dutzend Zuhörer das "Objekt des Monats", das sie in Erinnerungen an Ernst August (1688-1748), Herzog von Sachsen-Weimar, später auch Eisenach, einband.

Denn der war neben seiner Leidenschaft für Bauwerke und dabei vor allem Jagd- und Lustschlösser, eben auch leidenschaftlicher Jäger, wenngleich angesichts seines Ausbaus der Jagdanlage von 1600 auf dem Kickelhahn das Jagen damals mehr in einem finalen Abschlachten gipfelte. Die Jagd aber spielte bei den diesmal gleich zwei vorgestellten Raritäten die Hauptrolle und damit auch der Blick auf die von Ernst August ursprünglich errichtete Jaghütte, den Vorgängerbau des später vom Enkel Großherzog Karl August 1783 errichteten Jagdhauses. Das nämlich, inzwischen als Museum in Erbpacht der Stadt, soll nach Jahrzehnten stillen Daseins dieses Jahr im Erdgeschoss umgestaltet werden. "Die historische wird dabei der modernen Jagd gegenübergestellt", sagte die Museumsleiterin gestern im Gespräch mit Freies Wort. Beide noch 2010 erworbenen und gestern der Öffentlichkeit präsentierten Stücke werden die Sammlung zur Jagd im Hause ergänzen: Ein Pulverhorn und ein Hirschfänger.

Das Pulverhorn zeigt eine Bärenjagdszene, auf der anderen Seite eine Darstellung der Hirschjagd. Leicht flach gepresst haben die Volontärinnen der Museumsleiterin herausgefunden, dass das Stück aus Rinderhorn bestehen müsse, was als einziges unter hohem Druck und Hitze in seiner Form verändert werden könne. Die Herstellungszeit schätzt Kunze auf das 19. Jahrhundert, was sich aus der gedrechselten Tülle erschließe, gefertigt worden sei es aber noch nach Manier des 18. Jahrhunderts, sagte sie. Beim Hirschfänger sind sich Fachleute noch nicht einig, ob er dem 18. Jahrhundert zuzuordnen ist. "Viel benutzt" aber wurde er allemal, erklärt Kunze den Gästen, dass er eine reine Stichwaffe für den Todesstoß des Hirschs war. Auf dem Messingknauf des Stücks ist denn auch das begehrte Stück Wild abgebildet.

In Bezug zu Ilmenau stehen die neuen Stücke wissentlich nicht, räumt die Museumsleiterin ein. Aus einem Bremer Auktionshaus stammend seien sie aber "Ausdruck des fürstlichen Repräsentationsbedürfnisses", und passten so hervorragend zum historischen Teil der neuen Ausstellung im Jagdhaus Gabelbach, die ab 2012 als "Goethes Wald im Wandel" zu sehen sein soll. Einst war die Jagd das Privileg des Adels, selbst die Singvogeljagd mit Eulen als Lockvogel sei nur niederem Adel gestattet gewesen, erinnerte Kunze.

Die ursprünglich für gestern geplante Vorstellung eines Schranks im Goethezimmer wurde wegen Krankheit der Referentin auf ein späteres Mittagsintermezzo verschoben. tom

 Autor: tom

Quelle: "Freies Wort", Ressort Ilmenau vom 8. Februar 2011


Heyge-Sekretär

Innenleben wird restauriert

Die Finanzierung für die Fertigstellung des Heyge-Sekretärs ist dank der Länderkulturstiftung gesichert.




Heyge-Sekratär
Restaurator Thomas W. Böhme

Solch gute Nachrichten, wie sie Stadtmuseumsleiterin Kathrin Kunze zum Jahresbeginn vom "Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder" bekam, wünsche sie sich öfter.

