Bild: Blick vom Großen Hermannstein

Qualitätsweg Goethewanderweg



Goethewanderweg

Ganz im Sinne Johann Wolfgang von Goethe "Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen", lädt der 20 km lange Goethewanderweg zwischen Ilmenau und Stützerbach ein. Sein großer Reiz liegt im aktiven Erlebnis von Kultur und Natur. Der Goethewanderweg erhielt 2005 als erster Weg in Thüringen das Zertifikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland"und erlangte es wieder. Er ist durch das „G", dem Namenskürzel Goethes, gekennzeichnet und verbindet die Wirkungsstätten Goethes.




Goethe vor dem Amtshaus

Der berühmteste Besucher Ilmenaus war Johann Wolfgang von Goethe, der sich im Auftrag des Herzogs dem Finanzwesen der Stadt und der Wiederbelebung des Kupfer- und Silberbergbaus widmete. Und auch seine Verbundenheit zur Landschaft ließ ihn 26 mal nach Ilmenau kommen. Daher ist Ilmenau auch als Goethe- und Universitätsstadt bekannt.
 

Der Goethewanderweg beginnt im Amtshaus am Markt in Ilmenau. 1616 ließ es Gräfin Sophie von Henneberg als Witwensitz erbauen. Nach dem Stadtbrand 1752 wurde das Gebäude nach den Plänen des Barockbaumeisters Gottfried Heinrich Krohne mit Diensträumen für den Amtmann und Wohnräume für die herzogliche Familie aufgebaut.

Heute beherbergt das Amtshaus die Ilmenau-Information sowie das GoetheStadtMuseum (Montag Ruhetag). Es präsentiert Goethe als Dichter, Beamten, Naturforscher und Verantwortlichen für den Ilmenauer Bergbau. In dem lichten Eckzimmer im 1. Stock kann man heute noch auf den gleichen Dielen wie damals Goethe stehend den Ausblick auf den Markt und die Stuckdecke bewundern.  Hinter dem Gebäude lädt der Amtsgarten mit Bodendenkmälern zum Verweilen ein.




Grab von Corona Schröter

Durch die Obertorstraße gelangt man zum Friedhof. In unmittelbarer Nähe des Eingangs befindet sich die Grabstätte Corona Schröters, der am Weimarer Hof gefeierten Sängerin, Schauspielerin und ersten Darstellerin von Goethes „Iphigenie".
Der Weg führt durch die obere Altstadt vorbei am Zechenhaus, auf den Mittleren und Oberen Berggrabenweg. Diese am Bergmassiv verlaufenden Wege, waren zu Goethes Zeiten wasserführende Berggräben. Sie leiteten das für die Wasserkünste notwendige Aufschlagwasser über 14 km an die Schächte der Sturmheide und nach Roda. Vom Weg zu Berthas Quelle und zum Schwalbenstein bieten sich zauberhafte Durchblicke ins Manebacher Tal.




Schwalbenstein im Frühjahr

Auf dem Schwalbenstein schrieb Goethe 1779 an nur einem Tag den 4. Akt der „Iphigenie", dessen Anfang auf einer Tafel am Porphyhrfelsen zu lesen ist. In einem Brief an den Oberbibliothekar aus Weimar, Dr. Friedrich Wilhelm Riemer berichtet Goethe: "Nach einem heiteren Tag ruhigen Gemüts, schrieb ich nach einer Wahl von drei Jahren, den vierten Akt meiner Iphigenia an einem Tage, am 19. März 1779". Diese Zeilen sind auf einer Tafel im Inneren der Schutzhütte zu lesen, die mit einem schönen Ausblick zur Rast einlädt. Vorbei am Schöffenhaus passiert man über den Heidelberg die Marienquelle und den Emmastein. Bergab gelangt man nach Manebach zum Haus des Kantors.

In Manebach wird das Ilmtal durchquert und am gegenüberliegenden Kammerberg beginnt der Aufstieg zur Helenenruhe und zum Großen Hermannstein vorbei an der Sophienquelle. Dieses Wegstück ist das steilste der Wanderung und belohnt mit einem atemberaubenden Ausblick vom Felsen. Die natürlich entstandene Höhle im Felsen wurde um einen künstlich ausgeschlagenen Rauchabzug ergänzt und diente vermutlich im Mittelalter als Wachstube einer Burg, die sich auf dem Felsen befunden hat.




Blick vom Großen Hermannstein nach Manebach

Goethe suchte sie mehrfach auf, bezeichnet sie als: „(sie ist) mein geliebter Aufenthalt, wo ich möchte wohnen und bleiben".
Hier hat Goethe gearbeitet und gezeichnet. Zu dieser Höhle führte er auch Frau von Stein, als sie ihn im Sommer 1776 in Ilmenau besuchte.
Wo die Worte nicht reichten, ergänzte er sie durch Zeichnungen, wie die Höhle am Hermannstein, die dampfenden Täler bei Ilmenau, der Manebacher Grund und der Stützerbacher Grund. Wie genau Goethe die Motive in Zeichnungen festhielt, können Sie im Museum Jagdhaus Gabelbach sehen. Hier wurde die historische Goethe-Zeichnung "Dampfende Täler" auf eine aktuelle Panoramaaufnahme gelegt, um die zeichnerische Leistung Goethes zu verdeutlichen. 

