Bild: Rathaus

Der neue Personalausweis - besser oder einfach nur teurer?

Seit dem 1.11.2010 gibt es einen neuen Personalausweis. Dass dieser Personalausweis so groß wie eine Scheckkarte ist, ist bekannt, aber viele wissen noch nicht, welche Veränderungen und Neuerungen es darüber hinaus noch gibt. Deshalb soll der „Neue" hier vorgestellt werden.
Was bleibt also vom „Alten" übrig? Natürlich das Lichtbild und alle Personendaten auf der Vorderseite. Weitere persönliche Daten sowie die derzeitige Anschrift befinden sich auf der Rückseite, ebenso der maschinenlesbare Teil.

Neuer Personalausweis - Vorderseite
Neuer Personalausweis - Vorderseite
(http://www.ccepa.de/public/epa.htm)
Neuer Personalausweis - Rückseite
Neuer Personalausweis - Rückseite
(http://www.ccepa.de/public/epa.htm)

Der neue Personalausweis kann verwendet werden wie der alte. Bei Behörden, bei Bankgeschäften, bei der Post, bei Vertragsabschlüssen oder beim Notar. Der Nachweis der eigenen Identität erfolgte also bisher, indem man den Personalausweis vorgelegt hat und der Geschäftspartner visuell geprüft hat, ob man tatsächlich auch ist, für den man sich ausgibt. Das ist natürlich auch zukünftig möglich.

Mit der zunehmenden PC-Nutzung werden immer mehr Dienstleistungen, auch die oben genannten, auf das Internet verschoben und es ergibt sich die Notwendigkeit, sich auch hier eindeutig identifizieren zu müssen. Kann das der zukünftige PA? Wie geht das? Was ist also neu beim „Neuen"?

Es ist ein Speicherchip, von außen nicht sichtbar und

- berührungslos lesbar von zugelassenen Behörden (Grenzübertrittsbehörden, Meldebehörden),
- darüber hinaus nur lesbar durch von mir selbst zugelassenen Privatpersonen,
- veränderbar nur durch Melde- und Ausweisbehörden

Der Chip enthält hauptsächlich 4 Funktionen:

1. das Passbild immer !
2. die wichtigsten persönlichen Daten einschließlich Anschrift immer !
3. die Fingerabdrücke, sofern man dies wünscht !
4. die eID-Funktion, sofern man dies wünscht !

eID bedeutet elektronische Identifizierung und funktioniert folgendermaßen:
Über ein am heimischen PC angeschlossenes Kartenlesegerät, in dem sich mein Personalausweis befindet, werden die Daten zu meiner Person ausgelesen. Nach meiner Zustimmung (ich muss eine PIN-Nummer eingeben), darf mein Geschäftspartner die von mir festgelegten (soeben angekreuzten) Daten auch lesen und somit überprüfen, mit wem er es zu tun hat. Niemand außer ich selbst kann also meine Daten für andere Personen sichtbar machen und so z.B. auf meinen Namen Bestellungen aufgeben, Briefe versenden oder empfangen. Somit wird die Internet-Geschäftswelt sicherer und auch etwas einfacher. Das Kartenlesegerät muss ich mir natürlich zuvor selbst kaufen.
Nach Vorhandensein des neuen Personalausweises werden Verkäufer und Dienstleister wahrscheinlich zunehmend auf diese eID-Funktion zurückgreifen.

Was geht noch?

Über ein Trustcenter kann man sich unabhängig von der Pass- oder Meldebehörde eine qualifizierte elektronische Signatur (QES) sichern. Wie funktioniert das?
Voraussetzung ist eine eindeutige und sichere Identifizierung, wie sie bisher z.B. über Postident erfolgt ist. Zukünftig soll das gesamte Verfahren online durchführbar sein.
Über einen am heimischen PC angeschlossenen Komfortleser mit Berechtigungszertifikat, (den ich mir vorher gekauft habe) und in dem sich mein Personalausweis mit eingeschalteter eID-Funktion befindet, kann man die QES nicht nur beantragen, sondern auch herunterladen und im Ausweischip speichern. Der Personalausweis kann also gleichzeitig als eine Signaturkarte benutzt werden. Somit ist es möglich, Schriftstücke, die als Mail versendet werden, mit der Signatur zu versehen. Beim Empfänger wird diese Signatur anerkannt, als wäre es meine eigene Unterschrift. Die qualifizierte elektronische Signatur kostet etwa 50,00 EUR extra, der Preis richtet sich nach dem von mir gewähltem Anbieter.

Bei Verlust des Personalausweises sollte man aufgrund seiner vielen Funktionen schnell reagieren und diesen für ungültig erklären lassen. Hierzu wird (ähnlich wie bei ec-Karten üblich) eine deutschlandweit einheitliche zentrale Stelle eingerichtet, die per Telefon erreichbar ist und sofort Sperrungen des Personalausweis vornimmt.

Die Gebühr für das neue Personaldokument beträgt 28,80 EUR für Personen, die am Tag der Antragstellung das 24. Lebensjahr vollendet haben. Der Ausweis ist dann - wie bisher - 10 Jahre gültig. Antragsteller, die jünger als 24 sind, müssen eine Gebühr von 22,80 EUR entrichten, deren Dokument wird - wie bisher - 6 Jahre gültig sein. Ausweispflichtige zwischen 16 und 18 Jahren, die erstmals einen Personalausweis beantragen, müssen ebenfalls 22,80 Euro entrichten. Damit entfällt die ursprünglich vorgesehene Gebührenbefreiung für diese Zielgruppe. Die Gebühren sind also erheblich teuerer als die 8,00 EUR für den alten Personalausweis.

Lt. Personalausweisgesetz muss jeder Bürger, der das 16. Lebensjahr vollendet hat, ein gültiges Dokument (Personalausweis oder Reisepass) besitzen.
Wer noch lange gültige Dokumente besitzt und trotzdem den „Neuen" haben möchte, der kann diesen ab November beantragen, der alte Personalausweis wird dann ungültig gemacht.
Alle bisher ausgestellten Dokumente bleiben bis zum Tag des Ablaufes der Gültigkeit weiterhin gültig, aber den Ausweis, den es bisher für 8,00 EUR gab, gibt es ab 1. November 2010 nicht mehr!