Es fließen von der Kulturstiftung bereitgestellte 7.026,95 Euro in die Museumskasse. Das Geld ist zweckgebunden für die Restaurierung des Innenlebens des wunderbaren Schreibsekretärs, der seit dem vorigem Sommer die Stirnwand des Festsaales schmückt. Als wertvolles Geschenk hat Familie Hermann Heyge das Rokoko-Möbelstück dem Museum im Sommer geschenkt. Einst soll der Oberhofprediger und Generalsuperintendent Johann Friedrich Röhr, der ab 1820 für Herzog Carl August tätig war, die Grabrede für Goethe an diesem Sekretär geschrieben haben. Röhr war ein verwandter Vorfahre der Familie Heyge. "Eine Enkelin von Röhr heiratete Carl Friedrich Heyge, der kurze Zeit Pfarrer in Heyda bei Ilmenau war, und brachte den Schrank mit in die Ehe", schrieb Museumsleiterin Kathrin Kunze.

Über eine lange Zeit und weite Wege von Ilmenau, nach Wertheim und dann auch noch nach Amerika gelangte der Schrank wieder hierher als Geschenk an die Stadt Ilmenau zurück.

"Im März verlässt uns der Sekretär bis zum Spätsommer nach Dresden in die Werkstatt von Thomas Böhme." Der angestammte Schrankplatz im Stadtmuseum wird aber während dieser Zeit nicht leer bleiben. Herr Böhme bringt ein Ersatzmöbel im Empirestil mit, das für die Zeit der Restaurierung zu bewundern sein wird. Bedanken möchte mich auf diesem Wege bei der Kulturstiftung für das bereitgestellte Geld, aber auch bei den privaten Spendern, die unserem Aufruf nach Hilfe für die Restaurierung des Wertstückes im Museumsbesitz gern nachgekommen sind", informierte die Museumsleiterin.

Autor: it/ Foto: Ingo Herzog

Quelle: "Thüringer Allgemeine", Ressort Ilmenau vom 28. Januar 2011



SONDERAUSSTELLUNG

Aschermanns Werke in Ilmenau

Kunstwerke eines Ilmenauers kehren zurück: Im Mai ist eine Ausstellung über den Künstler Horst Aschermann geplant.




Horst Aschermann, 1986
Horst Ascherman, 1986

llmenau - Man tut sich immer schwer, unter vielen kulturellen Höhepunkten einen herauszuheben, sagt Ingolf Krause. Der Ilmenauer Kulturamtsleiter tat es zur gestrigen Kultur-Pressekonferenz dennoch, auch af die Gefahr hin, dass sich andere Künstler benachteiligt fühlen könnten: Die Horst-Aschermann-Ausstellung im Goethe-Stadt-Museum, die am 15. Mai dieses Jahr eröffnet wird.

"Ilmenauer holen einen Ilmenauer nach Ilmenau zurück", beschreibt Krause kurz die Ausstellung, um dann die Museumsleiterin Kathrin Kunze zu Wort kommen zu lassen. Sie erklärt, wer Horst Aschermann war: Ein Bildhauer und Maler "von hoher Qualität"; geboren und aufgewachsen in Ilmenau, in jungen Jahren abgewandert nach Purkersdorf (direkt vor den Toren der österreichischen Hauptstadt Wien). Dort hatte Aschermann Kunst studiert, sich selbstverwirklicht mit Plastiken, Reliefs, Aquarellmalerei und Grafiken und war sogar an der Kunstakademie. In Purkersdorf ist sein Werk allgegenwärtig - zum Beispiel in der Gestaltung beschiedener Brunnen oder der Glasfenster der dortigen Kirche.

In seiner Jugend in Ilmenau hatte der 1932 geborene Horst Aschermann in der Porzellanfabrik "Metzler und Ortloff" einen Beruf gelernt. "Offenbar hüllte er sich hier aber eingeschränkt in der Freiheit des Geistes", sagt Kathrin Kunze. So verließ er die DDR gegen Ende der 1950er Jahre in Richtung Rödental (bei Coburg) und dann in Richtung Wiener Wald. Nach vielen Schaffensjahren verstarb er dort 2005 nach langer Krankheit.

