Bild: Blick über die Stadt

Der Barock-Architekt Gottfried Heinrich Krohne

Gehen Sie auf Entdeckungstour durch die historische Altstadt von Ilmenau. Für den Stadtspaziergang sollten Sie ohne den Besuch des GoetheStadtMuseums etwa zwei Stunden einplanen.

Gottfried Heinrich Krohne (* 26. März 1703 in Dresden; † 30. Mai 1756 in Weimar) war Architekt in der Zeit des Barock und gilt als bedeutender Baumeister der Thüringer Geschichte. Er war u.a. Baumeister der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt und ab 1744, auf der Höhe seines Schaffens, Oberlandbaumeister der Herzöge von Sachsen-Weimar und Sachsen-Gotha.

1729 Herzog Ernst August I. (1688-1748) schickt Krohne auf Studienreise zur Architektur des Schlosses Belvedere nach Wien
1730-1746 Planung und Bau des Ilmenauer Schlosses als offene Dreiflügelanlage im Stil monumentaler französischer Barockbauten
Oktober 1746 erstes große Familientreffen und einzige festliche Begegnung Herzogs Ernst August mit Familie
3. Nov. 1752 verheerender Stadtbrand vernichtete neben 284 Wohnhäusern auch Rathaus, Amtshaus, Kirche, Schule, Rokoko-Schloss
5. Febr. 1753 Landesverweser Franz Josias befiehlt Krohne nach Ilmenau zu senden, um Risse, Vorschläge und Gutachten anfertigen zu lassen
19. März 1753 Krohne wurde technische Leitung für Wiederaufbau übertragen
Im Zuge der sofort von der Regierung in Weimar eingeleiteten Maßnahmen zum Wiederaufbau erstellte Krohne ein Gutachten zur Kirche und Planungen zu deren Wiederaufbau sowie Baupläne des heutigen Rathauses.
1753/54 Krohne ließ Straßennetz der Innenstadt verbreitern und begradigen
1756 Amtshaus wurde als „Amts- und Fürstenhaus" nach Plänen Krohnes unter Verwendung erhaltener Teile neu aufgebaut und erhielt heutige Gestalt

Die städtebaulichen Veränderungen durch Krohne sind noch heute in der Anordnung von Straßen in der Innenstadt erkennbar. „... damit in jeder ein zweispänniger Wagen täglich umwenden kann" mussten Straßen nach Haupt-, Mittel- und Querstraßen unterschiedliche Breiten von 16,5m; 13,5m und 10m aufweisen. In seinen Vorschlägen „zur neuen Anlage der künftigen Gassen" und „Promemoria" plante Krohne vor allem Straßenbegradigungen, massive Grundmauern der Bürgerhäuser sowie gleiche Geschosshöhen und Dachgestaltungen.

Der Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1752 begann mit der Ost-West-Verbindung vom niedergebrannten Schloss zum Endleich, danach der Süd-Nord-Verlauf vom Gasthof „Zur Gans" (Eckhaus Straße des Friedens/Marktstraße), am Rathaus vorbei bis hin zum Obertor (heutige Obertorstraße). Danach folgten die Nebenstraßen. Vorrang hatten öffentliche Bauten und Gasthöfe, die nach Anweisungen Krohnes bis ins zweite Stockwerk in Stein ausgeführt werden mussten. Noch heute sieht man in der Marktstraße (Ecke Straße des Friedens: Stadtapotheke, Sächsischer Hof) und Marktplatz den Baustil jener Tage. Die Größe des Marktplatzes verdoppelte Krohne und erreichte damit eine vorteilhaftere Gestaltung. Amtshaus , Rathaus und der Hennebrunnen von 1732, der als einziger Brunnen den Stadtbrand überstand, geben dem städtischen Zentrum bis heute sein prägendes Aussehen.

 

Stadtrundgang auf den Spuren von Gottfried Heinrich Krohne

Das Amtshaus an der Nordseite des Marktplatzes stammt aus den Jahren 1753 bis 1756, da der Vorgängerbau aus dem Jahr 1616 ebenfalls beim großen Stadtbrand 1752 zerstört wurde. Das Amtshaus diente den Herzögen von Weimar als Residenz, während sie in der Stadt weilten. Heute beherbergt es u.a. das GoetheStadtMuseum mit einem Schloss-Modell und Informationen zur Baugeschichte des Amtshauses.