„Ich war immer gerne hier und bin es noch;
ich glaube, es kommt von der Harmonie,
in der hier alles steht ..."
(Goethe an Schiller, Ilmenau, den 29. August 1795) 




Kickelhahnturm

Mit 861 m erreicht man auch den Höhe(n)punkt der Wanderung: das Goethehäuschen. Am 6. September 1780 schrieb Goethe an die innere Bretterwand der damaligen Jagdhütte eines seiner schönsten Gedichte - Wandrers Nachtlied (Ein Gleiches; Erstausgabe v. Cotta 1815):


Über allen Gipfeln ist Ruh,
in allen Wipfeln spürest du
kaum einen Hauch;
die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur - balde
ruhest du auch.

Dieses Gedicht notierte er mit Bleistift an die innere Bretterwand einer schlichten Jagdhütte auf dem Kickelhahn, die ihm zum Aufenthalt diente. Erst 35 Jahre nach der Entstehung hat der Dichter diese Verse in seiner Werkausgabe veröffentlicht. Die Verse können in dem frei zugänglichen Goethehäuschen  in 16 Sprachen nachgelesen werden. Die Originalschrift ist heute nur auf einer historischen Fotografie im GoetheStadtMuseum zu finden, denn das ursprüngliche Häuschen brannte im Jahre 1870 durch die Unvorsichtigkeit übernachtender Beerensammler ab. Bereits vier Jahre später wurde es originalgetreu auf den alten Fundamenten wieder errichtet.

Ca. 100 m entfernt, befinden sich die Fundamente der historischen Jagdanlage mit Jagdschirm der ehemaligen Herzöge von Sachsen-Weimar. Sie wurde bereits zu Goethes Zeiten nicht mehr genutzt. Der Jagdschirm war ein in Holzbauweise überdachter Anstand für den herrschaftlichen Jäger, der originalgetreu nachgebaut wurde. 

Danach erreicht man den Kickelhahnturm. Der Aufstieg über 107 Stufen auf den 24 m hohen Turm wird durch einen atemberaubenden Blick über den Thüringer Wald und das Vorland belohnt. Schon Goethe wusste die Schönheit des Berges zu schätzen und hielt sich dort oft auf. Der Turm wurde allerdings erst 1855 erbaut.



Bergab gelangt man zum Museum Jagdhaus Gabelbach (Montag Ruhetag). Es ist ein einfacher, spätbarocker Zweckbau, der im Sommer 1783 in aller Eile erbaut wurde, um als Gästehaus Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach und seiner Jagdgesellschaft zu dienen. Das heutige Museum vermittelt einen Einblick in die Jagdgewohnheiten, in das gesellige Leben des Weimarer Hofes sowie in Goethes naturwissenschaftliche Studien. Die Dauerausstellung im Erdgeschoß „Der Kickelhahn - Goethes Wald im Wandel" informiert über die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion des Kickelhahnreviers beginnend vor 250 Jahren.  

Nach der Hirtenwiese, führt der Weg über die Landstraße nach Neustadt hinab ins malerische Schortetal zum Knöpfelstaler Teich mit Schutzhütte und zum Finsteren Loch mit kleinem Wasserfall. Dieser kleine Talkessel war 1776 Rastort der herzoglichen Jagdgesellschaft. Das "nächtliche Gelage am Fuß der Felsenwand" schildert Goethe im Gedicht „Ilmenau".

 




Wanderparkplatz am Goethewanderweg

Bergauf erreichen Sie nach gut 20 Minuten das historische Gasthaus "Auerhahn". Die weimarische Kammer erteilte 1819 das Privileg, zur Errichtung dieses Gasthauses. Benannt wurde es wie wohl auch der Kickelhahn nach dem Auerhahn, der als größtes Waldhuhn einst in unseren Wäldern heimisch war. Über den Wanderparkplatz erreicht man bergab Stützerbach mit dem Schlossberg und das Gundelachsche Haus (Mittwoch bis Sonntag/ Feiertage geöffnet). Goethe weilte ab 1776 13mal in Stützerbach und wohnte hier. In diesem dritten Goethemuseum auf dem Qualitätsweg sind unter anderem die Zimmer zu besichtigen, die Herzog Carl August und Goethe während ihrer Aufenthalte in Stützerbach genutzt haben. Im Museumsbereich sind Zeichnungen, Briefe und Gedichte Goethes ausgestellt, die 1776/77 im Thüringer Wald entstanden. Außerdem werden die Themen der Kleinstaaterei in Thüringen sowie die Glasproduktion und die Papierherstellung  in Stützerbach behandelt.

 

 


Tipp: Nutzen Sie die Busverbindung des IOV mit der Buslinie 300  oder fahren Sie mit dem Rennsteigshuttle (Samstag/Sonntag/Feiertag) eine Strecke der Wanderung.