Von verschiedenen Ilmenauern waren in den vergangenen Jahren immer mehr Hinweise auf Horst Aschermann gegeben worden, sagte Kathrin Kunze. Eine kleine Ilmenauer Delegation hatte sich daher kürzlich auf den Weg nach Purkersdorf gemacht, um mit der Witwe von Horst Aschermann, Greta Aschermann, Einzelheiten zur Ausstellung abzustimmen. Neben Kathrin Kunze und dem Journalisten Karl-Heinz Veit waren auch Helena-Maria Kreibich (Inhaberin der Ilmenauer Bücherstube) und ihr Mann dabei. Helena Kreibich war durch eine Kundin aufmerksam geworden: Sie hatte ein Buch bestellt mit dem Titel "Dunkel nur gibt Licht Kontur. Begegnungen mit dem Bildhauer Horst Aschermann". Herausgeberin des Buches war Greta Aschermann. Auch sie wird natürlich im Mai zur Ausstellung kommen. Geplant ist zudem eine Gesprächsrunde im Herbst mit Greta Aschermann.

Geplante Ausstellungen: Ab Mai werden in der Sparkasse Ilmenau und in der Ilmenauer Jakobuskirche Bilder und Skulpturen Aschermann gezeigt. Im Museum gibt es Biografisches vom Künstler zu sehen.

Autor: Uwe Appelfeller/ Foto: G. Aschermann

Quelle: "Freies Wort", Ressort Ilmenau vom 26. Januar 2011



SONDERAUSSTELLUNG

Kunstweg für einen Ilmenauer

Horst Aschermann war hier Keramikmodelleur und wurde Künstler in Wien/ Werkschau in Museum, Kirche und Sparkasse.


 

Bewusst darüber, durch Heraushebung des Einzelnen alles andere an Kultur und Kunst in diesem Jahr in den Schatten zu stellen, wagte Kultur- und Sozialamtsleiter Ingolf Krause dennoch, Horst Aschermann besonders zu würdigen.

"Ilmenauer holen einen Ilmenauer zurück nach Ilmenau" warb Ingolf Krause gestern für die Sonderausstellung ab Mai im Ilmenauer Goethe-Stadt-Museum „Horst Aschermann - ein Ilmenauer in Wien". Aschermann (1932-2005) verließ nach einer Ausbildung als Keramikmodelleur in der Porzellanmanufaktur Metzler & Ortloff zu Beginn der 50er-Jahre Ilmenau, weil er „die Freiheit des Geistes" stark vermisste. Er studierte an der Hochschule für angewandte Kunst Wien bei Prof. Hans Knesl, an der er auch Lehrbeauftragter war.

Ilmenauer Kontakte bestehen zur Witwe Greta Aschermann im Wiener Vorort Purkersdorf. Die Leiterin des Goethe-Stadt-Museums, Kathrin Kunze, weilte im September dort und in Wien, um sein Gesamtkunstwerk kennenzulernen. Dort befinden sich zahlreiche Skulpturen und Reliefs von Horst Aschermann im öffentlichen Raum. Zu seinen großen Werken gehören die Kirchenfenster der Purkersdorfer Kirche und eine „Pestsäule", die er zu Beginn der 60er-Jahre aus einheimischen Granit schuf. Dabei hatte er sich aber überanstrengt, Sonnenstich, Hirnhautentzündung und schließlich Parkinson erlitten.

Als freischaffender Künstler arbeitete er Reliefs oft aus der sofortigen Negativform. Es entstanden sechs Relieftüren in der Wirtschaftsuniversität Wien, verschiedene Kreuzwegstationen und Christusdarstellungen, die auch sein eigenes schweres Schicksal beleuchten. Seine Werke wurden in Budapest, Paris und London ausgestellt. Sie sind laut Museumsleiterin expressiv, aber auch realistisch.

Goethe-Stadt-Museum, Jakobuskirche, Hotel „Tanne" und Sparkasse werden einen Kunstweg für den gebürtigen Ilmenauer schaffen. Während das Museum Kleinplastik und Malerei zeigt, widmet sich die Kirche christlichen Themen.