Das Rathaus ist ein zweigeschossiger Profanbau aus den Jahren 1768 bis 1786. Es entstand nach Bauplänen Krohnes auf den Ruinen des Vorgängerbaus, der beim Stadtbrand von 1752 zerstört wurde. Das Rathausportal und der südöstliche Erker überstanden den Stadtbrand und konnten in den Neubau integriert werden. Diese beiden Gebäudeteile zeigen noch den Renaissancestil. Über dem Eingang ist eine Sandsteintafel mit Stadtwappen und zwei lateinischen Texte angebracht. Sie schildern den Hergang des Stadtbrandes von 1624 sowie die Geschichte des erstmals 1426 erwähnten Rathauses, welches bereits 1603 einem Brand zum Opfer fiel. Auf dem Dach des Rathauses befindet sich ein kleiner achteckiger Turmaufbau mit einer Uhr und einer Glocke aus dem Jahr 1918.

Innenstadt von oben

Stadtanlage

Der große Brand von 1752, verlangte neben Maßnahmen der Brandverhütung breitere Gassen und eine veränderte Straßenführung. Krohne übernimmt einen bereits vermessenen Grundriss von Hauptmann Gerhard und ergänzt seine eigenen Vorschläge „zur neuen Anlage der künftigen Gassen", ferner einen Kostenvoranschlag und eine „Promemoria" (Denkschrift):

 

 

„...
1. Die Hauptanlage kann wegen der Situation (Stadtbrand) nicht der Horizontalen folgen, sondern die Straßen müssen steigend und fallend angebracht werden."
...
3. Dreierlei Breite der neuen Straßen:
Hauptstraße 50 Fuß; Mittelstraße 40 Fuß; Querstraße 30 Fuß - damit in jeder ein zweispänniger Wagen täglich umwenden kann
...
8. Der Markt ist zu klein und soll vergrößert werden.
..."

Ein Stadtplan mit der überplanten Straßenführung befindet sich im Amtshaus. Nachfolgend einige Beispiele für die verschiedenen Straßentypen.

Hauptstraßen: Weimarer Straße, Marktstraße, Straße des Friedens, Friedrich- Hofmann- Straße, Lindenstraße
Mittelstraßen: Karl- Zink- Straße
Querstraßen: Schwangasse

Die Stadtkirche St. Jakobus wurde beim Stadtbrand 1752 fast vollständig vernichtet. Mit den Planungen zum Neubau wurde Krohne beauftragt, der jedoch wenig später verstarb. Aufgrund des Geldmangels der Weimarer Herzöge wurde der Wiederaufbau erst 1760 durch die Weimarer Herzogin Anna Amalia möglich. Sie stellte Geld zur Verfügung, so dass die Kirche bereits am ersten Advent 1761 geweiht werden konnte.
Den Brand überstanden nur der untere Teil des Turmes und der Chor. Der Kirchturm wurde zur Hälfte abgetragen und dann neu aufgebaut.

Schloßmodell im GoetheStadtMuseum

Die Exklave Ilmenau gehörte wegen ihrer waldreichen Umgebung zu den bevorzugten Aufenthaltsorten des Herzog Ernst August I.. Deshalb ließ er nach Plänen seines Oberlandbaumeisters Gottfried Heinrich Krohne am Rande des kleinen Bergstädtchens Ilmenau eine Sommerresidenz errichten. Das um 1730 begonnene und 1746 vollendete herzogliche Schloss umfasste das Gelände zwischen der heutigen Poststraße 2 und der Straße „An der Schloßmauer". Durch eine Studienreise im Auftrag des Herzogs 1729 nach Wien ließ sich Krohne inspirieren. Dies war auch in den Bauplänen seines künstlerischen Schaffens ersichtlich. Der Stadtbrand vernichtete 1752 das Rokoko-Schloss fast vollständig. Verschont blieben lediglich ein Pavillon und Gebäudeteile der Jagd- und Forstmeister, die heutige Alte Försterei. Das Mauerwerk erschien noch intakt und der Wiederaufbau möglich. Krohnes Plan, ein Notdach zu errichten, um Witterungseinflüssen entgegenzuwirken, wurden gebilligt. Allerdings verhinderten die große Not in der Stadt und die geringen finanziellen Mittel des Herzogtums den Wiederaufbau der Schlossanlage. Weitere Informationen sind im GoetheStadtMuseum zu finden.

Literaturquellen und weiterführende Links

Inhalte basieren auf „Beiträge zur Geschichte einer Stadt", Ilmenau
„Jagd- und Lustschlösser des 17. und 18. Jahrhunderts in Thüringen" Heiko Laß


Heimatgeschichtlicher Verein Ilmenau 
Schatzkammer Thüringen Krohne und seine Bauwerke
Wikipedia Vita von Krohne