Autor: ah

Quelle: "Thüringer Allgemeine", Ressort Ilmenau vom 26. Januar 2011


Vortrag Zäunemann

Der korrigierte Geburtstag

Interessante Einsichten in das Leben der Dichterin Sidonia Hedwig Zäunemann gab ein Festvortrag in Ilmenau. Am Ende kam noch eine Überraschung hinzu.




Vortrag Zäunemann
Jörg Becher (links) übergab ein Medaillon der Dichterin Sidonia Hedwig Zäunemann an Ute Wermer und Martin Strauch. Foto: Appelfeller

Von Uwe Appelfeller

Ilmenau - Es muss im Jahr 2009 gewesen sein, als Martin Strauch eher zufällig eine Entdeckung machte. "Bei der Vorbereitung zum Denkmaltag habe ich den Gedenkstein für Sidonia Hedwig Zäunemann in der nähe der Plauener Kirche gesehen", sagt er. Das Interesse des Volkshochschul-Fachbereichsleiters war geweckt, zumal sich bald herausstellte, dass eine Jahreszahl auf der Gedenktafel falsch war: In der Inschrift auf dem Gedenkstein sind die Lebensdaten der Dichterin mit 1714 bis 1740 angegeben. "Sie wurde aber 1711 geboren", sagt Strauch. Somit stand fest: Dieses Jahr kann ein Zäunemann-Jahr werden, da die Erfurter Dichterin, die in der Nähe von Plaue ums Leben kam, heuer 300 Jahre alt geworden wäre.

Daher gab es die Festveranstaltung am Samstag in der Ilmenauer Musikschule, taggenau 300 Jahre nach der Taufe von Sidonia Zäunemann. Der stellvertretende Landrat Rainer Zobel nannte Martin Strauch in seinem Grußwort den "Wiederentdecker von Sidonia Zäunemann, zumindest im Ilm-Kreis".

Seit 1982 geforscht

Womit er aber nicht uneingeschränkt Recht hatte, denn eine frühere Ilmenauerin (heute in Berlin lebend) hatte sich bereits seit 1982 intensiv mit der Erfurter Dichterin Zäunemann beschäftigt: Die Kulturwissenschaftlerin Ute Wermer. Sie war es daher, die Martin Strauch als Festrednerin für die Jubiläumsveranstaltung gewinnen konnte.

Ute Wermer zeigte anhand des Taufregisters der Erfurter Kaufmannskirche, dass Sidonia Zäunemann tatsächlich drei Jahre früher geboren wurde, als es auf ihrem Plauener Gedenkstein steht. Wie das falsche Geburtsdatum zustande kam, lässt sich nur vermuten: Es wurde im Taufregister wohl falsch abgelesen. "Danach haben einige Hobbyhistoriker den Fehler übernommen und wahrscheinlich falsch voneinander abgeschrieben, weil sich kaum einer die Mühe gemacht hat, gründlich zu forschen", sagte Strauch nach der Feierstunde.

Aus dem Wasser gerettet

Ute Wermer jedenfalls wusste nicht nur, dass Sidonia Zäunemann im Taufregister unter dem Namen Sidonia Heddewiga Zeünemann erstmals erwähnt wurde, sondern konnte mit weiteren interessanten Details aus dem Leben der Schriftstellerin aufwarten. Unter anderem mit dem Fakt, dass die Autorin zahlreicher Gedichte schon in ihrer Kindheit (am Erfurter Gera-Ufer) mehrfach ins Wasser gefallen, aber jedesmal gerettet worden war - tragischerweise war Zäunemann im Jahr 1740 bei einem Ausritt nach Ilmenau in der Nähe von Plaue ertrunken. Und, dass sie keine Angst davor hatte, allein zu Pferd zu reisen, auch bei Nacht. Was für die damalige Zeit ebenso ungewöhnlich war wie ein Damenbesuch in einem Ilmenauer Bergwerksschacht. Die emanzipierte Sidonia Zäunemann fuhr tatsächlich zweimal unter Tage und schrieb ein 38-strophiges Gedicht darüber.

Am Ende der höchst interessanten wie unterhaltsamen Veranstaltung gab es noch eine Überraschung: Der Plauener Jörg Becher überreichte ein Aluminiumguss-Medaillon der Dichterin, dass nach der original Gussform aus dem Jahr 1931 gefertigt wurde (damals wurde der erste Zäunemann-Gedenkstein in Plaue aufgestellt).

Das Medaillon soll nun ins Ilmenauer Stadt-Museum kommen. Allerdings weist es den schon bekannten Fehler auf: Auch hier ist als Sidonia Hedwig Zäunemanns Geburtsdatum das Jahr 1714 angegeben ...

 

Quelle: InSüdthüringen.de, Uwe Appelfeller, 17.01.2011



MITTAGSINTERMEZZO im Januar 2011

"Poetische Rosen in Knospen – das Gesamtwerk von Sidonia Hedwig Zäunemann aus dem Jahr 1738"




AUSBLICK: Die vom Museum ersteigerten "Hamburgische Berichte" sind, wie Kathrin Kunze (l.) erklärte, Quelle für Forschung und Ausstellungskonzept. Foto: K.-H. Veit

Sonderausstellung für Sidonia Zäunemann

Anlässlich ihres 300. Geburtstages wird die enge Verbundenheit der Erfurter Dichterin mit Ilmenau als Bergbaustadt dokumentiert.

Kathrin Kunze, Leiterin des Goethe-Stadt-Museums, hatte am Montagmittag zum "Intermezzo im Museum" eingeladen, und gut zwei Handvoll Heimatgeschichtler und geschichtlich Interessierte kamen. Was Kathrin Kunze ihnen bot, war der Auftakt für das museale Jubiläumsjahr der "Sidonia Hedwig Zaeunemannin aus Erfurt".

Das für die damalige Zeit ungewöhnliche Leben der nicht nur mit dichterischem Talent ausgestatteten Frau wird in diesem Jahr mit einer Sonderausstellung am 25. Juni in der Bergmannskapelle, mit Veröffentlichungen, Vorträgen und Feierlichkeiten gewürdigt. So findet an ihrem Geburtstag, er jährt sich am 15. Januar zum 300. Male, unter der Ägide der Ilmenauer Volkshochschule im Musikschulsaal eine Lesung mit Feiercharakter statt.

Die Erfurterin war mit Ilmenau als Bergbaustadt sehr eng verbunden. Ihr Interesse an der Natur wie am Werkschaffen der Menschen, das sie in ihrer Dichtkunst reflektierte, führte sie als erste Frau unter Tage ins Ilmenauer Bergwerk. "Sidonia Zäunemann gelang dies nur mit allerhöchster Erlaubnis. Und diese erteilte nebst Segen Herzog Ernst August, den sie in ihrem nach der Einfahrt geschriebenen Gedicht über das Ilmenauer Bergwerk ausgiebig huldigte", erläuterte Kathrin Kunze. Am 23. Januar 1737 stieg die forschende Poetin am Treppenschacht, begleitet von Bergwerksinspektor Trommler, in der Berg, überwand über Leitern 184 Höhenmeter und besah unter Tage die Schächte "Gottes Gabe" und "Wilhelm Ernst" im Gebiet Sturmheide. Bei ihrer zweiten Unternehmung am 30. Januar durchwanderte sie in Männerkluft mit Kappe, Hose, Arschleder und Grubenlampe den "Martinröder Stollen" von Ilmenau bis zum Ausstieg am Mundloch in Martinroda. Ihr Bergwerksgedicht als Resümee vermittelt bis heute ein umfassend plastisches Bild von den Begebenheiten der Bergwerksarbeiten wie auch von den sozialen Verhältnissen. Die Dichterin, Forscherin und früh emazipierte Frau kam am 11. Dezember 1740 tragisch in den Fluten der Gera bei Plaue ums Leben.


Foto/ Autor: K.-H. Veit
Quelle: "Thüringer Allgemeine", Ressort Ilmenau vom 5. Januar 2011